Das ist die Knallernachricht: In Rottweil entsteht mitten in der Stadt ein neues Hotel mit Restaurant. Die Pläne sind ambitioniert. Hier sind die ersten Details.
Die Miene von Oberbürgermeister Christian Ruf wird am Mittwochabend im Gemeinderat plötzlich feierlich. Es ist „ein großer Tag in der Stadtentwicklung“, sagt er, und verkündet, was zuvor in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen wurde: Das Alte Spital wird an einen Investor verkauft. Und der wird ein Hotel samt Restaurant verwirklichen.
Ein Gebäude mit hohem emotionalen Wert
Diese Nachricht ist nicht nur wegen der Tragweite und der langen Bemühungen, für das Alte Spital eine gute Nachnutzung zu realisieren, von großer Bedeutung. Sondern auch wegen des Gebäudes, um das es da geht: Das Alte Spital, in dem Generationen von Rottweilern geboren wurden, hat „für sehr viele Menschen einen hohen emotionalen Wert“, wie OB Ruf betont. Man müsse „sehr sensibel vorgehen“ – und der Investor, Martin Stockburger als Gründer und Geschäftsführer des Kölner Unternehmens Koncept Hotels, macht später deutlich, dass ihm dies wohl bewusst ist.
Lange Gespräche im Vorfeld
Verkauft werden die Gebäude 56 bis 58, also jene entlang der Hauptstraße. Für St. Anna im rückwärtigen Teil laufen andere Planungen. Seit einem Jahr, so verrät Ruf, sei man mit dem Investor im Gespräch, um die Gebäude durch eine neue Nutzung als Hotel mit Gastronomie zum „neuen Eintrittstor vom Gartenschaugelände in die historische Innenstadt“ zu machen. Derzeit sind dort noch Flüchtlinge untergebracht, der Mietvertrag mit dem Landratsamt läuft im März aus.
Wichtige Punkte für Stadt und Gemeinderat bei der Nachnutzung: Das Gebäude soll in seinem Charakter erhalten werden, ebenso wie die Spitalkapelle. Dass diese und weitere Punkte nun im Bauantrag des Investors genau so erfüllt sind, sorgt bei Stadtverwaltung und Gemeinderat für Entzücken. Ein schon vor vielen Jahren geplantes Hotelprojekt hatte sich zerschlagen.
Kapelle bleibt erhalten
Doch was ist nun genau geplant? Martin Stockburger, der aus der Region Rottweil stammt, will schon ab Frühjahr 2025 aus dem historischen Gebäude einen neuen Anziehungspunkt für Geschäftsreisende, Touristen und lokale Gäste schaffen. Koncept Hotels betreibt bereits sechs Häuser, zwei weitere sind in Planung – Rottweil wird also Hotel Nummer neun. Sein Team fühle sich dem Standort Rottweil seit dem ersten Besuch schon besonders verbunden, versichert er.
Zur Planung: Die denkmalgeschützten Gebäudeteile „Herrenkramer’sches Haus“ und „St. Vinzenz“ werden – unter Einhaltung der Vorgaben des Denkmalschutzes und nach ESG-Nachhaltigkeitskriterien, wie er betont, saniert. Es soll so wenig wie möglich in bestehende Grundrisse eingegriffen werden. Das historische Spital, das erstmals 1275 in einer päpstlichen Urkunde erwähnt worden war, verfügt über denkmalpflegerisch besonders bedeutende Elemente, wie beispielsweise die Spital-Kapelle. „Diese bleibt vollständig erhalten und zugänglich“, versichert Stockburger und fügt schmunzelnd hinzu, dass er so einen besonderen Raum noch in keinem Hotel hat. Auch freie Trauungen seien dort vorstellbar.
50 Zimmer entstehen
Der aktuell die Gebäude des Alten Spitals und St. Anna verbindende Mittelbau wird abgetragen, womit ein Zugang zur Innenstadt geschaffen wird. Der Innenhof soll künftig ein besonderes Erlebnis bieten und die Verbindung zum Landesgartenschaugelände schaffen.
Die geplanten 50 Zimmer, nach Süden gerichtet, lassen ins Neckartal und weiter bis zur Schwäbischen Alb blicken. Stockburger gibt außerdem das Ziel aus, dass die geplante Gastronomie „überregional gesehen“ werden soll, dabei aber niederschwellig mit realistischen Preisen sein wird. „Es gibt regionale Küche und ein sauberes Bier dazu“, sagt er, und fügt schmunzelnd hinzu: „Eventuell gibt’s auch manchmal ein Kölsch.“ Rund 250 Quadratmeter wird die Gastronomie im Erdgeschoss haben, zudem eine große Sonnenterrasse mit Blick ins Neckartal.
Im Gespräch mit Mitbewerbern
Und: Mit dem Platzhirsch, dem Hotel Johanniterbad gleich in der Nachbarschaft, habe er ebenso bereits gesprochen wie mit den Betreibern des „Lamm“. Man ergänze sich, ist er sich sicher, der Markt in Rottweil gebe für alle genug her. Die Hotel-Auslastung sei den statistischen Zahlen gemäß über dem Durchschnitt im Land.
Sportlicher Zeitplan
Jetzt läuft die Planung auf Hochtouren. Der Zeitplan, den Stadt und Investor vorstellen, ist sportlich. Geplanter Baustart ist im April 2025. In enger Begleitung von Bauforschern und Fachleuten der zuständigen Denkmalschutzbehörden soll dann im Zeitraum bis Ende 2026/Anfang 2027 das künftige Hotel entstehen.
Dass diese Pläne einen ganz besonderen Meilenstein, einen ganz großen Wurf für Rottweil darstellen, machen abschließend auch die Vertreter der Fraktionen deutlich. Der Tenor: Es ist fast zu schön um wahr zu sein. Alle haben bereits einen Haken gesucht – “wir finden keinen“, ist man sich einig. Die Freude über das Projekt ist groß – und die Erwartungen entsprechend hoch.