Zur Baustellenführung hatte Hotelier und Bauherr Martin Stockburger (links) ins Alte Spital eingeladen. Foto: Siegmeier

Die Baumaßnahmen im Alten Spital in Rottweil gehen in die nächste Phase. Martin Stockburger gibt beim Baustellenrundgang Einblicke – und verrät mehr über das Koncept-Hotel.

Wenn das Alte Spital erzählen könnte, so hätte es aus mehr als 500 Jahren Stadtgeschichte sicher eine Menge zu berichten. Wo einst Kranke Hilfe und Heilung suchten, werden bald Hotelgäste einchecken, um Rottweil zu erkunden und in der Stadt eine gute Zeit zu haben.

 

An die Nutzung als Senioren- und Pflegeheim, oder die Unterkunft für Geflüchtete erinnert kaum noch etwas. Vielmehr ist das Gebäude im Innern kaum wiederzuerkennen. Große Räume, hohe Decken und eine „ganz neue Luftigkeit“, wie Hotelier Martin Stockburger beim Rundgang durch die historischen Räume anmerkt.

Mehr Frequenz in der Stadt

Und die Begeisterung für das neue Koncept Hotel ist groß, nicht nur bei Geschäftsführer und Hotelier Martin Stockburger selbst, sondern bei allen, die sich zur Baustellenbesichtigung eingefunden haben, wie Oberbürgermeister Christian Ruf und Bürgermeisterin und Landesgartenschau-Geschäftsführerin Ines Gaehn.

Mit einem weiteren Hotel auch für mehr Frequenz in der Stadt zu sorgen, ist das Ziel des Projekts. Dass Martin Stockburger und der Generalübernehmer Volker Herold aus Rottenburg schnell das Potenzial des Gebäudes erkannt haben, das freut Gaehn. Und auch der Baufortschritt begeistert, denn demnächst kann der Ausbau beginnen. Das Bauprojekt wird von Bauforscher Stefan King begleitet, der Experte ist, wenn es darum geht, aus welcher Zeit historische Balken, Wände und Co. stammen.

100 Container Material sind weg

Mittlerweile sind mehr als 100 Container Material aus dem Gebäude geschafft worden, Wände herausgebrochen, neue gezogen und manches mehr. „Das war echt mühsam, aber inzwischen sind alle Bausünden zurückgebaut“, informiert Stockburger, der auch einen kurzen Rückblick gibt auf die erste Besichtigung, die – unter strengster Geheimhaltung – im Mai 2023 stattgefunden hatte.

Im Herbst 2023 hatte dann erstmals der Gemeinderat nichtöffentlich über das Vorhaben beraten. Doch damals habe es noch massiver Fantasie bedurft, sich in den Räumen ein Hotel vorzustellen.

Martin Stockbauer spricht von der Lobby, die als Gästewohnzimmer bezeichnet wird, von hübschen hellen Zimmern über drei Stockwerke hinweg, in denen Historie und modernes Wohnen vereint werden sollen, und die Historie wieder spürbar wird, einem guten Gastrokonzept und dem wunderbaren Biergarten im Innenhof.

49 Zimmer

Mit 49 Zimmern wird das Hotel der größte Rottweiler Beherbergungsbetrieb sein. „Wir wollen aber nicht noch größer werden, aus Rücksicht auf den Markt. Wir wollen gemeinsam mit den anderen agieren“, lässt Stockburger wissen.

Eine Besonderheit des Gebäudes dürfte zweifelsohne der Dachstuhl aus dem Jahr 1571 sein. Über mehrere Dachböden führte Martin Stockburger die Gruppe hoch hinaus, zeigte Kerbzeichen im Holz auf und informierte, dass das Holz im Winter 1570 geschlagen und „abgezimmert“ worden sei, wie aus historischen Quellen bekannt sei.

Historische Wand

Der Spitaldachboden sei zudem der größte erhaltene Dachboden aus dieser Zeit in der Innenstadt. Er machte zugleich auch darauf aufmerksam, wie gut es für das historische Gebälk und Gemäuer nun sei, dass es saniert werde, denn „über das Dach war über längere Zeit unbemerkt Wasser ins Mauerwerk eingedrungen“. Das Dach sei denkmalfachlich hochsensibel.

Ansonsten gibt es lediglich eine Wand im Gebäude, die noch als historisch eingestuft wird und an längst vergangene Zeiten erinnert, als die Kranken hier in zwei großen Sälen versorgt wurden.

Beeindruckender Ausblick

Beeindruckend ist zweifelsohne auch der Blick vom Balkon auf die Neckarauen und das künftige Landesgartenschaugelände. Der historische Abgang über die Treppe vom Innenhof soll wieder reaktiviert werden, informierte OB Ruf. Der Weg sei dann nicht nur im Landesgartenschaujahr einer der Bezahleingänge, ihm komme auch danach eine zentrale Bedeutung als Verbindungsweg zu.

Gastronomie und Eröffnung

Zum Abschluss informierte Martin Stockburger noch über die geplante Gastronomie, die unabhängig zum Hotel betrieben, und für die noch ein Betreiber gesucht wird. „Es soll eine Küche von hier für Menschen von hier geben“, plant er. Mit zwei Partnern sei man bereits im Gespräch. Im Gastraum soll es ungefähr 80 Plätze geben, auf der Terrasse bis zu 100.

Die Arbeiten liegen im Zeitplan, und Martin Stockbauer hat sich zum Ziel gesetzt, Anfang 2027 am Markt zu sein.