Kathryn Babeck und Johannes Beyerle im Kulturraum im alten Schulhaus in VogelbachFoto: Silke Hartenstein Foto:  

Die Gemeinde Malsburg-Marzell will das alte Schulhaus in Vogelbach verkaufen. Mieter seit rund 20 Jahren ist der Künstler Johannes Beyerle. Er will nicht kampflos gehen.

Mit Lesungen, Ausstellungen und Konzerten hat Johannes Beyerle das denkmalgeschützte Gebäude zur „Kulturoase“ gemacht. Die Verkaufsabsicht wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung öffentlich.

 

„Das ist eine sehr unschöne Situation“, sagt der amtierende Bürgermeister Mario Singer auf Nachfrage unserer Zeitung, doch laut mehrheitlichem nichtöffentlichen Gemeinderatsbeschluss solle das Gebäude aufgrund des hohen Sanierungsbedarfs aus finanziellen Gründen verkauft werden. Die Elektrik im Gebäude sei veraltet, es gebe keine Heizungsanlage und es bestehe die Gefahr, dass die alten Wasserleitungen im Winter platzen könnten.

Bereits 2023 habe man über einen Verkauf nachgedacht, zu dieser Zeit jedoch habe der Gemeinderat das Vorhaben abgelehnt. Ein alternatives Mietobjekt könne die Gemeinde dem Künstler nicht anbieten, sagt Singer. Unter seinen Vorgängern seien die meisten Objekte im Gemeindebesitz veräußert worden, und das alte Rathaus in Marzell werde vielfältig genutzt, auch die „Gmeistube“ sei dort. Mit den Mietern habe man eine sehr lange Kündigungsfrist und ein Vorkaufsrecht vereinbart – allerdings solle das Haus nicht unter Wert verkauft werden.

Ende Februar gekündigt

Johannes Beyerle teilt die Bedenken der Gemeinde wegen der alten Wasserleitungen. Im mit Holzöfen beheizten Gebäude stelle er im Winter zur Sicherheit das Wasser in den oberen Stockwerken ab, sagt er. Kathryn Babeck, die seit vier Jahren dort wohnt, fügt hinzu, sie habe für die Zimmer ihrer beiden Töchter im Dachgeschoss eine Infrarotheizung gewollt und sich zwecks Erneuerung der Elektrik an die Gemeindeverwaltung gewandt. Die Gemeinde habe zwar einen Elektriker beauftragt, dann jedoch sei der Hausverkauf ins Spiel gebracht worden.

Das denkmalgeschützte alte Schulhaus oberhalb von Vogelbach soll verkauft werden. Foto: Silke Hartenstein

Er habe vergeblich um einen langfristigen Mietvertrag über zehn oder 15 Jahre gebeten, sagt Beyerle – dann nämlich hätten sie selbst etwas in die Elektrik investiert. Den Vorschlag des Gemeinderats, erst die Miete zu verdoppeln und danach Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen, hätten sie abgelehnt. Als 2023 erstmals eine Verkaufsabsicht vorlag, hätten sie bereits ein Kaufangebot gemacht, sagt Beyerle, doch nach seinen Gesprächen mit allen Gemeinderäten sei das Thema Hausverkauf erst mal vom Tisch gewesen. Nun sei Ende Februar die Kündigung gekommen, die Kündigungsfrist laufe bis Sommer 2027.

Besucher von weit her

Das Paar ist im oberen Kandertal aufgewachsen und schätzt Lage und Flair des geschichtsträchtigen Gebäudes. Die Holzöfen mit historischen Ofenkacheln stammen von einem früheren Mieter, der die Kacheln vom Schuttplatz holte. Kinder aus Vogelbach, Käsacker und Malsburg seien hier zur Schule gegangen, sagt Beyerle. Von kleinen Füßen ausgetretene Holztreppenstufen führen in den ersten Stock.

Dort, im großen der beiden Klassenzimmer, waren bei Kulturveranstaltungen Künstler wie Autor Markus Manfred Jung und Musiker wie Uli Führe und Opernsänger Hanno Müller-Brachmann zu Gast. Viele der Besucher, erzählt Beyerle, seien von weit her gekommen.

Historie

Seit 1716
stand auf dem Bergsattel ein Schulhaus. 1828 wurde es neu gebaut, 1878 erweitert. Die Schulkinder mussten Brennholz mitbringen und, laut Eintrag aus 1884, wöchentlich die Klassenzimmer reinigen. Standesamtliche Ehen von Bürgern aus Vogelbach und Käsacker wurden im Schulhaus geschlossen, das große Klassenzimmer wurde für Musikproben, ein Raum im Erdgeschoss als Gemeindearchiv genutzt. 1913 wurde das Dachgeschoss zu Wohnraum ausgebaut. 1958 brannte das angrenzende Feuerwehrhaus ab. Rasch folgte ein Neubau, bis heute befindet sich an dieser Stelle Vogelbachs Feuerwehrhaus. 1968 dann wurde der Schulbetrieb eingestellt und das Gebäude vermietet. (Quelle: Fred Wehrles „Häuserchronik Malsburg-Marzell“)