Monika Wiedemer, Sabine Bräuning, Anne Leßmeister, Rosa Alice Abruscato, Barbro Viefhaus, Hannah Rebekka Ehlers, Katja Hentschel, Dorothée Kahler (v. li.) sind „Die acht Frauen“. Foto: Tobias Metz

„Die acht Frauen“ im Alten Schauspielhaus zeigt ein gewaltiges Hauen und Stechen. Es wird aber auch getanzt und gesungen.

Alles beginnt wie eine verzopfte Wohlfühlklamotte. Man schaut in ein gediegenes bürgerliches Interieur mit einer pompösen zweiarmigen Treppe und Samtsofa. Doch Su Sigmund (Bühne und Kostüme) hat die große Rückwand klug mit völlig überdehnten Blumenmotiven tapeziert, die eitel Harmonie signalisieren. Danach passiert auf der Bühne exakt das Gegenteil. Acht Frauen beharken sich bis auf Äußerste, würgen sich auch schon mal.

 

Suzanne ist eine Art weiblicher Hercule Poirot

1961 wurde die Komödie „Die acht Frauen“ von Robert Thomas in Paris uraufgeführt und 2002 mit Kinogrößen wie Fanny Ardant, Catherine Deneuve und Isabelle Huppert verfilmt. Jetzt ist das Nur-Frauen-Stück im Alten Schauspielhaus zu sehen. Sechs der Damen sind miteinander verwandt, zwei sind Angestellte der Hausherrin Gaby. Die 16-jährige Schülerin Suzanne kommt zu Weihnachten in das Haus ihrer Eltern und trifft dort auf ihre 15-jährige Schwester Catherine (Rosa Alice Abruscato), ihre Mutter Gaby und ihre Großmutter Mamy (Sabine Bräuning), dazu die Tanten Augustine und Pierette (Dorothée Kahler). Rasch gibt es einen gewaltigen Einschnitt: Das Zimmermädchen Louise (Hannah Rebekka Ehlers) findet den Hausherrn tot in seinem Zimmer mit einem Messer im Rücken. Nur sie allein sieht ihn, denn Suzanne ordnet an, aus ermittlungstechnischen Gründen dürfe niemand das Zimmer betreten. Ab sofort fungiert Suzanne (schön cool: Barbro Viefhaus) als eine Art weiblicher Hercule Poirot, indem sie alle anderen Frauen mit unangenehmen Fragen löchert.

Eine der Frauen muss die Mörderin sein

Da niemand anders das Haus betreten haben konnte, muss die Mörderin eine der acht Damen sein. Unter dem extremen Druck dieser Sachlage schlagen die Frauen geradezu um sich, vor allem verbal, aber auch mal mit Fäusten. Nun wird richtig ausgepackt, man schleudert einer anderen Frau mit Anlauf ins Gesicht, was man eigentlich von ihr hält, sie sei eine Betrügerin, eine kleine Nutte, eine garstige Schlampe und natürlich die Mörderin von Gabys Gatten Marcel. Es kommen ein paar peinliche Wahrheiten ans Licht, etwa, dass Papa pleite ist und Mama einen Liebhaber hat, den sie überraschenderweise mit ihrer Schwägerin teilt.

Rosa Alice Abruscato, Monika Wiedemer, Anne Leßmeister, Hannah Rebekka Ehlers, Barbro Viefhaus, Dorothée Kahler, Sabine Bräuning (von links) Foto: Tobias Metz

„Die acht Frauen“ ist nicht bloß ein Krimi, sondern ein Psycho-Enthüllungsstück, das laufend mit Überraschungen aufwartet. Der Autor Robert Thomas hat sich eine Art Versuchsanordnung ausgedacht, in der er acht miteinander verbandelte Personen jegliche Hemmung wegpusten lässt. Ungeheuerliche Sätze sind da zu hören: „Wie kann ein Mann Sie nur lieben?“, schleudert Pierette ihrer Schwägerin Gaby entgegen. Monika Wiedemer spielt die Gaby amüsant als eine dominante Dampfwalze. Und noch ein bemerkenswerter Satz, er kommt von der Köchin Madame Chanel, von Katja Hentschel als souveräne Frau gespielt: „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie etwas Böses getan.“ Wer kann das von sich behaupten?

Am Schluss ist das Stück am besten

Ein skurriles Stück, das Frank-Lorenz Engel einleuchtend inszeniert hat. Bravourös sind Su Sigmunds Kostüme geraten, die jede Figur ästhetisch charakterisieren, durch einen Schottenrock, ein Chanel-Kostüm oder eine Krawatte mit Weste. Richtig Spaß machen die Songs, bekannte Ohrwürmer wie etwa „Schuld war nur der Bossa Nova“ oder „Nathalie“. Bisweilen wird rasant getanzt (Choreografie: Maryanne Kelly). In der letzten halben Stunde ist das Stück am besten, wenn es völlig absurd wird. Augustine, Gabys Schwester, kalt und aggressiv, ist auf einmal in einem Tüllkleid wie eine Prinzessin gekleidet und intoniert Gilbert Bécauds zartes Chanson „Nathalie“. Anne Leßmeister spielt die schräge Augustine wundervoll mit gekonnter Überzeichnung. Da gelingt mehr als bloß eine Krimi-Groteske.

Die acht Frauen:Altes Schauspielhaus. Weitere Aufführungen bis 24. Januar.