Wegen eines denkbaren Verkaufs des alten Rathauses hatte Heiko Lebherz in seiner noch kurzen Amtszeit als Haigerlocher Bürgermeister im Harter Ortschaftsrat erstmals Gegenwind bekommen. Beim Ortsrundgang wurden die Wogen wieder geglättet.
Das alte Rathaus in der Ortsmitte gegenüber der Kirche ist eines der öffentlichen Gebäude, von dem sich die Stadt gerne trennen würde. Erst Anfang Juni hatte sich eine Elterngruppe das Gebäude angesehen, ob es sich als Unterkunft für eine Tagespflege von unter Dreijährigen (TIGER-Gruppe) eignet.
Dafür kommt es zwar wohl nicht in Frage – der Verkauf des Rathauses an potenzielle Investoren ist aber deswegen nicht vom Tisch. Das Problem: In dem Gebäude befindet sich nach wie vor der Mannschaftsraum der örtlichen Feuerwehrabteilung.
Kritik an möglichem Rathausverkauf
Ex-Ortsvorsteher Willi Mesam brachte in der Ortschaftsratssitzung die Debatte über das Gebäude ins Rollen und übte Kritik an einem denkbaren Rathausverkauf. Als man der Feuerwehr eine neue Garage gebaut habe, so Mesam, haben man an „allen Ecken und Enden“ sparen müssen, deshalb kam der Mannschaftsraum der Abteilung ins Erdgeschoss des alten Rathauses. Bevor man das Gebäude veräußere, müsse also ein neuer Schulungsraum für die Feuerwehr her, forderte er.
Ortschaftsrat Holger Klingler kritisierte, dass das Thema für alle überraschend in der Hauptversammlung der Feuerwehr angesprochen worden sei. Das ging aus seiner Sicht gar nicht und er forderte „Fairness, Offenheit, und Transparenz“, damit man miteinander zu einer Lösung komme. Wenn die Kommunikation so wie in Hart verlaufe, werde er (Lebherz) auch Gegenwind in anderen Ortschaften kriegen, prophezeite Jörg Biesinger. Ehrenamt dürfe nicht mit Füßen getreten werden.
Noch ist nichts entschieden
Bürgermeister Heiko Lebherz war von solch deutlicher Kritik dann doch etwas überrascht. Ja, er habe sich das Gebäude mit der Kindergruppe angeschaut, dass dies aber solche Wellen schlage, sei ihm nicht klar gewesen. Noch sei nichts entschieden, aber die Stadt könne sich aufgrund ihrer schwierigen finanziellen Lage nicht länger leisten, Gebäude zu behalten, die nur zweimal im Monat genutzt würden. „Wir werden eine Lösung finden“, versprach er der Harter Feuerwehr.
Ortswechsel und Zeitsprung: Zehn Tage später traf sich der Ortschaftsrat, einige interessierte Bürger und Harter Feuerwehrleute gemeinsam mit Bürgermeister Heiko Lebherz und Bauamtsleiter Hans-Martin Schluck vor dem Alten Rathaus. Dabei erwähnte der Bürgermeister, dass es zwei Investoren gebe, die sich vorstellen könnten, das Gebäude zu sanieren und dort Wohnungen einzubauen. Entschieden sei aber noch nichts.
Die Feuerwehr als Mieter?
„Dann braucht die Feuerwehr einen Ersatz“, schlussfolgerte daraus Ortsvorsteher Thomas Bieger. Wie aber könnte der aussehen? Vielleicht sogar dergestalt, dass die Feuerwehr als Mieter in dem Gebäude drinbleibt? Eine spekulative Idee.
Oder käme letzten Endes doch noch der Anbau eines einfachen Schulungsraums an die jetzige Feuerwehrgarage in Frage? Auch auf diese Frage gibt es momentan keine Antwort. An der unteren Seite Richtung Grubbenbach scheint das aber grundsätzlich nicht möglich zu sein. Laut Ortsvorsteher Bieger muss dort wegen des Hochwasserschutzes nämlich ein Mindestabstand zum vorbeifließenden Grubbenbach eingehalten werden.
Stationen auf dem Ortsrundgang durch Hart
Das zweite Gebäude
das ebenfalls für einen Verkauf in Frage käme, ist das frühere Sportheim des SV Hart am längst aufgegebenen Waldsportplatz. Nach dem kürzlichen Tod von Jäger Adolf Fechter ist dessen Sohn Christian der einzige noch Verbliebene aus der Jagdgenossenschaft, an welche das Gebäude für eine Laufzeit von 25 Jahren verpachtet worden ist. Genutzt wird das Sportheim um Material und Stangen für den Hochsitzbau zu lagern. Fechter bat Stadtverwaltung und Ortschaftsrat die jährliche Pacht von 500 Euro zu überdenken, zumal das undichte Dach gerichtet werden müsse.
Das dritte Gebäude
in städtischem Besitz ist das alte Backhäusle in der Ortsmitte. Dort sind seit geraumer Zeit die Narren beheimatet, ihren genehmigten Antrag zum Ausbau des Gebäudes haben sie aber noch nicht umgesetzt. Dort kommt der Denkmalschutz ins Spiel, weil sich in dem Häusle ein historischer Backofen befindet. Auch bei diesem Objekt könnte sich Bürgermeister Lebherz vorstellen, dass man es dem Narrenverein verkauft.
Weitere Haltepunkte
waren der Friedhof und der Weg zum Friedhof, wo die Firma Jeggle aus Loßburg derzeit den schadhaften Abwasserkanal durch einen größer dimensionierten Kanal ersetzt. Hier wird laut Bauamtsleiter Hans-Martin Schluck aber nicht gleichzeitig Glasfaserkabel verlegt