Kreidegrund, Knochenleim und ruhige Hand: Fassmaler Elmar Dold bewahrt in Bräunlingen ein jahrhundertealtes Handwerk – Schicht für Schicht echte Kunst.
In der Narrenhochburg Bräunlingen hat närrische Kleidung einen besonderen Stellenwert. Dies wird bei Umzügen und närrischen Veranstaltungen in den Hallen und Lokalen besonders deutlich. Bei den historischen Figuren der Narrenzunft kommt es auf die Herstellung und die farbliche Ausprägung an.
Neben dem Schneidern der Häser, deren Bemalung sowie Attributen wie Gschell und Narrenschwert ist für eine Fassung einer Larve eine besondere, fast schon künstlerische Veranlagung notwendig. Für diesen Bereich hat Bräunlingen mit Elmar Dold einen hervorragenden Fassmaler.
Darum ist’s ein Fassmaler
Die Bezeichnung Fass kommt übrigens vom Begriff Fassung. Dold legt neben der Farbgebung auch auf die darunterliegenden Schichten großen Wert und hat dafür ein filigranes Gespür entwickelt.
Der schwäbisch-alemannische Kulturraum der Fasnet wird in den alten Narrenstädten wie Bräunlingen, Donaueschingen, Hüfingen, Laufenburg, Elzach, Rottweil oder Villingen vom Typus Weißnarr dominiert. Ein besonderer Teil seiner Verkleidung ist, neben dem aus Leinenstoff gefertigten und bemalten Häs, die hölzerne, meist aus Lindenholz geschnitzte Maske. In Villingen nennt man sie Scheme, in Rottweil Larve und in Bräunlingen wird sie Maske oder auch Larvere genannt.
Gerade in diesen Narrenhochburgen wird versucht, die alten Traditionen aufrechtzuerhalten.
Technik aus dem Mittelalter
Hierzu gehört auch das Fassen der Masken mit Kreidegrund, einer Technik aus dem Mittelalter. Diese Art der Bemalung wird als Standard für Holzskulpturen und sakrale Kunst seit dem Hoch- und Spätmittelalter verwendet. Auch Elmar Dold aus Bräunlingen wendet dieses traditionelle Handwerk für seine Fassungen an. In der Holzbildhauerei bezeichnet der Begriff Fassung die farbliche Gestaltung und Oberflächenbehandlung einer geschnitzten Holzmaske. Die Farbe fasst die Form, hebt Volumen, Ausdruck und Details hervor und schützt sogleich das Holz. Eine Fassung besteht aus mehreren Schichten wie Leimtränke, Kreidegrund und den Farbauflagen.
Sie ist kein bloßer Anstrich, sondern ein wichtiger integraler Bestandteil der künstlerischen Aussage der Arbeit. Bei Fassmaler Elmar Dold fordert eine komplette Fassung bis zu zwölf Arbeitsschritte. „Die Leimtränke ist die erste und wichtigste Schicht beim Aufbau eines Kreidegrundes. Sie wird aus gekochtem Knochenleim hergestellt, zieht tief in das Holz ein und dient zum Abdichten des saugenden Untergrundes“, betont Elmar Dold.
Auf die Konsistenz kommt es an
Als Grundlage für den Kreidegrund dienen mehrere Leimarten und Kreidesorten. Diese werden in einem bestimmten Mischungsverhältnis zusammen aufgekocht. Hat er die passende Konsistenz erreicht, wird der Kreidegrund mit einem Pinsel aufgetragen. „Der Auftrag mit den nötigen Zwischenschliffen erfordert viel Geduld, Sorgfalt und Fingerspitzengefühl“, sagt Elmar Dold. Nach drei bis fünf Schichten, welche immer wieder fein verschliffen werden müssen, ist der Kreidegrund fertig. Nach einer längeren Trocknungsphase folgt dann der erste Farbauftrag mit Ölfarben. Elmar Dold arbeitet wie die alten Meister mit mehreren Lagen. Das Anlegen der Wangen, Falten, Augen, Lippen, Zähne und Augenbrauen erfordert eine ruhige Hand und viel Einfühlungsvermögen.
Wie aus einem Guss
Der letzte Arbeitsgang beim Fassen ist der Überzug mit einem Klarlack, um die Fassung vor Umwelteinflüssen zu schützen. In der Fasnachtsabteilung des Villinger Franziskanermuseums hängen Schemen aus der Zeit um 1700, die mit einem Kreidegrund versehen sind. Diese original erhaltenen Fassungen haben drei Jahrhunderte überdauert. „Eine traditionelle Holzmaske ist ein Zusammenspiel aus Schnitzkunst, Fassung und Haarkranz. Am Schluss muss alles passen und aus einem Guss sein“, weiß Elmar Dold. „Ich habe auch mit modernen Farben, Lacken und Grundierungen experimentiert, bin aber immer wieder zurück zum Kreidegrund gekommen“, ergänzt er.
Es herrscht Leben in der kleinen Werkstatt an der Blaumeerstraße, denn Dold bekommt kontinuierlich Anfragen für seine Fassmalerarbeiten aus vielen Narrenstädten der Umgebung. Auch Restaurierungen, Ausbesserungen und Auffrischungen von Masken werden in seinem Atelier in der Bräunlinger Altstadt ausgeführt.
Elmar Dold ist kein Akkordarbeiter, er legt Wert auf eine gute Ausführung seiner Handwerkskunst. Deshalb müssen Auftraggeber etwas Zeit einplanen, bis sie ihre fertige Maske abholen können. „Weniger ist manchmal eben mehr, auch in der Fasnacht“, mahnt er zu Geduld.
Vielfältig engagiert
Häs- und Fassmalermaler
Elmar Dold (63) ist seit Kurzem Rentner. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder sowie zwei Enkelkinder. Der gebürtige Bräunlinger war jahrelang ein aktives Mitglied der Urhexen. Er spielte viele Jahre lang in der Stadtkapelle und bei der Bregi House Band die Trompete. Aktuell ist er noch in der Bräunlinger Hanselgruppe aktives Mitglied.