Eine Gruppe um Franz Fuchs pflegt in Maisenbach-Zainen eine alte Tradition. Vor dem Vergnügen kommt die Knochenarbeit.
Kohlenmeiler hatte im Altertum eine wichtige Funktion als Brennstofflieferanten. Sie hatten den Ruf ein Wirtschaftszweig zu sein. Sie brachten in vielen, vor allem ländlichen Gegenden, Menschen in Lohn und Brot.
Der Niedergang begann im 19. Jahrhundert, als die Steinkohle die Holzkohle ersetzte. Heute wird die traditionelle Herstellung von Holzkohle nur noch für einige Spezialanwendungen und als Traditionspflege betrieben. Die Ausstrahlung der Kohlenmeiler besonders auf den Tourismus wird aber vielerorts neu entdeckt.
Fachwissen nötig
Nötig für die Wiederbelebung des alten Handwerks sind jedoch das nötige Fachwissen und eine engagierte Helferschar.
Im ehemaligen Köhlerort Zainen-Maisenbach sind die Bewohner diesbezüglich schon weiter. Franz Fuchs hat sich im Laufe der Jahre zu einem echten Fachmann in Sachen Köhlerei entwickelt und packt bis heute an vorderster Front mit an. Dank seines Engagements hat sich der kleine Bad Liebenzeller Höhenstadtteil ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet, das alle paar Jahre die Einwohner dazu animiert, mit einer Reihe von Events zahlreiche Gäste in den Ort zu locken.
Kulinarik und Kultur
Unter der Regie von Ortsvorsteher Fritz Steininger haben im Laufe der Jahre engagierte Bürger immer umfassendere Konzepte rund um den Meiler entwickelt. Es geht um kulinarische, kreative und kulturelle Elemente und um das Thema Heimatverbundenheit.
In der Festwoche vom 30. Mai bis 7. Juni ist einiges geboten. Bei jedem Kohlenmeiler-Fest stellt der Ort seine Leistungsfähigkeit und den besonderen Zusammenhalt unter Beweis.
Bis es so weit ist, war aber erst einmal „Knochenarbeit“ angesagt. „Unser Meiler besteht in diesem Jahr aus über 20 Festmeter Holz“, berichtet Franz Fuchs. Sägen, Spalten, Aufladen, Transportieren, Einlagern, Aufbauen – hört sich nicht nur nach Arbeit an, sondern ist auch ein echt harter Job, zu dem man ein gewisses handwerkliches Potenzial mitbringen muss.
Rasenfläche freigestochen
Auf einer Wiese hinter der Kirche wurde eine Rasenfläche freigestochen, in deren Zentrum ein Kamin (Quandel) steht und um den herum dann das Holz aufgeschichtet wurde. Legt man pro Festmeter Buche 500 Kilogramm zugrunde, dann müssen bis zur Fertigstellung des Meilers mehr als 10 000 Kilogramm bewegt werden.
Wenn der Holzberg erst mal aufgetürmt ist, beginnen die Feinarbeiten. Zuerst werden alle größeren Lücken zwischen den Holzscheiten verdichtet. Dann kommt eine Schicht Heu drüber. Anschließend muss das Ganze rundum mit den zuvor ausgestochen Rasenstücken verschlossen werden.
Großer Vorrat
„Zum Abdichten verwenden wir das alte Löschmaterial, das wir an den ehemaligen Meiler-Standorten gefunden haben“, berichtet Fuchs. Da muss sich nach seinen Erkenntnissen in grauer/rußiger Vorzeit einiges getan haben. „Die Schicht, die da liegt ist bestimmt zwei Meter dick und reicht uns noch viele Jahre“ so Fuchs.
Aus dem tiefschwarzem „Lösch“ fertigten die Helfer mit Wasser einen „Brei“ und mit diesem ein luftdichtes Dach um und über dem Meiler. Alles passierte mit Schaufeln und per Hand.
Während die einen die Abdichtung vorantrieben, schloss Fuchs mit Rasenstücken die letzten Lücken. Noch ein paar kontrollierende Blicke, zwei drei Nachbesserungen in den nächsten Tagen, dann kann am 30. Mai ab 14 Uhr das Anzünden im Beisein von Bürgermeister Roberto Chiari und Pfarrer Tobias Hermann beginnen.
Programm
Bewirtung
Bei allen Veranstaltungen werden Speisen aus heimischen Produkten aus der Zeit angeboten, als die Kohlenmeiler noch rauchten.