Es war die traurige letzte Sitzung des Vorstands im Dorfhaus, von links Beisitzerin Carola Richter, Kassierer Bernd Vollmer, Protokollantin Elke Pietoris, Vorsitzender Volker Effinger, der stellvertretende Vorsitzende Andreas Fanelli, Schriftführerin Sandra Effinger und Gründungsmitglied Franz Effinger. Foto: Hella Schimkat

Im kommenden Jahr hätte die Gesellschaft für Altertums- und Brauchtumspflege in Überauchen ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Das findet jetzt jedoch nicht statt.

35 Mitglieder, inklusive Vorstand, trafen sich am Freitag, 31. Oktober, im Dorfhaus, um über die Auflösung des Vereins abzustimmen.

 

Es war die zweite Zusammenkunft, um über die Auflösung abzustimmen, bei dem ersten Treffen am 4. Juli im Gasthaus Landhaus wurde die notwendige dreiviertel Mehrheit nicht erreicht, am Freitag hätte die dreiviertel Mehrheit der anwesenden Mitglieder für die Abstimmung zur Auflösung gereicht, doch alle anwesenden Mitglieder stimmten für die Auflösung, die vom Vorsitzenden Volker Effinger beantragt wurde.

Es ging alles leise zu, die Stimmung war etwas resigniert, man hatte sich damit abgefunden, dass der Nachwuchs für den Erhalt und die Fortführung der Ausstellung im Heimatmuseum, das sich jetzt nur noch „Gebäude am Bondelweg“ nennt, fehlt. Dazu ist auch das ehemalige Heimatmuseum längst ausgeräumt worden, die Exponate sind unter dem Dach des Dorfhauses gelagert, beliebte Veranstaltungen wie die Osterausstellung und der umfangreiche Adventsbasar im Außenbereich des ehemaligen Heimatmuseums sind damit Geschichte.

Die Versammlung war einstimmig damit einverstanden, dass Volker Effinger, sein Vertreter Andreas Fanelli, Kassierer Bernd Vollmer und Schriftführerin Sandra Effinger alle notwendigen Maßnahmen bis zur endgültigen Auflösung in ihre Hände nehmen würden.

Das Vereinseigentum inklusive alle Exponate und Archivunterlagen würde an die politische Vereine fallen, gab Effinger bekannt.

Das liquide Vermögen betrage 21 669,69 Euro und könne erst dann verteilt werden, wenn alles bezahlt sei, erklärte Effinger, stellte aber seine Vorschläge, wie das Geld verteilt werden könnte, zur Abstimmung.

Einige junge Leute hätten ihn angesprochen, dass sie in Zukunft etwas machen würden, wie vielleicht ein Adventsbasar, ihre Namen möchte er noch nicht nennen, das wäre dann auch eine neue Gruppe oder Verein, laufe nicht mehr unter dem Namen des jetzigen Vereins, so der Vorsitzende. Seinem Vorschlag, den jungen Leuten mit etwas Startgeld unter die Arme zu greifen, wurde zugestimmt.

Ebenso seinem zweiten Vorschlag, einen Betrag der Kirche in Überauchen zukommen zu lassen, wurde zugestimmt.

Drittens erklärte er, dass ein Historiker, der in der Schweiz lebt, ein Buch schreiben würde und dabei auch einen Beitrag über das Brauchtum in Überauchen einfließen lassen möchte. Er schlage vor, den Historiker mit 500 Euro, das sei für ihn schon eine große Hilfe, zu unterstützen, blickte Effinger in die Runde und erntete Zustimmung. Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte Fanelli, der Historiker forsche hier über die Geschichte der Schlachtschwerter.

Beschluss über Vereinsvermögen

Das restliche Geld sollte Sozialen Einrichtungen wie der Katharinenhöhe, der Feldner Mühle, Liso Tansania oder einer Pflegeeinrichtung in Überauchen zugute kommen, war sich die Versammlung einig.

Sollte sich ein neuer, junger Verein zusammen finden, könne diesem auch noch das nicht liquide Vermögen wie beispielsweise Geschirr unentgeltlich überlassen werden, waren sich die anwesenden Mitglieder einig.

Die Liquidatoren werden alles, was beschlossen wird, dem Rechtsanwalt zur Prüfung vorlegen, die Vitrinen gehören der Gemeinde, so Effinger.

Ernst Mehlfeld wollte wissen, ob sich in den vergangenen Monaten, seit der Verein mehrere Aufrufe nach Leuten, die den Verein weiterführen möchten, gestartet hatte, gemeldet haben? „Leider nein“, bedauerte Effinger.

Das Schlusswort hatte Volker Effinger: „Wir laden am 29. November ab 16 Uhr zum Glühwein und Kinderpunsch hier auf der neuen Dorfmitte von Überauchen zum Abschiedstrunk ein“, verkündete er und ergänzte, dass dieser Abschiedstrunk nicht vom verbleibenden Vermögen des Vereins abgezweigt wird.