Versammlung bei der Alterswehr (von links): Abteilungsleiter Hans Schwab, Bürgermeisterin Kerstin Brenner, der Obmann der Alterswehren im Landkreis, Klaus Ziegler, Haiterbachs Gesamtkommandant Patrick Brezing und Reinhold Hölzle, Kassier der Alterswehr. Foto: Tillmann Braun

Eine Woche vor der Hauptversammlung der Feuerwehr Haiterbach traf sich eine kleine, aber wichtige Abteilung im Gerätehaus: die Alterswehr.

Die Versammlung begann mit dem Gedenken an die verstorbenen Kameraden Hans Stöffler, Ehrenkommandant und Mitbegründer der Alterswehr, Ehrenmitglied Karl-Heinz Frasch und Karl Schuler, ebenfalls Gründungsmitglied der Alterswehr und langjähriger Schriftführer. Im Anschluss präsentierte Abteilungsleiter Hans Schwab den Jahresbericht der Alterswehr.

 

Sein Bericht reichte von den monatlichen Treffen über zahlreiche gesellige Zusammenkünfte bis hin zu Betriebs und Werksbesichtigungen. Diese Ausflüge stärken die Gemeinschaft und würdigen die Leistung der Ehrenamtlichen, die ihre Freizeit jahrzehntelang in den Dienst der Allgemeinheit gestellt haben.

Bürgermeisterin Kerstin Brenner, bereits zum zweiten Mal zu Gast bei einer Versammlung der Alterswehr, dankte den Kameraden der Alterswehr persönlich für ihr jahrzehntelanges Ehrenamt. Ohne Menschen, die das Allgemeinwohl über das eigene Wohl stellen, könne keine gesunde Gemeinschaft funktionieren.

Ein Höhepunkt der Versammlung war die Ansprache von Klaus Ziegler, langjähriger Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Calw und Obmann der Alterswehren im Landkreis. Mit mehr als 50 Dienstjahren als Feuerwehrmann ist Klaus Ziegler deutschlandweit eine Autorität.

Obmann spricht von einem „traurigen Witz“

Ziegler lobte zunächst ausdrücklich die Alterswehr in Haiterbach, zu der er seit jeher eine enge Verbindung pflegt, bevor er klare Worte in Richtung Landtag fand. „Im geplanten Feuerwehr-Gesetz von Baden-Württemberg findet sich endlich und zu Recht die Jungendfeuerwehr“, so Klaus Ziegler. „Aber die Alterswehren werden mit keinem Wort erwähnt. Wer 25 oder 40 Jahre einen Großteil seiner Freizeit opfert und bei jedem Einsatz auch eigene Leben riskiert, verdient mehr Anerkennung“, kritisierte Klaus Ziegler die Politiker im Landtag von Baden-Württemberg.

Darüber hinaus betonte er, dass die vielen tausend Stunden ehrenamtlicher Dienst, persönliche Gesundheitseinbußen und auch Risiken im Einsatz weder im Gesetz noch in der aktuellen Förderung des Ehrenamts angemessen berücksichtigt würden.

Besonders die viel diskutierte Ehrenamtskarte sei für viele Mitglieder der Alterswehr unerreichbar, da dort 200 Mindeststunden verlangt werden, die im Ruhestand nicht mehr erreicht werden können. Selbst aktive Mitglieder der Feuerwehr müssen kämpfen, um auf 200 Stunden zu kommen. „Und wer die 200 Stunden nachweisen kann, ist oft schlechter dran als Rentner oder Studenten“, fügte Ziegler hinzu. Das sei „ein trauriger Witz“. Sein leidenschaftliches Plädoyer stieß auf große Zustimmung und nachdenkliche Blicke.

Rückblick auf mehr als 80 Einsätze

Einen versöhnlichen und dennoch spannenden Abschluss der Hauptversammlung der Alterwehr lieferte Kommandant Patrick Brezing mit einem illustrierten Rückblick auf das Feuerwehrjahr 2025. Denn auch wenn die Mitglieder der Alterswehr selbst nicht mehr aktiv an den Einsätzen teilnehmen, bleibt das Interesse groß. Und Patrick Brezing lieferte eine beeindruckende Revue mit zahlreichen Bildern der mehr als 80 Einsätze.

Brezings Ausblick auf die anstehende Hauptversammlung der Gesamtwehr am 14. Februar machte deutlich, dass die Alterswehr auch dort als Teil der großen Feuerwehrfamilie eine Stimme hat – als Traditionsvermittler, Ratgeber und moralischer Rückhalt. Trotz Zieglers Kritik endet der Abend versöhnlich: Die Landtagsabgeordneten und Politiker mögen die Alterswehr ignorieren, doch in Haiterbach ist ihr Respekt und Anerkennung gewiss.