Es ist für Viele kein Kann, sondern ein Muss: privat für das Alter vorsorgen. Wie man Geld für den Lebensabend am besten anspart.
Ohne private Altersvorsorge geht es heute meistens nicht mehr. Denn die gesetzliche Rente allein wird eines Tages für viele Menschen nicht ausreichen, um den Lebensstandard zu halten. Generell gilt: Je früher man mit dem Sparen fürs Alter anfängt, desto besser. Wer in jungen Jahren damit anfängt, vielleicht 50 Euro monatlich fürs Alter zu sparen, kann den Betrag mit steigendem Einkommen erhöhen.
Aber auch im höheren Lebensalter kann man noch etwa mit Aktienfonds- oder börsengehandelten Indexfonds (ETF = Exchange Traded Fund) aufholen. „Man muss dann allerdings mit einer höheren Sparrate einsteigen, um eine angenommene Rentenlücke zu schließen“, so Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) in Frankfurt. Welche sieben Schritte für die private Altersvorsorge nach und nach zu gehen sind.
1. Notgroschen ansparen und Kredite tilgen
Bevor es mit dem Sparen fürs Alter losgehen kann, sollte man einen Notgroschen für alle Fälle beiseitelegen. Der Notgroschen sollte dabei etwa drei bis fünf Netto-Monatsgehälter umfassen, auf die man schnell zurückgreifen kann, empfiehlt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. Dieses Geld kann zum Beispiel auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto oder in einem Geldmarkt-ETF angelegt werden.
Zudem ist es wichtig, noch vor dem Sparen fürs Alter zum Beispiel Konsumschulden zurückzuzahlen und gegebenenfalls auch den Überziehungskredit des Girokontos auszugleichen.
2. Risiken absichern
Bestimmte Ereignisse können einen in den finanziellen Ruin treiben. Beispielsweise können eine schwere Erkrankung oder ein Unfall dazu führen, dass man den Job nicht mehr in vollem Umfang ausüben kann. Daher sei eine Berufsunfähigkeitsversicherung unabdingbar, so Heuser.
Wichtig ist auch die private Haftpflichtversicherung – sie schützt vor den finanziellen Folgen von Schäden, die man anderen versehentlich zufügt. Wer eine solche Versicherung nicht hat, haftet mit seinem Privatvermögen für entstandene Schäden.
3. Rentenlücke ermitteln
Anschließend geht es darum, zu ermitteln, welchen Finanzbedarf man im Alter Monat für Monat haben wird. Davon sind die regelmäßigen Einnahmen aus gesetzlicher und gegebenenfalls vorhandener privater Altersvorsorge abzuziehen. Das Ergebnis ist die Rentenlücke, die einen erwartet.
Der errechnete Betrag muss dann zunächst aufs Jahr hochgerechnet und dann mit einer prognostizierten Anzahl an Lebensjahren im Ruhestand multipliziert werden. Grober Anhaltspunkt kann die Sterbetafel des Statistischen Bundesamts sein. So kann man herausfinden, wie viel Geld bis zum Eintritt in den Ruhestand angespart werden muss, damit man im Alter keine Abstriche beim gewohnten Lebensstandard machen muss. Bei der Berechnung kann auch der Rentenlückenrechner des Deutschen Instituts für Altersvorsorge nützlich sein. Alternativ könne man sich auch einer Faustregel bedienen, sagt Verbraucherschützer Mai. Zum Beispiel wenn möglich Monat für Monat pauschal 15 Prozent des Nettoeinkommens zurückzulegen.
4. Nicht überstürzt handeln
„Unbedingt zu vermeiden ist die Spontanitätsfalle“, sagt Heuser. Besser sei es, sich in Ruhe nicht nur mit einem, sondern mit verschiedenen Angeboten zur Altersvorsorge auseinanderzusetzen und diese zu vergleichen. Wer hierfür fachliche Expertise benötigt, sollte sich von unabhängiger Seite beraten lassen, zum Beispiel von Verbraucherzentralen. Wer auf die falschen Finanzprodukte setzt, läuft sonst Gefahr, dass zu hohe Kosten an der Rendite nagen – was auf Jahrzehnte gerechnet riesige Einbußen bedeuten kann. Oder dass das Geld bei zu risikobehafteten Anlageformen im schlimmsten Fall komplett weg ist.
5. Vermögen breit streuen
Breit gestreute und global angelegte ETFs sind gut zum Vermögensaufbau auch fürs Alter geeignet. Voraussetzung: Man wählt die richtigen aus und informiert sich vorab über die Funktionsweise, die Chancen und die Risiken.
Wer etwa einen ETF auf den MSCI All Country-World-Index oder auf den FTSE-All-World kauft, profitiert von der Wertentwicklung von rund 3000 bis 4000 Aktien aus der ganzen Welt. So wird das Verlustrisiko gestreut. Wer auf Einzeltitel setzt, ist deren Kursverlauf ausgesetzt. Die geringen Kosten erhöhen die Rendite für die Anlegerinnen und Anleger. Allerdings: Gerade in börsenturbulenten Monaten hätten sich viele aktiv gemanagte Aktienfonds zum Teil besser bewährt als stark amerika- und techlastige ETFs, sagt Heuser. Daher sollte man sich gerade bei sehr langfristigen Sparplänen gut beraten lassen.
6. Finanzprodukte regelmäßig prüfen
Ändern sich die Lebensumstände in privater oder in beruflicher Hinsicht, ist es wichtig, die Finanzprodukte auf den Prüfstand zu stellen. Falls diese nicht mehr zur Lebenssituation passen, „kann man beispielsweise Sparraten nach oben oder gegebenenfalls auch nach unten anpassen oder auch Vermögen umschichten“, sagt Heuser. Aus seiner Sicht sollte man nicht auf ein einziges Produkt setzen. Besser sei ein Zusammenspiel von mehreren Produkten, etwa einer kapitalbildenden Lebensversicherung und der privaten Rentenversicherung. Bei Börsenturbulenzen gilt: Immer die Ruhe bewahren und keinesfalls eine langfristig richtige Strategie aufgeben.
7. Unnötige Kosten bei Finanzprodukten vermeiden
Verbraucherschützer Mai rät, Produkte mit hohen Abschlusskosten und geringer Flexibilität sowie häufige Umschichtungen innerhalb der Finanzprodukte zu vermeiden – das kostet Rendite. dpa-tmn