Ali Zarabi (rechts) tauscht sich in der Diakonischen Bezirksstelle mit Antonija Gudelj (Flüchtlingsarbeit, von links), Tamara Schwarz (Verwaltung und Koordination), Andrea Dietrich (Sozial- und Lebensberatung) und Geschäftsführer Lukas Renz aus. Foto: Witkowski

Ein Bild von der sozialen Lage vor Ort und den aktuellen Herausforderungen der Tafelarbeit und der sozialen Dienste machte sich SPD-Landtagskandidat Ali Zarabi in Sulz.

Begleitet wurde der Besuch von Gesprächen mit Lukas Renz, Geschäftsführer des „Diakonischen Werk Rottweil“, Mitarbeitern der Diakonie, des diakonischen Bezirksausschuss, ehrenamtlich Engagierten und Kunden der Tafel.

 

Immer häufiger geraten insbesondere Rentner in existenzielle Not. Leistungen, die eigentlich soziale Sicherheit garantieren sollen, reichen vielfach nicht mehr aus. „In einem funktionierenden Sozialstaat bräuchte es eigentlich keine Tafel. Die Realität wird diesem Anspruch jedoch nicht gerecht“, so Ali Zarabi.

Besonders eindrücklich schilderte eine Rentnerin ihre Situation. Sie habe ihr ganzes Leben gearbeitet, sagte sie, und müsse sich nun dennoch Sorgen machen, ob sie sich ihr Auto noch leisten könne – das brauche sie aber, um überhaupt zur Tafel zu gelangen.

Das Team des Tafelladens mit Herbert Kehl (Diakonischer Bezirksausschuss, links), Sabine Göhring (Leitung des Tafelladens, Zweite von links) und Geschäftsführer Lukas Renz (rechts) Foto: Witkowski

„Die wachsende Ungleichheit macht mir zu schaffen“, sagte die Rentnerin weiter. Während wenige vom wirtschaftlichen Erfolg profitierten, kämpften immer mehr Menschen um das Existenzminimum. „In einem funktionierenden Sozialsystem müsste es jedem gut gehen – unabhängig davon, was er gearbeitet hat.“

Der SPD-Kreisvorsitzende Mirko Witkowski sagt dazu: „Dass immer mehr Menschen im Alter auf die Tafel angewiesen sind, ist ein deutliches Alarmzeichen.“ Ihre Existenz zeige, dass die Gesellschaft ihre Schwächsten derzeit nicht ausreichend schütze.

Mit Scham behaftet

Besonders problematisch sei, dass selbst der Zugang zu Hilfsangeboten für viele Betroffene mit Scham, Hürden und zusätzlicher Belastung verbunden sei. Gleichzeitig übernähmen Ehrenamtliche in wachsendem Maße Aufgaben, die in staatlicher Verantwortung lägen, hieß es.

Im Austausch mit der Geschäftsführung und den Mitarbeitern der Diakonie wurde deutlich, wie zentral die Arbeit der Sozialstation und des Integrationsmanagements ist. Hervorgehoben wurde insbesondere die Unterstützung von Geflüchteten beim Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Die Diakonie hilft beim Erstellen von Lebensläufen, bereitet Bewerbungen vor und begleitet die Betroffenen im gesamten Bewerbungsprozess. Zugleich wurde betont, dass es mehr Unternehmen brauche, die bereit sind, mit der Diakonie zusammenzuarbeiten und Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten.

Kapazitäten reichen nicht

„Leider reichen unsere Kapazitäten nicht aus, um allen Hilfesuchenden gerecht zu werden – etwa einer schwangeren Mutter, einer geschiedenen Frau oder einem arbeitssuchenden Flüchtling“, erklärte Lukas Renz. „Hier braucht es ausreichende finanzielle Ressourcen und eine verlässliche politische Unterstützung.“

Ali Zarabi schloss sich dieser Einschätzung an und betonte: „Die Politik muss bürokratische Hürden abbauen und gezielt investieren. Wir brauchen mehr Personal mit interkultureller Kompetenz in den Behörden. Vor allem müssen Flüchtlinge unabhängig von ihrer Herkunft frühzeitig die Möglichkeit erhalten, zu arbeiten und sich selbst zu integrieren.“