Die Stadt Freiburg setzt auf einen Mehrwegverbund. Foto: Stefanie Salzer-Deckert

Ab Januar 2026 gilt in Freiburg eine Verpackungssteuer für Einwegverpackungen und -geschirr. Nun hat die Stadt einen Mehrwegverbund ins Leben gerufen, um eine Alternative zu schaffen.

Kaum ein Thema hat die Freiburger Stadtpolitik im auslaufenden Jahr mehr beschäftigt, als die Einführung der Verpackungssteuer auf Lebensmittel zum Mitnehmen zum kommenden Jahreswechsel. Der Gemeinderat hat die Steuer beschlossen, Gastronomie und Wirtschaft sind dagegen vergebens sturmgelaufen. Auch Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) gilt als Gegner: der Zeitpunkt sei falsch, und Müll lasse sich auch nicht automatisch vermeiden, indem man ihn verteuert, so seine Überzeugung.

 

Doch nun zeichnet sich eine Alternative ab: unter dem Motto „Mehrweg statt Steuer“ startet die Stadt nun einen (neuerlichen) Versuch, mit Mehrfach-Geschirr gegen die Müllflut der Lebensmittelverpackungen in der Stadt vorzugehen: täglich gehen alleine rund 20 000 Kaffee „to go“ über die Themen der Händler. Satte 7,6 Millionen Pappbecher sind das im Jahr.

Stadt hofft auf 2,2 Millionen Euro Steuereinnahmen

Und da diese Becher (wie auch Pizzakartons, Döner Verpackungen und viele weitere Wegwerfartikel) ab 2026 nun mit 50 Cent pro Stück versteuert werden, wolle man nicht nur einen ökologischen Anreiz mit einem neuen Pfandsystem schaffen, sondern die Menschen auch finanziell entlasten, indem man ihnen Becher (und perspektivisch auch andere Verpackungsartikel) für einen Euro anbietet, so Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit (Grüne).

Dafür nimmt die Stadt viel Geld in die Hand: Bereits vor der Einführung der Verpackungssteuer hat die Stadt 2025 rund 550 000.Euro in Vorbereitung, Förderprogrammstart, Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit investiert. Für 2026 werden etwa 530 000 Euro für das Förderprogramm, Beratungsangebote und Kommunikation benötigt. Diese Mittel stammen aktuell aus dem Personalhaushalt, dem Umweltschutzamt und dem Zukunftsfonds Klimaschutz. Zusätzlich wird die Kommunikationskampagne mit 350 000 Euro aus dem Landeswettbewerb „Auf dem Weg zur klimaneutralen Kommune“ unterstützt. Künftig soll der Verbund auch über die Mehrwegsteuer mitfinanziert werden. „Ab vollständiger Umsetzung der Verpackungssteuer rechnen wir mit jährlichen Einnahmen von rund 2,2 Millionen Euro. Etwa 15 Prozent davon werden für Personal und etwa 30 Prozent für die Umsetzung der Mehrwegoffensive benötigt. Parallel prüfen wir zusätzliche Förder- und Zuschussmöglichkeiten“, erklärt Stadtsprecher Sebastian Wolfrum.

Bisher sind nur 16 Betriebe beim Pfand-System dabei

Aktuell ist das Projekt noch in einer Pilotphase, an der lediglich 16 Betriebe teilnehmen. Dort können verschiedene Trinkbecher aus Plastik statt Wegwerfbecher für einen Euro Pfand erstanden und auch wieder zurückgegeben werden. Die Betriebe sammeln die gebrauchten Becher, und zweimal in der Woche kommt die Abfallwirtschaft (ASF) vorbei und holt sie ab. Gereinigt werden die Becher dann in einer Spülküche in Ehrenkirchen bei Freiburg und perspektivisch in einer weiteren Spülküche in Sexau im Kreis Emmendingen.

Man hoffe, dass die Verbraucher sich auf das neue System einstellen und umgewöhnen, wie es in anderen Pfand-Systemen schon üblich sei. Dennoch gebe es keine Erfolgsgarantie, so Horn. Eine Pfandquote von 50 oder gar 70 Prozent sei perspektivisch zwar ein großer Erfolg, vorerst gehe es aber um „zarte Schritte“ auf dem Weg weg vom Wegwerfbecher. Man hoffe nun, dass die Verpackungssteuer einen entsprechenden Anreiz für den Erfolg des neuen Mehrwegsystems biete. Auch die Einnahmen der Steuer werden wichtig sein.