Die Polizei im Südwesten erprobt den Umgang mit dem Taser im Streifendienst. Foto: Marijan Murat/dpa

Eine echte Alternative zur Schusswaffe soll der sogenannte Taser bieten. Das Innenministerium gibt einen Einblick in die Erprobungsphase.

Seit wenigen Tagen sammelt die Polizei in Baden-Württemberg erste Erfahrungen mit sogenannten Distanz-Elektroimpulsgeräten im Streifendienst, besser bekannt als Taser. In Göppingen und Freiburg wird der Einsatz der Alternative zur Schusswaffe nun erprobt. Unsere Redaktion hat sich beim Innenministerium in Stuttgart erkundigt, ob auch Polizisten im Zollernalbkreis bald mit Taser am Gürtel auf Streife gehen.​

 

Das Polizeipräsidium Reutlingen konnte keine Antwort auf unsere Anfrage geben, aus dem einfachen Grund, da das Präsidium nicht in dieses landesweite Projekt eingebunden ist. Beim Innenministerium haben wir aber Antwort erhalten – und zudem erfahren, dass der Umgang mit dem Gerät nicht völlig neu ist bei der Polizei im Südwesten.

Erfahrungen gesammelt

„Der Einsatz von Distanz-Elektroimpulsgeräten, umgangssprachlich Tasern, ist in Baden-Württemberg seit dem 1. März 2007 zugelassen. Derzeit setzen Einsatzkräfte der Direktion Spezialeinheiten des Polizeipräsidiums Einsatz Taser ein“, schreibt das Innenministerium.

Damit verfüge die Polizei Baden-Württemberg über langjährige Erfahrungen im Umgang mit diesem Einsatzmittel. Seit der Einführung wurden die Taser in 86 Fällen eingesetzt – Stand 31. Dezember 2025.

Darüber hinaus werden in einem Pilotprojekt nun zwei unterschiedliche Taser-Modelle außerhalb der Spezialeinheiten für jeweils ein Jahr getestet: bei den Polizeirevieren Freiburg-Nord und -Süd, stellvertretend für den städtischen Raum, und bei den Polizeirevieren Titisee-Neustadt und Weil am Rhein, stellvertretend für den ländlichen Raum.

Zusätzlich erfolgt der Test bei einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) des PP Einsatz, stellvertretend für die geschlossenen Einheiten in Göppingen. Aber was ist denn nun mit der Polizei im Zollernalbkreis?

Konkret wird diese Frage in der Antwort des Ministeriums zwar nicht beantwortet, allerdings geht daraus relativ klar hervor, dass Polizeikräfte im Raum Zollernalb in nächster Zukunft nicht mit Tasern ausgestattet werden.

Denn: „Die Ausschreibung beziehungsweise das Vergabeverfahren des zweiten Modells wird zu einem späteren Zeitpunkt angestoßen“, heißt es aus Stuttgart. Und: „Im Anschluss an die beiden Testphasen – nach etwa zwei Jahren – erfolgt jeweils eine Evaluierung beider Modelle sowie des Einsatzmittels insgesamt. Diese wird durch die Hochschule für Polizei Baden-Württemberg vorgenommen.“

Pfeile dringen in die Haut

Mit dem Taser können laut Angaben des Ministeriums mittels Gasdruck zwei mit Widerhaken besetzte Pfeile abgegeben werden, die in die Haut der getroffenen Person eindringen sollen. „Diese Pfeile sind über dünne Drähte mit dem Grundgerät/der Steuerungseinheit verbunden, über das elektrische Impulse mit hoher Spannung, aber niedriger Stromstärke auf den Körper der getroffenen Person übertragen werden“, heißt es in der Antwort an unsere Redaktion.

Bei optimaler Wirkung erfolge die sofortige „Verriegelung“ der Muskulatur und damit auch die schnelle Handlungsunfähigkeit der getroffenen Person, informiert die Pressestelle in Stuttgart.

Taser können, so die Ministeriumsangaben, in geeigneten Polizeilagen ein wirksames Einsatzmittel sein. Dies gelte insbesondere für statische Einsatzlagen. In bestimmten Fällen sind sie aber weniger effektiv – die Pistole am Halfter muss in Ausnahmesituationen immer noch eine Option bleiben.

Evaluierung abwarten

„Für Messerangriffe sind Taser nicht geeignet. Diese erfolgen aus einer relativ kurzen Distanz und sind meist hochdynamisch. In einer solchen Lage ist das sicherste Mittel für die Polizei, nicht zuletzt um sich und Dritte zu schützen, die Schusswaffe.“

Innenminister Thomas Strobl zeigt sich positiv über die Erprobung: „Die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten unseres Landes sind tagtäglich mit herausfordernden Einsatzsituationen konfrontiert, die nicht selten große Gefahren für die Einsatzkräfte selbst mit sich bringen. Deshalb brauchen sie die bestmögliche Ausstattung. Der Taser kann freilich ein wirksames Einsatzmittel sein.“

Auf der anderen Seite sind Taser nicht risikofrei. Besonders riskant sind sie bei älteren Menschen, Schwangeren und Personen mit Herzproblemen – bei ihnen kann der Stromimpuls tödliche Folgen haben. Kritiker warnen zudem davor, dass die Hemmschwelle für den Einsatz eines Tasers niedriger ist als bei der Schusswaffe.

Es muss also abgewartet werden, was die Evaluierung beider Testmodelle letztlich ergibt. Dann wird sich auch zeigen, ob Polizisten im Zollernalbkreis womöglich eine weitere Waffe am Gürtel tragen werden.