Die Redner finden viele Argumente gegen die Gewinnung der Windkraftenergie. Foto: Schmidt

Eine Interessengemeinschaft ruft zum Protest auf. Es ist Eile geboten. Im Vaihingerwald sollen Windräder gebaut werden. Etwa 200 interessierte Bürger folgten dem Aufruf.

Im Bürgerhaus in Neukirch herrscht ein Gedränge wie im Taubenschlag. Stühle werden gerückt und weitere Bänke hereingetragen. Etwa 200 Besucher waren gekommen. Viele stehen. Vorwiegend Bürger aus Neukirch, Zepfenhan, Vaihingerhof, Zimmern u. d. B., Gösslingen und Schömberg.

 

Handzettel wurden verteilt, antwortete Karl-Heinz Mutschler auf Nachfrage. Für mehr Einladungen darüber hinaus sei keine Zeit geblieben. Im Haurucktempo musste die Infoveranstaltung vorbereitet, Redner organisiert, vier an der Zahl, und Informationsmaterial gesammelt werden. Sie selbst hätten Anfang Februar bei einer Veranstaltung des Regionalverbands Schwarzwald-Baar-Heuberg näherer Informationen zu den Windrädern „vor ihrer Haustüre“ gesammelt. 1,8 Prozent der Landesfläche müsse von Baden-Württemberg für Windenergie ausgewiesen werden. Der überwiegende Teil der geforderten Fläche sei im Landkreis Rottweil gefunden worden. Der Wind blase dort am kräftigsten, sagt der Regionalverband, während Naturschutzgebiete, etwa im Schwarzwald, den Bau von Windparks erschwere.

Foto: Schmidt

Für die Interessengemeinschaft kaum fassbar. Insgesamt umfasse die ausgewiesene Fläche im und um den Vaihingerwald eine Größenordnung von 731,1 Hektar. Kein Pappenstiel, über den aber nicht informiert werde. Zeit bleibe kaum. Nur bis zum 29. Februar habe die Bevölkerung die Möglichkeit, im Beteiligungsverfahren Stellung zu beziehen. Verstreiche diese Zeit ungenutzt, werde das Gebiet als Windkraftpark festgelegt. Kein anderes Gebiet könne dann noch ausgewiesen werden, schilderte Mutschler die Dringlichkeit.

Mit den Unterlagen, die der Regionalverband zur Verfügung gestellt habe, brachte Mutschler „Licht ins Dunkel“. Bei einer Höhe von 247 Meter befänden sich die geplanten Windräder auf Augenhöhe mit dem Thyssen-Turm. Der Kirchturm in Neukirch habe im Vergleich nur eine Höhe von 36 Metern. Auf die Frage an den Regionalverband, wie viele Windräder für das Gebiet geplant seien, konnte keine Antwort gegeben werden, erzählte Mutschler. Auf die gleiche Frage aus Schramberg sei eine Schätzung erfolgt. Auf den dort zur Verfügung stehenden 73 Hektar ausgewiesene Windkraftfläche sollen demnach vier bis fünf Windräder platziert werden. Nur: Im Vaihingerwald geht es um eine zehnmal so große Fläche.

Zur Anzahl der Windrädergibt es keine Auskunft

Kein gutes Haar an Windkraftanlagen ließen danach vier Redner. Michael Thorwart, Physikprofessor aus Hamburg, orientierte sich bei seinem Vortrag an der Frage: Macht die Energiewende Sinn? Und kam zu dem Ergebnis, nur mit modernen Kernreaktoren. Bis zur technologischen Entwicklung der modernen Kernreaktoren riet er, die abgeschalteten Atomkraftwerke wieder zum Laufen zu bringen. Weitere Redner führten die Biotope und geschützten Arten wie Gelbbauchunken, Fledermäuse und Rotmilane im geplanten Windkraftgebiet vor Augen. Sie bezweifelten, dass die Windräder die geforderte Windhöffigkeit im Gebiet erreichen.

Ein weiteres Thema war der Denkmalschutz. Im überplanten Gebiet befinde sich die Ruine Wildeck sowie in Teilen zwei Keltenschanzen und Grenzsteine als Zeugnisse der Geschichte. Die in Teilen notwendige Rodung des Vaihingerwalds könne darüber hinaus zu Überschwemmungen in Gemeinden führen. Der Naherholungsaspekt war das letzte Argument gegen den Windkraftpark.

Vorgefertigte Stellungnahmen

Gut zweieinhalb Stunden lagen zu diesem Zeitpunkt hinter den Rednern. Ein paar Besucher waren zwar gegangen, aber die meisten verfolgten die Vorträge konzentriert und mit viel Beifall. Zu Wort meldeten sie sich in der nachfolgenden Fragehalbestunde indes nicht. Nur die Windkraftbefürworter bemühten sich, auch die andere Seite der Medaille in die Überlegungen mit einzubeziehen, und stellten Behauptungen Thorwarts in Frage. Für die Gegner des Vorhabens lagen indes vorgefertigte Stellungnahmen zum Mitnehmen bereit. Neun unterschiedliche Argumente, die bis zum 29. Februar im Regionalverband eingereicht werden müssen, mahnte die Interessengemeinschaft. „Die Bergdörfer“ Zepfenhan und Neukirch, wie sie vor Jahren im Zusammenhang mit dem Protest gegen die Justizvollzugsanstalt genannt wurden, haben schon einmal einen Wald gerettet – damals mit Hilfe der Landtags-Grünen.