Die Spannung steigt: Wie sind die gefärbten Eier geworden? Erst nach dem Auspacken aus dem Nylonstoff wird das Endergebnis sichtbar. Foto: Daniela Schneider

Blätter, Blüten, Zwiebelschalen: Wie sich Ostereier mit diesen Zutaten verwandeln können, lernten Kinder jetzt im Schwenninger Familien- und Begegnungszentrum St. Elisabeth.

„Eierfärben erster Stock“ – das große Hinweisplakat im Foyer des Familien- und Begegnungszentrums St. Elisabeth in Schwenningen kann niemand übersehen.

 

Es weist den Weg in den Gruppenraum, in dem sich Groß und Klein schon um den großen Tisch versammelt haben. „Nachhaltiges Eierfärben mit Naturmaterialien“ steht auf dem Programm, ein „kreatives Ostererlebnis“.

Dazu eingeladen hat die rum-orthodoxe Jugend – und gekommen sind etliche Kinder, meistens in Begleitung ihrer Mamas.

„Gemeinsam wollen wir entdecken, wie farbenfroh Ostereier mit natürlichen Zutaten werden können“, hatten Victoria Kusoglu und ihre Freundinnen aus der rum-orthodoxen Gemeinde angekündigt.

Ein alter Brauch

Die junge Frau ist Auszubildende in St. Elisabeth und an diesem Nachmittag kurz vor Ostern strahlt sie übers ganze Gesicht, – schließlich steht das wichtigste religiöse Fest ins Haus.

Sie freut sich, dass sie den Kindern hier den Brauch zeigen kann, den sie selbst schon ewig aus ihrer eigenen Familie und ihrer Kirchengemeinde kennt.

Demnach bekommen die zunächst rohen Eier erst entweder mit einem Klebeband ein Muster oder werden mit Rosenblättern oder Rosen- und Tulpenblüten belegt.

Strumpf und Faden halten es zusammen

Dann werden sie in einen Nylonstrumpf gesteckt, der mit einem Wollfaden zusammengebunden wird.

Victorya Yapicioglu bereitet die Zwiebelschalen vor, in denen gleich die Eier landen werden. Foto: Daniela Schneider

Anschließend kommen die Eier in einen von drei Töpfen. Einer von diesen ist prall mit einem leicht simmernden Zwiebelschalensud gefüllt. Der ist vorher mindestens einen Tag lang zusammen mit einem Teelöffel Salz und einem Teelöffel Essig gut durchgezogen. In dem Sud lässt man die Eier nun bei niedriger Temperatur mindestens eine Viertelstunde lang hart werden. Länger geht aber auch: Je länger, desto intensiver ist das Farbergebnis, eine Dreiviertelstunde kann da durchaus sinnvoll sein.

Die symbolbeladene Farbe

Diese Machart mit den Zwiebelschalen ist die traditionelle, wie auch Victorya Yapicioglu verrät. Die Schwenningerin ist ebenfalls Gemeindemitglied – und wahrlich ein alter Hase, was diese Form des Eierfärbens betrifft.

Hunderte, wenn nicht tausende, hat sie auf diese Weise im Laufe ihres Lebens schon gefärbt, schließlich hat dieser Brauch in ihrer Kirche und in ihrer Familie Tradition.

Ein besonderes Symbol ist da das rote Osterei, wie die Kinder an diesem Nachmittag in St. Elisabeth auch noch erfahren. Dabei geht es um die heilige Maria Magdala, die als Jüngerin den römischen Kaiser Tiberius von ihrem Glauben überzeugen konnte.

Er soll ihr gesagt haben, dass er ihr nur glaube, wenn sich ein Korb mit Eiern, der bei ihnen stand, rot färben würde.

Das soll geschehen sein – und seitdem wird diese Geschichte immer weitererzählt, aufgeladen zudem durch die Symbolik der Farbe Rot als jene der Freude über die Auferstehung, des Blutes Christi und vor allem als die der Liebe. Im orthodoxen Ostergottesdienst werden Eier gesegnet, und nach der Liturgie beginnen alle fröhlich singend, diese gegenseitig von Hand zu Hand aufzuschlagen.

So wandert der Ostergruß freudig durch die ganze versammelte Gemeinde.

Natur als Farbgeber

Zurück nun aber in die Küche im Familienzentrum St. Elisabeth zum Eierfärbkurs: In einem zweiten Topf auf dem Herd der Küche in St. Elisabeth simmert an diesem Nachmittag übrigens ein satter Rote-Beete-Sud und in einem dritten knallgelbes Kurkumawasser.

Die Eier sind parat für die Färbeaktion. Foto: Daniela Schneider

Auch in ihnen können die Kinder wahlweise ihre verzierten Eier färben lassen und damit schöne, natürlich-bunte Ergebnisse erzielen. „Wir färben mit dem, was Gott uns gegeben hat“, erklärt Victoria Kusoglu, „der Natur“.

Stolz wird das selbst gestaltete Ei präsentiert, bevor es in die Farbe kommt. Foto: Daniela Schneider

Die Kinder hören ihr interessiert zu und können es dann einfach nicht mehr erwarten: Jetzt dürfen sie selber loslegen, Eier verzieren nach Lust und Laune, sie kleben Muster, legen Blätter auf und wickeln alles behutsam in die Nylonhülle.

Sorgfalt ist geboten, wenn am warmen Zwiebelsud hantiert wird. Foto: Daniela Schneider

Dann geht’s ab damit in einen der Töpfe – und als sie fertig dort wieder rauskommen, sind alle gespannt, wie die Muster geworden sind. „Wow! Wunderschön!“ – die Freude und der Stolz über die eigenen Werke sind riesig.

Fertig! Diese Muster entstanden im knallgelben Kurkumabad. Foto: Daniela Schneider

Der Tipp der Färbeprofis noch zum Schluss: Die Eier muss man auf jeden Fall gut abkühlen und am besten mindestens einen Tag ruhen lassen. Danach lassen sie sich bestens verspeisen – oder einfach als hübsche Osterdekoration betrachten.

Die Rum-Orthodoxie

Christen aus dem Orient
Die Antiochenisch-Orthodoxe Gemeinde St. Georgios in Villingen-Schwenningen ist eine aktive Gemeinde der rum-orthodoxen Kirche. Diese – offiziell: Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Antiochien – ist byzantinischer Tradition und primär im Nahen Osten, vor allem in Syrien, im Libanon und in der Türkei angesiedelt. „Rum“ bezeichnet die oströmischen, byzantinischen Wurzeln. Der Begriff stammt aus dem Arabischen und steht für „Römer“ (Byzantiner). Die Kirche ist arabischsprachig und hat etwa drei Millionen Mitglieder, davon circa 24 000 in Deutschland. In Schwenningen feiert die Gemeinde ihre Gottesdienste in Mariä Himmelfahrt.

Die Jugend
 Die Jugendgruppe von St. Georgios trifft sich im Familien- und Begegnungszentrum St. Elisabeth regelmäßig zu ihrer Jugendbibelstunde.