28 Meter Holz, eisiger Regen – und am Ende hilft die Feuerwehr: Beim Narrenbaumstellen wird’s spannend. Selbst der Bürgermeister muss als „Lehrbub“ ran.
Der Bad Dürrheimer Narrenbaum steht. Trotz des Stabwechsels an der Siedergildenspitze lief das Aufstellen des 28 Meter langen Holzes am Schmotzige Dunschtig wie gehabt mit Routine.
Das Amt des Obersieders hatte Sven Boenisch nach einer Dekade in Verantwortung noch im Vorjahr an Fabian Heirler abgeben. Der neue Siederchef konnte beim Aufstellen auf seine gut aussortierte Truppe von über 20 Mannen zählen, die mit großer Führungsqualität Frank Sowinski anleitete.
Berggötz ist der Lehrbub
Unterstützt wurden die Sieder von ihren Kollegen der Tännlelupfer von der Narrenzunft in Schwenningen. Als „Lehrbub“ war Bürgermeister Jonathan Berggötz verpflichtet worden, der bei der Transformation des Baumes in die Senkrechte nach Aussage von Siedergesellen sich offenbar ganz patent anstellte.
Der Baum war am Vortag im Wittmannstal gefällt worden. Die Baumspitze war zuvor aus Gründen der Stabilität und Sicherheit in eine Art Korsett gezwängt worden. Das Aufstellen brauchte dieses Mal mit rund zwei Stunden weit mehr Zeit als üblich, was dem unangenehmen kalten Wetter mit auch sporadischen Regenintermezzi geschuldet war.
Nachhilfe wird nötig
Als der Baum nahe dem Tor zwischen Rathaus 2 und dem Haus des Bürgers gesetzt war, überzeugte das Resultat die Siedertruppe noch nicht wirklich, denn: Dieser präsentierte sich in einer leichten Schräglage.
Auf kurzem Dienstweg, viele Sieder sind auch in der Feuerwehr im Einsatz, wurde ein Feuerwehrauto mit Hubkorb herbei gerufen. So konnte der Stamm schließlich in die perfekte Vertikale gebracht werden. Das Ereignis wurde musikalisch von gekonnten Auftritten des Fanfarenzuges und des Blasorchesters begleitet. Die gelungene Tanzvorführung der Salzhanselgruppe wurde mit viel Beifall quittiert.
Beim Strählen meinte ein Narro nonchalant und mit närrischer Freiheit sehr bestimmt: „Der Narro ist schlau, stellt sich aber dumm – beim Gemeinderat ist es genau anders herum.“
Kinderumzug begleitet den Holzstamm
Dem Narrenbaumausstellen war ein Kinderumzug durch die Innenstadt vorausgegangen, bei welchem auch der Holzstamm an seinen Zielort gelangte. Die Prozession zeigte sehr viel Charme auf. Die Narros mit der Einzelfigur des Altnarren führten würdig den närrischen Stadtspaziergang an, denen die Salzhansel folgten.
Die grün-schwarzen Urviechergestalten gaben hernach ihr lieblich-wüstes Stelldichein gefolgt von den schaurigen Schabelhexen mit frechem Tun. Die Musiken trugen zur tollen Stimmung entscheidend bei.
Ein Riesenremmidemmi wurde den Dreikäsehochs beim großen Kinderball im Haus des Bürgers nach dem Baumaufstellen geboten. Die begleitenden Eltern gelangten dabei gleichfalls in eine große Glückseligkeit.