Das Gelände des Alten Bauhofs soll renaturiert werden. Foto: Thomas Fritsch

Die Stadt renaturiert das Gelände an der Nagold. Das soll dem Hochwasserschutz dienen und den Calwern ein Zugang zum Fluss bieten. Die AfD ist dagegen.

Der alte Bauhof wird schon seit vielen Jahren nicht mehr genutzt. Vor rund einem Jahr kam die Stadt mit der Idee für eine neue Nutzung in den Bau- und Umweltausschuss. Der Verwaltung schwebt ein Nagold-Uferpark auf dem Gelände direkt am Fluss vor. Das Areal liegt nahe der Walter-Lindner-Halle und des Postfrachtzentrums. „Mit dem Projekt wird die Fläche entsiegelt, renaturiert und somit für Natur und Menschen aufgewertet“, stand damals in der Sitzungsvorlage des Ausschusses.

 

Naturnahe Erholung statt belasteter Fläche

Nach den Plänen soll die dortige Asphaltdecke entfernt, das Ufer naturnah gestaltet sowie diverse Bäume und Sträucher gepflanzt werden. Dazu sind Sitzgelegenheiten vorgesehen. Der Uferweg knüpft an die Brücke zur Walter-Lindner-Halle an. Die Stadt sieht durch die Umwandlung der Fläche mehrere Vorteile. Zum einen würden so Lebensräume für verschiedene Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Zum anderen entstehe für die Menschen ein „naturnaher Erholungs- und Erlebnisraum“, der direkt an Wanderwege und den Nagoldtalradweg angeschlossen sie, stand in der Vorlage. Gleichzeitig mildere die Maßnahme den urbanen Hitzeinseleffekt durch Verdunstung und biete bei Hochwassern natürlichen Schutz.

Außerdem ist das Gelände bisher stark belastet. Die Vorlage sprach von „weitestgehend normale baujahrtypische Bauschadstoffen“. Dazu gehören Asbest, alte künstliche Mineralfasern und teerhaltige Stoffe. „Im Bereich der ehemaligen Tankstelle und auf der Hoffläche wurden im Rahmen der Erkundung bei zwei Sondierungsbohrungen sehr deutlich erhöhte Gehalte an Mineralölkohlenwasserstoffen festgestellt“, hieß es von Seiten der Verwaltung.

Im Ausschuss fand sich eine Mehrheit für die Renaturierung. „Der Schandfleck muss weg“, sagte Johannes Schwarz (SPD/Grüne) damals. Christoph Heinrich Perrot (FW) sah dadurch eine Aufwertung des südlichen Ortseingangs. Auch der Gemeinderat entschied sich schließlich für die Maßnahme.

Hohe Förderung

Nun stand das Projekt wieder auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Diesmal ging es im die Vergabe der Garten- und Landschaftsbauarbeiten. Die kosten rund 535 000 Euro. Doch wegen einer hohen Förderung durch den Bund reduziere sich der Kostenanteil der Stadt auf etwa 107 000 Euro, erklärte Oberbürgermeister Florian Kling. Insgesamt koste das Projekt rund 959 000 Euro. Das sei billiger als die ursprünglich veranschlagten 1,26 Millionen Euro. Und auch für das Gesamtprojekt gebe hohe Fördergelder des Bundes. Die Stadt zahle am Ende etwa 170 000 Euro. „Es ist Bombe, was wir erreichen können“, so Kling.

Das sagen die Gemeinderäte

Gudrun Mogler (SPD/Grüne) war daran gelegen, dass die Umsetzung schnell beginnt. Bauamtsleiter Andreas Quentin erklärte, dass das der Plan sei. Bis Ende März müsse die Maßnahme abgerechnet sein. Martin Blaich (CDU) erkundigte sich nach den Altlasten. Es gebe vor Ort einen alten Tank im Boden, so Quentin. Der werde entweder verfüllt oder ausgebaut.

AfD will Gelände verkaufen

„Wir sollten das Grundstück verwerten und verkaufen“, forderte Peter Drenckhahn (AfD). Die Einnahmen könnten den städtischen Haushalt entlasten. Das wäre sinnvoller, als ein städtisches Projekt umzusetzen – vor allem in Anbetracht der finanziellen Lage Calws. Weitere Projekte belasteten nur den Steuerzahler. Es gebe schon ausreichend Erholungsflächen. Der Park biete „keinen Mehrwert für die Bürger“. Drenckhahn beantragte deshalb den Verkauf der Fläche.

Wenn die Stadt das Grundstück verkaufe, sei doch fraglich, ob dort überhaupt gebaut werden dürfe, entgegnete Thomas Zizmann (FW). Schließlich liege die Fläche in einem Hochwassergebiet. Man könne ja ein Gebäude auf Stelzen errichten, meinte Drenckhahn. OB Kling erklärte Drenckhahn, dass sein Antrag „sachfremd“ sei. Der Gemeinderat entscheide über die Vergabe der Bauarbeiten. Und da die Stadt die Arbeiten ausgeschrieben habe, müsse der Gemeinderat diese nun auch vergeben. Sonst drohten der Kommune Schadensersatzforderungen.

Drenckhahn beschwerte sich, dass sein Vorschlag in der Ausschusssitzung vor einem Jahr „untergegangen“ sei. Dem widersprach Kling. „Sie hatten mit ihrem Vorschlag damals keine Mehrheit“, so der OB. Der Gemeinderat lehnte den AfD-Antrag auf Verkauf ab und stimmte mehrheitlich für die Vergabe der Arbeiten an die Firma Fischer aus Kornwestheim.