Die farbkolorierte Postkarte im Prägedruckverfahren zeigt Schonach um das Jahr 1909 (Poststempel) Foto: Archiv Wolfgang Schyle

Beim Monatstreff im Pfarrzentrum folgten rund 50 Besucher gebannt den Ausführungen von Wolfgang Schyle. Der berichtete von kriegsreichen Zeiten und der wechselhaften Zugehörigkeit der Gemeinde.

Auf dem Programm stand ein Vortrag von Wolfgang Schyle, der die Geschichte von 750 Jahren Schonach im Zeitraffer vorstellte.

 

Das Thema interessierte offensichtlich, knapp 50 Frauen und Männer waren gekommen. Waltraud Schurt vom Altenwerk begrüßte Schyle und freute sich, dass er, der zusammen mit seiner Frau Ingrid gekommen war, den Vortrag hielt.

Schyle erklärte, dass die Heimatgeschichte ein großes Hobby von ihm sei. 750 Jahre Ortsgeschichte, das sei eine lange Zeit, betonte er. Wobei festzustellen sei, dass Schonach 1275 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Und zwar in einer liber decimates, zu Deutsch einem Zehntbuch, das heute im Original in den Archiven des Erstbistums Freiburg schlummert.

Auch Schönwald feiert das 750-Jahr-Jubiläum

Beschrieben wurde in der Niederschrift, welche Zehnten die Gemeinde als Beitrag zum achten Kreuzzug der Christen in das Heilige Land beizutragen hätte.

Im selben Abschnitt ist übrigens auch die Nachbargemeinde Schönwald erwähnt, auch dort feiert man im kommenden Jahr 750. Geburtstag. Besiedelt sind aber beide Gemeinden wohl schon länger, denn die urkundliche Erwähnung weist darauf hin, dass 1275 eine Kirche bestanden haben musste.

Die Gründung der Gemeinde Schonach geht auf das Kloster in St. Georgen zurück, wusste Schyle. Nachzulesen sei das unter anderem in der Ortschronik des Lehrers Anton Hodapp von 1925. Dort steht auch zu lesen, dass Schonacher Gebiet seit mindestens dem Jahre 1111 besiedelt gewesen sei. Zurückzuführen ist die Annahme auf den Friedershof im Schonacher Obertal. 1906 war dieser durch Blitzschlag niedergebrannt, eine Inschrift in einem Balken wies auf die Erbauung im Jahr 1111 hin.

Schyle erzählte vom kriegsreichen 16. und 17. Jahrhundert. Bauernproteste, Bauernkriege, 30-Jähriger Krieg oder der spanische Erbfolgekrieg folgten einander quasi auf dem Fuß. Und auch die Region um Schonach war betroffen. So zog der Bulgenbacher Haufen während des Bauernkriegs im Mai 1525 über Triberg und eroberte die Burg. Im 30-Jährigen Krieg zogen Weimarer Truppen vom Prechtal nach Schonach und erbeuteten hier den Niederschriften zufolge 500 Rinder.

Lange Zeit war Schonach vorderösterreichisch

Wegen des Spanischen Erbfolgekriegs wurden auf dem Rohrhardsberg Schanzenanlagen gebaut, auf Befehl des Markgrafen von Baden, dem „Türkenlouis“, um sich gegen die Franzosen zu verteidigen.

Schyle zeigt bei seinem Vortrag alte Aufnahmen der Besatzungstruppen, die die Gemeinde Schonach erhalten hat: Marokkaner vor der Sparkasse in der Schonacher Ortsmitte um zirka April 1945. Foto: Archiv Wolfgang Schyle/Bernahrd Schmieder

Wechselhaft war auch die Zugehörigkeit Schonachs. Lange Zeit war man vorderösterreichisch, von 1797 bis 1803 herrschte der Herzog von Modena über Schonach. Und für eine kurze Zeit, nur sechs Monate, gehörte man sogar zu Württemberg. Allerdings nur Schonach, der heutige Ortsteil Rohrhardsberg blieb badisch.

Wolfgang Schyles Vortrag über die geschichtliche Entwicklung Schonachs stößt bei den Senioren auf großes Interesse. Foto: Claudius Eberl

Von 1806 bis 1871 gehörte man dann dem Großherzogtum Baden an, das als teilautonomer Bundesstaat im deutschen Kaiserreich aufging.

Die erste Urkunde aus dem Jahr 1275. Foto: Liber decimationis Universitätsbibliothek Freiburg/Archiv: Wolfgang Schyle

Von der Zerrissenheit der deutschen Länder zeugt auch die Tatsache, dass der Karlstein bei der Besteigung durch Herzog Eugen zu Württemberg 1770 ein Vierländer-Eck war. Baden-Württemberg, Fürstenberg und Vorderösterreich trafen hier zusammen.

Aus Messinggießerei Burger entsteht die Burger Group

Schyle führte die Industrialisierung Schonachs vor Augen, an den Beispielen der Messinggießerei Burger, die 1856 gegründet wurde und heute als Burger Group noch immer existiert.

Auch die Strohflechterei war ein wichtiger Industriezweig, so etwa die Strohhutfabrik Sauter, die im Jahr 1863 gegründet wurde und zu ihrer Blütezeit weltweit Geschäfte machte. Genannt wurde selbstredend auch die Uhrenindustrie.

Kurz vor Kriegsende wird Karl Schwab erschossen

Weiter ging es ins 20. Jahrhundert, das gleich zu Anfang in den Ersten Weltkrieg stürzte, auf den die Weltwirtschaftskrise folgt. Näher ging Schyle auf den Zweiten Weltkrieg ein, nahm sich hier vor allem den Fall des 1945 auf dem Rensberg erschossenen Volkssturmmanns Karl Schwab an. Der Oberkircher war in den letzten Kriegstagen auf dem Nachhauseweg und wurde von einem SS-Mann erschossen.

Nach dem Kriegsende folgte die Besatzung durch die Franzosen. Die setzte hauptsächlich Truppen aus der Kolonie Marokko ein, Schyle zeigte hier alte Aufnahmen der Besatzungstruppen, die die Gemeinde Schonach erhalten hatte. Es gab wohl auch Übergriffe der Besatzungstruppen, so Schyle, allerdings seien dazu keine Protokolle auffindbar.

Schyles Vortrag wird aufgrund der großen Nachfrage am 21. Januar 2025 um 19 Uhr in den Räumen der Strohmanufactur wiederholt , wie Schyle verriet.