Der Altensteiger Kinderarzt Ulrich Funk geht ab Oktober in die Rente. Kürzlich hat er seinen 70. Geburtstag gefeiert – und blickt auf 30 Jahre Praxiserfahrung zurück.
Ursprünglich wollte er Biologie und Chemie studieren. Eine Berufsausbildung und sein Zivildienst im Katharinenspital in Stuttgart brachten Ulrich Funk dann schließlich zur Medizin. Im Medizinstudium ist auch ein Praxisjahr vorgeschrieben. Ein Dritteljahr geht es in die Innere, eines in die Chirurgie – und eines in eine frei gewählte Disziplin. Funk wählte die Pädiatrie – und entdeckte dort seine Leidenschaft für die Kinderheilkunde.
Damals war es allerdings noch gar nicht so einfach, später auch einen Arbeitsplatz in dem Bereich zu finden. „Heute ist überall Bedarf“, meint er. Da könnten sich Ärzte problemlos aussuchen, wo sie arbeiten möchten. Er ging dann zwei Jahre in die Innere Medizin, damals noch im Sana-Krankenhaus in Bad Wildbad. Schließlich bekam er dann die Stelle in der Pädiatrie und machte in dieser Disziplin seinen Facharzt.
1995 öffnete er seine Praxis in Neuweiler, Mitte der 2010er-Jahre wechselte er mit seinem Team komplett nach Altensteig. Anfangs noch als Gemeinschaftspraxis: Gynäkologie, Dermatologie und Pädiatrie praktizierten unter einem Dach.
Was ihn fasziniert? „Mit Kindern umzugehen, die sich eventuell ja auch gar nicht äußern können, was sie haben“, meint Funk. „Die lachenden Gesichter, die fröhlichen Kinder.“ Und: Bei Kindern gebe es in der Regel noch viele Heilungschancen, während es bei Erwachsenen bei der Symptombehandlung bleiben muss.
Das sind auch Erinnerungen, die er mitnimmt. Geschichten von Kindern, die ihren Krebs besiegten. Ein Mädchen, das im Grundschulalter Rheuma bekam. Sie schaffte es schließlich, wieder Klavier spielen zu können. Ein Junge kam mit starkem Übergewicht. Etwa 12 Jahre alt war er. „Er hat das Heft selbst in die Hand genommen“, meint Funk. Der Junge setzte sich mit seiner Krankheit, der Adipositas (Übergewicht), auseinander. Mit Ernährung und Sport schaffte er es, athletisch und normalgewichtig zu werden.
„Immer mehr Aufgaben, die mit Arztberuf nichts zu tun haben“
„Heutzutage würde ich wohl die Praxis nicht mehr wie damals wählen“; meint er. Denn die Umstände haben sich für niedergelassene Ärzte massiv verändert. „Es kommen immer mehr Aufgaben dazu, die mit dem Arztberuf nichts zu tun haben.“ Auch in der Medizin sitze die Bürokratie an den Schalthebeln, Auflagen kommen dazu.
So haben Kassenärzte ein Budget und dürfen nur ein beschränktes Kontingent an Medikamenten verschreiben oder Patienten versorgen. Arbeiten und verschreiben sie mehr, gibt es eventuell Rückforderungen an sie persönlich. Um sich wieder auf den Arztberuf an sich konzentrieren zu können, hat Funk die Praxis schließlich an ein Medizinisches Versorgungszentrum verkauft. Er ist damit leitender Arzt.
Der Kinderärztemangel macht auch seiner Praxis zu schaffen. Als Kinderarzt Michael Nagel aus Horb vergangenes Jahr seine Kassenzulassung zurückgab, habe Altensteig zahlreiche Kinder aufgenommen. Der Aufnahmestopp in Praxen greife um sich. In Altensteig soll es nicht dazu kommen. „Solange ich hier bin, wird auch keiner abgelehnt“, sagt er. Er möchte nicht, dass kranke Kinder ewig weite Wege zum Arzt zurücklegen müssen.
Er erinnert sich an einen Fall, als eine Familie zwei Stunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aus Bad Wildbad zur Praxis fuhr, das Kind hatte mehr als 40 Grad Fieber.
Ihm wäre es wichtig, dass die Eltern auch wieder mehr auf ihr Bauchgefühl hören. Auch „Dr. Google“ habe großen Anteil daran, dass Symptome überinterpretiert und zu vorgefassten Diagnosen führen.
Trotz der überlaufenen Praxen: Der Kreis Freudenstadt ist mit Kinderärzten laut Kassenärztlichen Vereinigung überversorgt. Das heißt: Es dürfen sich auch keine neuen Kinderärzte mehr ansiedeln. Der benachbarte Kreis Calw hingegen ist unterversorgt.
Praxis in der Poststraße bleibt bestehen
Die Praxis in Altensteig bleibt bestehen. Ärztin Seher Cavdar ist in der Weiterbildung zur Kinderärztin, steht kurz vor ihrer Facharztprüfung zur Kinderchirurgin. Ärztin Victoria Hirsch befindet sich ebenfalls in der Weiterbildung. Bis Cavdar fertig ist, betreut der Chef des MVZs, Ulrich Kuhn, die angehende Kinderärztin. Ulrich Funk hat derweil schon Pläne für seinen Ruhestand: Mehr Zeit mit seinen drei Kindern und sechs Enkeln verbringen.