Das jüngste Altensteiger Meisterkonzert stieß auf reges Publikumsinteresse. Viele Menschen zog möglicherweise der Name Cohen an. Im Bürgersaal blieb kaum ein Platz unbesetzt.
Denn die Hits von Cohen wie „Suzanne“ und „Hallelujah“ kreisen seit 1966 beziehungsweise 1984 rund um den Globus.
Leonard Cohen (1934 bis 2016) war ein talentierter, sensibler, kreativer und unruhiger Geist, strebte Karrieren als Schriftsteller und Kunstmaler an, doch die größten Erfolge errang er als Singer/Songwriter. Seine Musik inspiriert bis heute Generationen von Musikern.
Auch Joel Frederiksen, der Leiter des im vergangenen Jahr von ihm gegründeten Ensembles Phoenix Munich erlag der Lyrik von Cohen und verbeugte sich vor dem Allrounder mit dem selbst konzipierten Konzertprogramm „A Day with Suzanne – A Tribute to Leonard Cohen“.
Eine waghalsige Idee (könnte man meinen), Alte Musik samt historischer Instrumente mit zeitgenössischen Songs in Einklang bringen zu wollen. Doch die künstlerische Intuition sowie die ausgeprägte Sensibilität erlaubten es dem Arrangeur Frederiksen, eine frappierende Musik-Synthese zu kreieren, die den Zuhörern neue ästhetische Horizonte öffnete und Glücksgefühle bescherte.
Die vier Künstler aus den USA, Frankreich, Italien/Irland und Slowenien Joel Frederiksen (Laute, Gesang), Emma-Lisa Roux (Laute, Gesang), Giovanna Baviera (Viola da Gamba) und Domen Marinčič (Viola da Gamba) schienen im Bann der Renaissance-Musik zu stehen und denselben aufs Publikum zu werfen.
Musik spricht Herzen an
Wie angewurzelt lauschten die Zuhörer der anziehend sanften und zugleich ausdrucksstarken Tiefe der Bassstimme von Frederiksen und dem über diese schwerelos schwebenden, durchsichtigen Sopran von Roux. Die zarte Töne der Lauten ließen an höfische Auftritte der Troubadouren denken, und die Klänge der anschmiegsamen Gamben umhüllten die Chansons mit seidenem Glanz.
So stark war die emotionale Intensität der Darbietungen, in denen sich Poesie, bekannte Motive von Cohen und Anmut der Alten Musik zu pastellfarbenen Klanglandschaften verflochten, dass man einige leise Seufzer „schön“ in den Zuhörerreihen vernahm.
Über Jahrhunderte hinweg, von der Renaissance und ihren Größen Orlando di Lasso, Josquin dez Préz über Henry Purcell bis zur Gegenwart mit Leonard Cohen schlug das Ensemble eine Brücke, die die tiefe Schichten der Seele berührte und die Herzen ansprach.
Die Konzertgäste vertieften sich in diese einmalige, Zeit übergreifende Lyrik-Collage von magischer Schönheit, und lediglich der bodenständige Applaus riss manchen Zuhörer aus seiner Seelenruhe.
Trotz des begeisterten Beifalls und lauten Forderungen bekam das Publikum nur eine Zugabe, bei der auch die Gambistin Baviera ihre professionell ausgebildete Sopranstimme einsetzte.