Freut sich über den ersten Großauftrag im Bereich E-Mobilität: Rolf Geisel, der seit nunmehr 50 Jahren in Diensten der Boysen-Gruppe steht. Foto: Metzler

Die Boysen-Gruppe mit Sitz in Altensteig hat einen Großauftrag für die Fertigung von Batteriegehäusen für Elektroautos an Land gezogen.

Altensteig - Die auf Abgastechnik spezialisierte Boysen-Gruppe treibt die technologische Transformation voran: "Nach erfolgreicher Entwicklungsarbeit an unserem Stammsitz in Altensteig" vermeldet Geschäftsführer Rolf Geisel "den Gewinn eines Großauftrags zur Fertigung von Batteriegehäusen für die Elektroautos eines namhaften Premiumherstellers". Das Auftragsvolumen beziffert Geisel auf einen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr.

Damit verbunden ist der Bau eines neuen Werks in Ungarn, das Mitte 2025 in Betrieb gehen soll. "Wir werden in Ungarn rund 130 Millionen Euro investieren und bis zu 400 Arbeitsplätze schaffen", so Geisel, der ergänzt: "Bei einer Produktionsfläche von über 50 000 Quadratmetern sprechen wir vom mit Abstand größten Standort, den unsere Unternehmensgruppe bislang realisiert hat." Entsprechend der Vorgaben des Kunden soll und muss die neue Fertigungsstätte durch den Einsatz hochmoderner Energie- und Umwelttechnik komplett CO-neutral betrieben werden.

Von der Schalldämpferschale zum Batteriegehäuse

Großes Lob zollt der Geschäftsführer seinen Verantwortlichen in der Projektleitung und in der Technischen Projektierung sowie seinen Ingenieuren im Technischen Betriebsmittelbau, die sich in den vergangenen Jahren intensiv mit möglichen Produkttransfers von der Abgastechnik hin zur Elektromobilität beschäftigt und damit die Grundlage für die aktuelle Erfolgsmeldung gelegt haben. "Ausgehend von der Grundidee sind wir hier den Weg von der Schalldämpferschale zum Batteriegehäuse gegangen. Die Realisierung dieser Idee hat im vergangenen Jahr extrem Fahrt aufgenommen, und so konnten wir unseren Kunden durch entsprechende Prototypen aufzeigen, dass wir bereit sind", berichtet der Boysen-Geschäftsführer.

Im Kreis der gewichtigen Mitspieler angekommen

Mit dem Großauftrag sieht Rolf Geisel die Boysen Gruppe beim Thema E-Mobilität nunmehr im Kreis der gewichtigen und ernstzunehmenden Mitspieler angekommen: "Zwar fertigen wir bereits seit 2021 an unserem Standort in Simmersfeld verschiedene Strukturbauteile für E-Fahrzeuge, doch von den Dimensionen her ist das nicht vergleichbar. Wir wollten unseren Kunden beweisen, dass wir auch diese Transformation und die damit verbundenen Herausforderungen meistern", erklärt Geisel. Mit den Batteriegehäusen sieht er das erste große Etappenziel erreicht: "Diesen Erfolg haben wir uns unter großem Einsatz hart erkämpft. Die damit verbundenen neuen Fertigungstechnologien wie Klebetechnik sowie Kunststoff-, KTL- und Pulverbeschichtung zeigen für Boysen den Weg in die Zukunft auf. Und darauf werden wir jetzt weiter aufbauen."

Geisel sieht Zukunft in der Energietechnik

Neben neuen Produktgruppen für alternative Antriebe – unter anderem will Boysen ab 2023 auch seine ersten Flüssigwasserstofftanks für schwere Lastwagen zur Erprobung auf die Straße bringen – sieht Geisel die Zukunft der Unternehmensgruppe im Bereich der Energietechnik: Nach dem 2019 erfolgten Einstieg ins Geschäft mit stationären Flüssigbatteriespeichern soll im kommenden Herbst Baubeginn für das boyseneigene Wasserstoffzentrum in Simmersfeld sein. Darüber hinaus plant er ebenfalls in Simmersfeld einen 15 Hektar großen Wind- und Solarpark, der den gesamten Nordschwarzwald mit grünem Strom versorgen soll.

Drei-Milliarden-Euro-Marke im Visier

Für das laufende Geschäftsjahr peilt Geisel den Sprung über die Umsatzmarke von drei Milliarden Euro an. Sein Lebenswerk bei Boysen sieht er auch nach nunmehr 50 Dienstjahren noch nicht als beendet an: "Oberstes Ziel unseres Stiftungsunternehmens ist der Erhalt unserer Arbeitsplätze. Und dafür werden mein Team und ich in den nächsten Jahren weiter die entsprechenden Weichen stellen. Der Großauftrag zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Die Boysen-Gruppe

Kerngeschäft der Boysen Gruppe mit Stammsitz in Altensteig ist die Entwicklung und Fertigung hochleistungsfähiger Abgassysteme und -komponenten für Personenwagen, Nutzfahrzeuge und Off-Highway-Anwendungen. Neben den drei Hauptkunden Audi, BMW und Mercedes-Benz arbeitet der Abgastechnik-Spezialist für die deutschen Automobilhersteller Volkswagen und Porsche, die englischen Marken Bentley und Rolls-Royce, die Nutzfahrzeughersteller Daimler und MAN sowie im Bereich Off-Highway-Anwendungen für Krauss Maffei, MTU, Voith und andere.

Im Zuge des technologischen Wandels innerhalb der Automobilindustrie setzt Boysen neben innovativen Abgastechnologien auch auf neue Produktgruppen, die in allen Fahrzeugen – unabhängig der Antriebsart – zum Einsatz kommen können. Einen weiteren wichtigen Baustein seiner Zukunftsstrategie sieht das Stiftungsunternehmen im Bereich der Energietechnik, wobei vor allem Themen wie Wasserstoff, Brennstoffzellen sowie stationäre Energiespeicher im Fokus stehen.

5300 Mitarbeiter an 25 Standorten

Die Boysen Gruppe beschäftigt zurzeit rund 5300 Mitarbeiter an 25 Standorten im In- und Ausland. Neben den Entwicklungsstandorten in Altensteig und Nagold verfügt Boysen über Produktionsstandorte in Altensteig, Simmersfeld, Heubach, Salching, Ingolstadt, Plauen und Achim sowie in Frankreich, Ägypten, Südafrika, Indien, China, Mexiko, Serbien, Rumänien und in den USA.