Nur noch bis März nächsten Jahres werden die Bewohner des Seniorenzentrums "Sonnenhalde" in Altensteig von Mitarbeitern der Arbeiterwohlfahrt betreut. Foto: Köncke

Gemeinderat entscheidet über Verkauf des Seniorenzentrums "Sonnenhalde". Sozialplan für Mitarbeiter.

Altensteig - Fristgerecht zum 31. März 2015 hat die Stadt Altensteig den Vertrag mit dem AWO-Bezirksverband Baden als Betriebsträger des Seniorenzentrums "Sonnenhalde" gekündigt. In einer nichtöffentlichen Sitzung entscheidet der Gemeinderat am heutigen Dienstag ab 18 Uhr, wie es anschließend weiter geht.Nach Informationen des Schwarzwälder Boten gibt es zwei ernsthafte Bewerber, die das Heim und die 31 betreuten Wohnungen kaufen wollen. Im städtischen Haushalt 2014 sind dafür bereits 3,5 Millionen Euro eingeplant.

AWO-Geschäftsführer Klaus Dahlmeyer und Abteilungsleiter Peter Heimerl haben die Mitarbeiter der Alteneinrichtung in einer Betriebsversammlung über die aktuelle Situation und die Folgen informiert. Im Pressegespräch bedauert Dahlmeyer die Entwicklung. "Wir hätten den Vertrag mit der Stadt gerne verlängert."

Weil Altensteig sein Seniorenzentrum unbedingt komplett veräußern wolle, hätte man bei der AWO "im Interesse von 55 Mitarbeitern und 63 Heimbewohnern" auch einen Kauf in Erwägung gezogen. Abteilungsleiter Peter Heimerl: "Aber nicht zu diesem Preis." Vier Millionen Euro habe die Stadt verlangt.

Damit ist es nach Ansicht der AWO aber noch nicht getan. Für den "dringend erforderlichen" Abriss und Neubau des Hauptgebäudes hätte man weitere 7,3 Millionen aufbringen müssen. Dahlmeyer: "Unsere Hausbank hat deshalb ausdrücklich von der Übernahme abgeraten und eine Finanzierung strikt abgelehnt." Auch deshalb, weil für die Sanierung der betreuten Wohnungen "in absehbarer Zeit weitere Folgekosten anfallen". Wie der neue Käufer das stemmen will, sei ihm "schleierhaft".

Eigentümer des 1981 erbauten Seniorenzentrums ist bis heute die Stadt Altensteig. Mit dem AWO-Bezirksverband Baden wurde vor mehr als 30 Jahren ein Betreiber-Vertrag abgeschlossen. Alle 78 angebotenen Betten waren in kürzester Zeit belegt. Man habe sogar eine Warteliste anlegen müssen, erinnert sich die Verwaltungsleiterin der Sonnenhalde.

Inzwischen seien die Ansprüche gestiegen, hat Heimleiterin Hannelore Pantl erfahren müssen. "Weniger von den Heimbewohnern, sondern von den Angehörigen." Die Stadt habe daraufhin beschlossen, Sanitäreinrichtungen zu modernisieren und einen Großteil der Doppelzimmer in Einzelzimmer umzuwandeln. Das allein würde nicht genügen, befürchtete die AWO und fühlte sich durch einen länger anhaltenden Abwärtstrend bei den Belegungszahlen bestätigt.

Geschäftsführer Dahlmeyer suchte das Gespräch mit dem Altensteiger Bürgermeister und bekam zu hören, er solle seine Neukonzeption und die damit verbundenen baulichen Veränderungen dem Gemeinderat vortragen. Gesagt, getan. Allerdings hatte die Stadt bereits vorher ein Architekturbüro beauftragt, einen Planentwurf über Sanierungs- und Umbaumaßnahmen zu entwerfen. Kostenpunkt, laut AWO: 180.000 Euro.

Hatte die Kommune Angst, auf den Honorarkosten sitzen zu bleiben, weil die Pläne bei einer Umstrukturierung der einzelnen Stockwerke wertlos gewesen wären? Für Dahlmeyer kein überzeugendes Argument. "Wir hätten uns mit der Stadt einigen können." Bereits früher habe sich die AWO entgegenkommend gezeigt, zum Beispiel bei der Finanzierung des Wintergartens und diverser Baumaßnahmen "die eigentlich Sache des Eigentümers gewesen wären". Inzwischen sei das Für und Wider Schnee von gestern, weil die Stadt das Seniorenzentrum angesichts einer Schuldenlast von mehr als 30 Millionen Euro wohl unbedingt loswerden wolle, wie man dem Zeitungsbericht vom 21. März im Schwarzwälder Boten entnehmen könne.

Weil die AWO ab April 2015 aus dem Rennen ist, sei sie gezwungen für die festangestellten Mitarbeiter einen Sozialplan aufzustellen und ab August erste Kündigungen auszusprechen, bedauert Hannelore Pantel, seit zwölf Jahren Leiterin der Sonnenhalde. Auch sie fragt sich, wie der neue Eigentümer ("Mit mir hat bisher noch keiner gesprochen, es gab auch keine offizielle Hausbesichtigung") angesichts der notwendigen Investitionen finanziell über die Runden kommen, geschweige denn eine vernünftige Rendite erwirtschaften wolle.