Die Christophorus-Kantorei bei ihrem Auftritt im Rahmen des Altensteiger Musiksommers.Foto: Kosowska-Németh Foto: Schwarzwälder Bote

Musiksommer: Christophorus-Kantorei begeistert nach Zwangspause und nur eingeschränkten Proben

Nach einer langen Corona-Zwangspause durfte die Christophorus-Kantorei endlich wieder auftreten. Im Rahmen des 9. Musiksommers präsentierte sich die Chorformation dem Publikum im Altensteiger Schlossgarten. Das Freiluftkonzert stieß auf ein riesiges Echo beim Publikum.

Altensteig. Eine lange Schlange bildete sich vor dem Schlossgarten-Eingang, da die aufwendige Einlass-Prozedur einschließlich Platzanweisung viel Zeit in Anspruch nahm. Wie in einem antiken Amphitheater setzten sich die Gäste auf die neu errichteten, steil aufsteigenden Betonbänke und genossen den Blick auf alte Steinmauern, die eine fabelhafte Kulisse für die Bühne bildeten. Herrliches Wetter, untergehende Sonne und ein Windhauch vervollständigten die erwartungsvolle Atmosphäre.

Und da kamen sie wie gewohnt in Reih und Glied, festlich angekleidet und bereit, ihr Bestes zu geben. Erst seit Ostern durften die Choristen von Michael Nonnenmann wieder proben, allerdings nur in kleinen Gruppen, sodass die einzige Gesamtprobe am Vortag des Konzerts stattfand. Mit Engagement und Erfolgswillen machten sie die fehlende Trainingszeit wett und der heftige Beifall nach jedem Programmteil untermauerte ihre zuversichtliche Einstellung.

Fast das ganze Konzertprogramm beherrschten die Sänger auswendig und fanden schnell zu gewohntem Konzert-Modus. Die Augen auf den Dirigenten gerichtet, führten sie mit "The Blessing of Aaron" von Norman Ramsey eine ruhige Serenadenstimmung ein und nahmen die Zuhörer in ein sanftes, einstündiges Klang-Erlebnis.

An der frischen Luft vermengten sich die A-capella- Stimmen (wohlgemerkt ohne jegliche technische Verstärkung) in eine homogene und zugleich transparente Einheit, in der die barocke Mehrstimmigkeit des frommen "Wer nun den lieben Gott lässt walten" von Johann Sebastian Bach der romantischen Harmonie des "Auf Gott allein will hoffen ich" von Felix Mendelssohn-Bartholdy gegenüber standen.

Viel ausgelassener ging es in den Musicalsongs "The Lion sleeps tonight" und "The Bare Necessities" (mit präzisen Nachschlägen) sowie im exotischen Lied aus Namibia "Skandama – Takama" und dem "Schwäbisches Quodlibet" zu. Ihre gesangliche Flexibilität ergänzten die Choristen in größeren und kleineren Besetzungen um heitere choreographische Einlagen, Humor und Charme. Und der Mann an der Spitze amüsierte sich nicht weniger als seine Mannschaft und lächelte die Gymnasiasten immer wieder glücklich an.

Ein besonderer Dank galt dem Klavierbegleiter Wolfgang Weible, der in Palästina seit vier Jahren an einer Schule des Berliner Missionswerkes unterrichtet und seine Ferienzeit in der Heimat verbringt. Der chorische Stimmbildner und Dirigent betreute jahrelang den Oberstufenchor des Christophorus-Gymnasiums und das Altensteiger Vokalensemble. Die Freude über das Wiedersehen war auch bei dem Publikum groß.

Nach heftigem Schlussapplaus wollte Nonnenmann das Konzert mit dem Lied "Der Mond ist aufgegangen" stimmungsvoll abschließen, doch die Kirchenglocken läuteten gerade die volle Stunde an und übertönten den Gesang. Erst nach der zweiten Zugabe entließ das Publikum das Ensemble von der Bühne.

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