Die Laufwege sind klar geregelt. Foto: Schwarzwälder Bote

Kreisimpfzentrum in Wart geht an den Start. Termine in den kommenden drei Wochen vergeben

Von Bianca Rousek

Lange haben Bürger und Verantwortliche des Landratsamtes auf diesen Tag gewartet. Den Tag, an dem das Kreisimpfzentrum in Wart seinen Betrieb aufnehmen kann. Zwar mit weit weniger Impfungen als eigentlich möglich wären. Doch wenigstens mit einem prominenten Gast.

Kreis Calw/Altensteig-Wart. Schon rund einen Kilometer vor dem Ziel weisen Schilder zum Kreisimpfzentrum (KIZ) im ehemaligen Dekra-Congresshotel in Wart. In der richtigen Straße angekommen steht dort ein Mitarbeiter einer Security-Firma bereit, um den Ankommenden den Weg ins Parkhaus zu zeigen. Von dort aus ist man in wenigen Schritten am Eingang des Hotels –, wo ein riesiges Schild die zu Impfenden willkommen heißt. Verfehlen kann man sie jedenfalls kaum, die zentrale Anlaufstelle für all diejenigen, die einen der wenigen Impftermine ergattern konnten.

"Wir sind sehr, sehr froh, dass wir jetzt starten können", meint Landrat Helmut Riegger in seiner Ansprache vor den anwesenden Pressevertretern. In den vergangenen sechs Wochen habe man hart gearbeitet, um pünktlich öffnen zu können. Wobei mit pünktlich in diesem Falle der 15. Januar gemeint ist, an dem die Kreisimpfzentren landesweit an den Start hätten gehen sollen. Doch kurz vorher wurde das Ganze mangels Impfstoff um eine Woche verschoben.

Inzwischen ist gewährleistet, dass knapp 300 Impfungen pro Woche im KIZ vorgenommen werden können. Weitere 300 Impfdosen werden den mobilen Impfteams mit auf den Weg gegeben, um Pflegeheimbewohner sowie deren Pfleger zu immunisieren. Die Hälfte des gelieferten Impfstoffes, also weitere knapp 600 Dosen, werden für den zweiten Termin vorgehalten, der notwendig ist, um den angestrebten Schutz vor einer Corona-Impfung zu erreichen. Möglich wären 750 Impfungen am Tag im KIZ in Wart.

Die dementsprechend raren Termine für die ersten drei Wochen, die online oder per Telefon ausschließlich an über 80-Jährige vergeben wurden, waren innerhalb einer Stunde nach der Freischaltung weg, erzählt Landrat Riegger. "Das tut uns leid für diejenigen, die keinen Termin bekommen haben." Doch hoffe man bald auf neue Termine – und vor allem neuen Impfstoff. Sozialdezernent Norbert Weiser gibt sich optimistisch, dass ab Mitte Februar deutlich mehr geliefert werden könnte.

Der Nachbarlandkreis Böblingen hatte sich aufgrund der zu geringen Impfstoffmenge dafür entschieden, den Betrieb im KIZ erst rund drei Wochen später zu starten und die vorrätigen Impfdosen stattdessen komplett an die mobilen Impfteams zu geben. Das sei für den Kreis Calw nicht in Frage gekommen, unterstreicht Weiser. Die Impfteams seien bereits intensiv in den Heimen unterwegs – und man wolle auch Senioren, die nicht dort leben sowie Mitarbeitern beispielsweise in Krankenhäusern die Möglichkeit geben, sich zu immunisieren, argumentiert er.

Saskia Esken zu Besuch

Obwohl das KIZ noch längst nicht unter Volllast läuft, geht es am ersten Tag in der Eingangshalle zu wie in einem Ameisenstaat. Helfer – vom "Hausherrn" Dekra, der Bundeswehr, des Landratsamts und des Dehoga-Kreisverbands (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) – stehen bereit, Senioren kommen zum Termin, ihre Begleitpersonen am Arm. Ihre Laufwege sind vorgegeben: Erst zur Anmeldung, wo sie freundlich empfangen werden, dann geht es entweder zum Beratungsgespräch oder direkt in dem Wartebereich, zur Impfung und anschließend in den Ruhebereich. Alles ohne "Begegnungsverkehr", um etwaigen Risiken aus dem Weg zu gehen.

Überhaupt wird in diesen Tagen alles dafür getan, um den "Supergau", wie Weiser es nennt, zu vermeiden: eine Corona-Infektion im KIZ. Alle Mitarbeiter werden täglich getestet, Besucher (wie die Pressevertreter) ebenfalls. "Wir halten das Hygienekonzept zu 150 Prozent ein", betont Riegger. Dazu gehört auch, dass sämtliche Kontaktflächen mehrmals am Tag gereinigt werden. Jede Nacht wird quasi das gesamte KIZ von Mitarbeitern der Dekra durchdesinfiziert, meint Friedemann Bausch, Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH.

Aus einer der insgesamt acht Impfkabinen tritt Thomas Allmendinger, ärztlicher Leiter des KIZ. Er hat inzwischen schon einige Impfungen vorgenommen und berichtet von keinen schwerwiegenden Nebenwirkungen. Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle kommen vor, meint der Arzt. Und wie bei jeder Impfung sollte man den betroffenen Arm ein oder zwei Tage schonen. "Wir sind für Notfälle gerüstet, aber bisher haben es alle sehr gut vertragen." Das Problem sei vielmehr – und da schlägt er in die gleiche Kerbe wie Landrat & Co. – dass es nicht genug Impfstoff gibt.

Umso größer die Ehrfurcht bei einem Blick in die ehemalige Hotelküche, wo jetzt die Spritzen aufgezogen werden. Ein leeres Impfstofffläschen nimmt Riegger an sich. So geht Souvenir 2021.

Beim Rundgang durch das KIZ können die Verantwortlichen des Landratsamts ihren Stolz über das Geschaffte kaum verbergen. Sie schwärmen von der Atmosphäre in dem ehemaligen Hotel im Unterschied zu einer Halle, von der guten Zusammenarbeit mit der Dekra und davon, dass das alles sogar noch deutlich kostengünstiger und schneller vonstatten ging als in anderen Landkreisen. Lob gibt es für den reibungslosen dann auch noch von mehreren inzwischen Geimpften, die zur Beobachtung im Ruheraum sitzen. "Perfekt organisiert", findet ein älterer Mann. Ganz im Gegensatz zur Terminvergabe, die landesweit über die Maßen chaotisch ablief, wie vielfach kritisiert wurde. Vor allem, dass die Mitarbeiter der Impfttermin-Hotline 116 117 die Anrufer aus dem Kreis Calw an das Landratsamt verweisen, stößt Riegger bitter auf. Immerhin wüssten diese ganz genau, dass das Landratsamt nicht dazu befugt ist, Termine zu vergeben.

Zur Kritik an der Besorgung von Impfstoff äußert sich am Eröffnungstag des KIZ auch ein prominenter Gast: die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken. Sie findet zwar die EU-weit gemeinsame Beschaffung von Impfstoff vollkommen richtig. Doch als die Entscheidung fiel, eher zurückhaltend zu bestellen, hätte man zugreifen müssen, äußert sie. Nun gelte es, die anderen Vakzine, wie das von Astrazeneca, gut zu testen und schnell zuzulassen. Denn "nur weil der Impfstoff da ist, sind wir noch nicht über den Berg."

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