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Altensteig (Württ.) Publikum unter Dauerspannung

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Rund 20 Workshop-Teilnehmer ließen in der Remigiuskirche "Neue Alte Musik" erklingen. Foto: Kosowska-Németh Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Maria Kosowska-Némneth

Altensteig. Mit dem Konzert "Barocke Kammermusik" in Altensteigdorf stellte der Altensteiger Musiksommer die Uhr der Musikgeschichte um mehr als drei Jahrhunderte zurück. Die Zuhörer tauchten in die entlegenen Zeiten von Georg Philipp Telemann, Arcangelo Corelli und Jean-Marie Leclair ein.

Von Montag bis Donnerstag ergründeten knapp 20 jugendliche Streicher die Arkana der barocken Aufführungspraxis im Workshop "Neue Alte Musik". Zwei Teilnehmer brachten eigene Barock-Instrumente mit, den anderen stellte die Musikschule Calw mehrere zweckmäßig hergerichtete Violinen, Violen und Celli zur Verfügung.

Seit 15 Jahren ist der Kursleiter, Kenner und Enthusiast der Alten Musik Gerd-Uwe Klein als Geiger beim Freiburger Barockorchester tätig, seine Erfahrungen vermittelt er gerne an musikbesessene Jugend weiter. Beim Altensteiger Festival arbeitete Klein an der Konzertvorbereitung zusammen mit dem Stardozenten Dmitri Dichtiar (Cello), Carsten Lorenz (Cembalo) und Renate Harr (Violine).

Wo liegt der Widerspruch bei der Formulierung "Neue Alte Musik" und was brachte die Heranwachsenden und Jugendlichen dazu, den Kurs scharenweise zu belagern? Bei den Jüngeren war es zweifelsfrei die Neugier, die Fortgeschrittenen aber, wie die Solistinnen Charlotte Gerbitz, Julika Lorenz (Violinen) und Julia Harr (Blockflöte) erlagen schon früh dem Zauber des Barock, und jetzt übernahmen sie von den Musikpädagogen neue Impulse der innovativen Interpretationskunst.

Wie die Musik damals klang, weiß niemand so wirklich. Das Notenmaterial überlieferte zwar ihr Aussehen, auch inneren Strukturen und Ornamentik, nicht aber den wahren, tiefgründigen Charakter. Als dann neue Kunstströmungen die Alte Musik überholten, verstummte sie und erstarrte zu alten Porträts. Seit etwa 40 Jahren erklingt sie wieder, sorgsam eingefasst in den Rahmen damaliger, oft ausschweifender Pracht.

Die Remigiuskirche stellte eine stilvolle Kulisse für das Konzert dar, die Luftfeuchtigkeit setzte aber den Barock-Instrumenten mit ihren Darmsaiten mächtig zu, das bekamen die Zuhörer jedoch äußerst selten mit. Streng nach den Concerto-Grosso- Auflagen teilte sich das Orchester in Gruppen auf. In der Suite von Telemann und im Concerto von Leclair sprudelte die Musik von Lebensfreude, blühte durch dynamische Kontraste auf, und die beißende Rhythmik unterstrich die so oft unterschätzte Vitalität. Der frenetische Beifall kam also nicht von ungefähr.

Einen musikalischer Schatz aus der Schatulle des Venezianers Georgio Gentili, der seinerzeit auf eine in Form und Ausdruck ungewöhnliche Barock-Schiene auswich, hatte Klein in einer Leipziger Sammlung ausgegraben und der Jugend zur Aufführung anvertraut. Die anspruchsvolle Musik für Orchester und für Sologeigerin glitzerte pastellfarbig in mehreren Kadenzen, die große Emotionalität hielt das Publikum unter Dauerspannung. Fazit: Es brodelte unter dem Deckel des künftigen Jugend-Barockorchesters.

In drei Triosonaten überboten sich die Kursmeister Klein und Harr in luftig-virtuosen Imitationen. Die fundamentale Rolle des Basso continuo (während der gesamten Produktionen) mit Dichtiar (atemberaubendes Solo bei Corelli) und Lorenz fiel erst wirklich auf, als sie bei Leclair zeitweise fehlte und ein bezauberndes, geradezu erotisierend wirkendes Zwiegespräch der Violinsolisten in sterbensleisem Piano unterging. Wirklich famos.

 
 

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