Der Liederkranz Altensteig bei einem Auftritt aus der Zeit ohne Beschränkungen. Archiv-Foto: Köncke Foto: Schwarzwälder Bote

Gesangvereine: Bernecker Männerchor und Liederkranz Walddorf pausieren schon seit einem Jahr

Keine gemeinsamen Proben, keine Konzerte, keine Ausflüge, keine Geselligkeit: Wie verkraften die Gesangvereine in Altensteig den Lockdown?

Altensteig. Der Liederkranz Altensteig hat das Beste aus der Pandemie gemacht: "Wir sind im Rahmen unserer Möglichkeiten aktiv geblieben", berichtet Veronica Kluge. Sie ist seit 2000 Dirigentin des gemischten Chores und wollte ihr Jubiläum im vergangenen Jahr mit einem anspruchsvollen Konzert feiern. Corona hat einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Untätig sei man trotzdem nicht geblieben. In ihrem Jahresbericht 2020 hat Kluge einige Ereignisse auf Vereinsebene in Erinnerung gerufen – was sie eigentlich bei der ausgefallenen Hauptversammlung am 15. Januar machen wollte. Ein herber Schlag für den gemischten Chor war der Tod von drei langjährigen Sängerinnen aus Altensteig und Grömbach. Wegen geltender Restriktionen hat ein Quartett, bestehend aus der Familie Kluge die Trauerfeiern umrahmt. "Sobald es wieder erlaubt ist, gehen wir als Gesamtchor zu einer Gedenk-Singstunde auf den Friedhof" verspricht die Dirigentin.

Es gab im abgelaufenen Jahr auch erfreuliche Ereignisse. Dem früheren Liederkranz-Vorsitzenden Helmut Seeger wurde zu seinem 80. Geburtstag und Schriftführerin Karin Bertram zu ihrem 70. Wiegenfest ein "virtuelles Ständchen" gebracht. Bei Horst Butsch erschienen einige Sänger persönlich mit Sektgläsern in der Hand an der Haustür, wünschten dem langjährigen Kassierer zum 80. Lebensjahr alles Gute und sangen einige Lieder. Jüngeren Vereinsmitgliedern wurde per Whatsapp gratuliert.

Als man sich beim Lockdown light noch mit 20 Personen treffen durfte, habe man die Gelegenheit für einen Ausflug im September nach Sasbachwalden genutzt, eine Wanderung unternommen, in einer kleinen Kirche gesungen und nach vorheriger Anmeldung in einer Gastwirtschaft zusammengesessen.

Geprobt worden sei trotz der Pandemie von Juni bis Ende Oktober jeden Donnerstagabend auf dem Hof der Spedition Friedrich, anstatt im Traubensaal. Wegen der hereinbrechenden Dunkelheit wurde früher angefangen. In Vierergruppen habe man sich auch im November und Dezember auf Weihnachts- und Neujahrsgottesdienste in Simmersfeld und Grömbach eingestimmt und anstelle der Kirchgänger die Gemeindelieder gesungen. Trotz dieser Aktivitäten "vermissen wir schmerzlich die gemeinsamen Chorproben und die Geselligkeit", beschreibt die Chorleiterin die allgemeine Stimmungslage.

Seit einem Jahr hat sich der 17-köpfige Männerchor aus Berneck nicht mehr zu gemeinsamen Singstunden getroffen. Dabei wollte man im Rahmen des Altensteiger "Musiksommers 2020" ein Konzert im Schloss der Herren von Gültlingen geben. Das Programm habe schon festgestanden. Ob der Auftritt dieses Jahr nachgeholt werden kann, ist nach Auskunft des Vorsitzenden Georg Titel "völlig offen". Und wenn, müsste man vorher die Genehmigung des Burgherren einholen. Drei Jahre hat Gregor Mattersberger den MGV Berneck dirigiert. Nach dem erfolgreichen Abitur am Christophorus-Gymnasium Altensteig hat er jetzt ein Studium in Österreich begonnen und steht nicht mehr zur Verfügung. Ein Nachfolger sei bereits in Sicht. Mehr will Titel zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, zumal es "noch keine einzige Singstunde mit ihm gegeben hat".

Der Liederkranz Walddorf hatte seine letzten Chorprobe am 5. März 2020. Seitdem herrscht wegen Corona Sendepause, bedauert die Vorsitzende Angela Walz. Es sei in diesem Jahr bis jetzt auch noch nichts geplant. Dabei kann Christian Platschko ein Jubiläum feiern, er dirigiert den gemischten Chor seit 20 Jahren. Als es noch möglich war, habe man sich zum Einkehren "ein paarmal getroffen" und den Aktiven als Adventsgruß ein kleines Präsent vor die Haustür gelegt.

Der Zusammenhalt im Liederkranz Walddorf sei nach wie vor "sehr groß", sagt die Vorsitzende und ist zuversichtlich, dass man nach Ende der Pandemie wieder mit frischem Mut und in voller Besetzung durchstarten könne.

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