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Altensteig (Württ.) Lauk: "Katastrophale Zustände"

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Die Macher des "Salons Kunsthalle": Hermann Unsöld (von links), Margot Metzner, Dorothee Müller, Werner Lauk, Christa Haizmann-Broschk und Angela Anding. Foto: Stadler Foto: Schwarzwälder Bote

Altensteig. Im 30. Jahr nach dem Mauerfall im November 1989 widmete sich der "Salon Kunsthalle" in seiner dritten Auflage den Ereignissen rund um die Prager Botschaft während dieser Zeit, dargestellt in einem detaillierten und mitnehmenden Vortrag von Werner Lauk. Ein Interview mit der ehemaligen Lehrerin Margot Metzner gab einen persönlichen Einblick in die Wochen vor dieser Zeit.

Seit 2017 veranstaltet die Volkshochschule gemeinsam mit Kunsthallen-Inhaber Hermann Unsöld einmal jährlich den "Salon Kunsthalle". Die diesjährige dritte Veranstaltung in der Reihe widmete sich der deutschen Geschichte rund um die Grenzöffnungen und den Mauerfall.

Den Auftakt übernahm der in Altensteig lebende Botschafter im Ruhestand und damalige Leiter des Wirtschaftsreferats der Botschaft in Prag, Werner Lauk. "Die emotionalen und belastenden Erinnerungen hängen einem bis heute im Kopf", so Lauk während seiner Zeitzeugnisse, mit denen er die Situation in der damaligen Tschechoslowakei vor dem geschichtsträchtigen Ereignis der Grenzöffnungen und Ausreisen in den "Westen von Deutschland" eindrücklich schilderte. Er berichtete von den Menschen aus der damaligen DDR, die in großer Anzahl in der deutschen Botschaft in Prag Zuflucht gesucht hatten und in die damalige BRD, also den Westen von Deutschland, ausreisen wollten.

"Es herrschten katastrophale Zustände", erinnerte sich Lauk, der amtierende Botschafter weilte im Urlaub, und am 3. November hielten sich rund 5000 Menschen auf dem Botschaftsgelände auf. Nachdem am 1. November 1989 die Visumspflicht zwischen der damaligen Tschechoslowakei und der DDR aufgehoben worden war, genehmigte die tschechische Regierung zwei Tage später die Ausreise der DDR-Bürger. Züge und Busse mussten organisiert werden, erinnerte sich Lauk, und das alles ad hoc und ohne internationale Ausschreibungen. Für Lauk war das die interessanteste, intensivste und gleichzeitig auch bewegendste Zeit in diplomatischen Diensten. Er zeigte sich außerdem dankbar, dass er seinen Beitrag zum Ende der SED-Diktatur leisten konnte.

Im zweiten Teil der rund dreistündigen Veranstaltung in der Altensteiger Kunsthalle, die durch Jugendkunstschul-Leiterin Dorothee Müller einfühlsam moderiert wurde, stand ein Interview mit Margot Metzner auf der Agenda. Das Zwiegespräch führte die Leiterin der Volkshochschule Oberes Nagoldtal, Angela Anding. Sowohl Margot Metzner als auch Angela Anding sind beide in der ehemaligen DDR aufgewachsen und haben in ihrer Vita viele Parallelen, wie den Berufswunsch Lehrerin und den ausgeübten Beruf als Direktorin einer Volkshochschule. Metzner leitete die VHS Suhl, ist bereits im Ruhestand und erinnerte sich an ihre Erlebnisse zur Zeit der Wende. "Im Januar 1989 hat in Suhl noch kein Mensch an die sich anbahnende Veränderung gedacht, es gab zwar Vorboten einer Veränderung, aber in Suhl war kein Aufbruch spürbar", berichtete die heute in der Nähe von Nagold lebende ehemalige Lehrerin.

Seitens der Gäste in der Kunsthalle kam die Frage, ob sie ohne weiteres das Abitur in der DDR ablegen konnte. "Das war damals nicht möglich, mir wurde der normale Weg verwehrt, ich musste das Abitur neben meiner Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg ablegen."

Als spürbare Vorboten für eine Veränderung erzählte Metzner von Suspendierungen von Menschen, die mit Materialien aus dem Westen aufgespürt wurden und deswegen ihre Arbeitsplätze verloren und ausgegrenzt wurden. Sie berichtete von ihrer Wut, da es keine offenen Diskussionen mit Parteisekretären gab, weshalb sie im September 1989 ihr Parteibuch auf den Tisch legte. Metzner äußerte sich auch zu den Wahlen in der DDR im Mai 1989. Zu dieser Zeit begann merklicher Aufruhr, während in Leipzig und Dresden schon kräftig demonstriert wurde.

Das Interview zwischen Anding und Metzner hätte durchaus noch mehr Themen aus dieser Zeit beleuchten können, doch in Anbetracht des fortgeschrittenen Abends rundete ein weiterer musikalischer Beitrag des Salonorchesters rund um den ehemaligen Schulrektor Gebhard Probst den eindrucksvollen und mitnehmenden Ausflug in einen spannenden und ereignisreichen Zeitraum deutscher Geschichte ab.

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