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Altensteig (Württ.) "Hades" schließt für immer seine Pforten

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Weil die Sanierung einen sechsstelligen Euro-Betrag kosten würde, schließt die katholische Kirchengemeinde das Theater im Hades zum Jahresende. Foto: Köncke

Altensteig - Jetzt steht es fest: Das Kellertheater "Hades" schließt für immer seine Pforten. Als Grund führt die katholische Kirche Umbaukosten in sechsstelliger Höhe an.In der jüngsten Sitzung hat sich der Gemeinderat Heilig Geist ausführlich mit dem Thema beschäftigt. Im Kellertheater wurden gravierende Sicherheits- und Brandschutzprobleme festgestellt. Außerdem entspreche die Elektroinstallationen nicht mehr den gültigen Standards. Die Ausgaben für eine grundlegende Sanierung belaufen sich nach Berechnungen von Fachleuten auf rund 110.000 Euro.

Damit steht der Träger der Kultureinrichtung vor einem Dilemma. Einerseits möchte man den "Hades" erhalten, andererseits fallen für Baumaßnahmen am Altensteiger Gotteshaus 500.000 Euro an. Den ersten Abschnitt mit 280.000Euro hat die Kirchengemeinde Heilig Geist komplett selbst finanziert. Für die nächsten Bauphasen müssen 50.000 Euro durch Spenden und Eigenleistungen aufgebracht werden. Zusätzlich kommt man nicht darum herum, das desolate und unbewohnbare Pfarrhaus entweder grundlegend zu renovieren oder aber – was nach Lage der Dinge wahrscheinlicher erscheint – neu zu bauen.

Weil das Kellertheater für die Diözese Rottenburg-Stuttgart seit dem Bau des Gemeindezentrums keine Institution mehr für das Kirchenleben ist, hat Rottenburg jeglichen Zuschuss zur Wiederinbetriebnahme kategorisch abgelehnt. "Und alleine können wir die Umbaumaßnahme nicht stemmen", sieht Pfarrer Holger Winterholer der Realität ins Auge.

In der Kirchengemeinderatssitzung wurde zwar von allen Seiten der "charmante Charakter" des intimen Kellertheaters gerühmt, andererseits herrschte Übereinstimmung darüber, dass die Beschaffung der enormen Mittel eine zu große Belastung für den Haushalt der Kirchengemeinde Heilig Geist darstellen würde.

Pfarrer Winterholer drängte den Gemeinderat zu einer Entscheidung, weil die Unsicherheit über den Fortbestand des "Hades" Einfluss auf eine zügige Fortführung der Bauarbeiten an der Heilig-Geist-Kirche habe. Stadtbaumeister Hermann Unsöld regte an, bei den beteiligten Architekten und Baufirmen um Spenden zu bitten. Mit einem Finanzpolster im Rücken sei es leichter, die Stadt Altensteig um finanzielle Unterstützung zu bitten. Der Vorschlag fiel auf keinen fruchtbaren Boden. Wenn Zuwendungen eingingen, sollten sie in erster Linie für die Kirchensanierung verwendet werden.

Nach weiteren Diskussionen sprachen sich die Räte mit großer Mehrheit für die Schließung des Kellertheaters aus. Damit ist das Schicksal der Einrichtung besiegelt, und ein über 40 Jahre dauernder Theaterbetrieb geht zu Ende.

1970 hatte der frühere Altensteiger Monsignore Heribert Sautter den Hades aus der Taufe gehoben. Seitdem gaben dort renommierte Bühnen wie das Sandkorntheater Karlsruhe oder das Zimmertheater Rottweil vielbeachtete Vorstellungen. Für manche Künstler war die Kultureinrichtung auch ein Sprungbrett auf der Karriereleiter.

Intendant Joachim Krüger bedauert das Aus außerordentlich, weil der Hades nach seiner Überzeugung "der einzige richtige Theatersaal in Altensteig ist". Allerdings räumte er ein, in einer relativ schwachen Verhandlungsposition zu sein, weil die Zuschauerzahlen in den vergangenen 15 Jahren "nicht gerade berauschend waren". Deshalb übte er in seiner Stellungnahme auch leise Kritik. Viele Altensteiger hätten beteuert, was für ein wichtiger Bestandteil der Hades in der Kulturlandschaft sei – "aber ein Ticket gekauft haben sie nicht". Nach Angaben der Kirchenleitung werden die Räume künftig als Lagerfläche genutzt.

Nachdem der Spielplan für dieses Jahr bereits feststeht, und sich die Künstler auf die Einhaltung der Verträge berufen, wird es bis Ende Dezember noch drei Veranstaltungen geben. Das Tourneetheater Stuttgart gastiert am Samstag, 28. September, im Bürgerhaus mit "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza. Am 2. und 3. November gibt es einen "Wiener Abend" mit einer Mischung aus Kabarett, Theater und Musik. Mitwirkende sind das "Trio Fatale" und Altensteiger Musikanten. Die letzte von Intendant Klaus Krüger vereinbarte Vorstellung ist am Donnerstag, 12. Dezember, im Bürgerhaus ein Stück des Puppentheaters Gugelhupf mit dem Titel "Der Weihnachtsbär".

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