Zahlreiche Geschäfte – nicht nur in der Altensteiger Unterstadt – müssen wegen der Ansteckungsgefahr vorerst schließen. Foto: Köncke

Inhaber von Modegeschäft will Lieferdienst einrichten. Appell an die Kunden.

Altensteig - Schuh und Sport Wenz geschlossen, Radio- und Fernseh-Braun geschlossen, Modehaus Seeger geschlossen: das Coronavirus hat die Altensteiger Geschäftswelt voll erwischt.

Werberingsvorsitzender Uwe Seeger hat die Nachricht am späten Dienstagabend erhalten. Nicht nur Kinos, Spielhallen, Eisdielen, Bars und Fitnessstudios müssen seit Mittwoch dieser Woche laut Anordnung des Staatsministeriums von Baden.Württemberg geschlossen sein, sondern auch "alle Verkaufsstellen des Einzelhandels, die nicht zu den im Absatz 3 genannten Einrichtungen gehören". Offen sind in Altensteig damit Lebensmittelgeschäfte, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Friseure, Zeitungsverkaufsstellen, Baumärkte, Hofläden und Raiffeisenmärkte. Gaststätten, die Speisen und Getränke anbieten – zum Beispiel die Wirtshäuser Grüner Baum und Traube – müssen spätestens um 18 Uhr schließen.

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"Das Verbot hat mich schwer getroffen", gibt Uwe Seeger zu. Er ist nicht nur Vorsitzender des Altensteiger Werberings, sondern auch Inhaber eines Herren- und Damen-Modegeschäfts. Für seine drei Verkäuferinnen habe er Kurzarbeit beantragt. Seeger hofft, dass der Staat in dieser Ausnahmesituation die restlichen 40 Prozent des Gehalts übernimmt. Bei seinen Lieferanten habe er einen Lieferstopp veranlasst. Außerdem werde er die Werbungskosten zurückfahren. Dabei seien die Regale mit modischer Sommerware bereits gut gefüllt.

Deshalb will der Geschäftsmann einen neuen Service anbieten: "Wir werden einen Lieferdienst einrichten. Heißt: Wir werden Teile unserer Kollektion fotografieren und online stellen." Bei Interesse werde man die fraglichen Stücke zur Anprobe vorbei bringen. Seeger kann sich vorstellen, dass auch andere Einzelhändler der Stadt einen zusätzlichen Service anbieten, "wenn das machbar ist". Mit Wehmut denkt der Textilbetriebswirt zwei Wochen zurück, als er in seinem Modegeschäft zum "Einkaufs-Brunch" eingeladen hatte: "Der Laden war voll." So schnell könne sich die Situation ändern.

Dankeschön an die Stadtverwaltung

Mit den anderen Einzelhändlern, die im Werbering organisiert sind, habe er zum Austausch von Informationen eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Für Rückfragen sei er per E-Mail unter info@uweseeger.de erreichbar.

"Die Lage ist sehr ernst, für manche Betriebe steht die Existenz auf dem Spiel", ist dem Werberingvorsitzenden die Sorge ins Gesicht geschrieben. Um so mehr hofft er, dass Kunden nicht in Scharen zu Online-Handelsketten abwandern, sondern mit ihrer Kaufentscheidung zuwarten, bis die Geschäfte in Altensteig und der Region wieder offen sind. Seeger: "Sonst stirbt irgendwann der Einzelhandel vor Ort". Gerade jetzt komme es darauf an, zusammenzustehen und Solidarität zu üben. "Wir alle haben es in der Hand, ob es in Zukunft noch kleinere Geschäft gibt", betont Seeger.

Bei allem Unbill will Seeger ab auch ein "Dankeschön" loswerden – an Bürgernmeister Gerhard Feeß und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung, die ein "sehr gutes und vorausschauendes Krisenmanagement betreiben".

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