Leidenschaftlich und kontrovers diskutierten Ausschussmitglieder, Stadtverwaltung und Bürger über den geplanten Standort einer Photovoltaik-Anlage auf Bernecker Gemarkung.Foto: Köncke Foto: Schwarzwälder Bote

Planung: Projekt in den Neuenäckern / Gegner bangen um Wiedehopf, Grünspecht und Abschusszahlen

Naherholungsgebiet, Lebensraum für Wildtiere und einen seltenen Brutvogel, Grünland für einen Landwirtschaftsbetrieb: Die geplante Photovoltaikanlage im Bernecker Gewann "Neuenäcker" stößt auf Widerstand. Beim Vorort-Termin des Bau- und Umweltausschusses diskutierten die Stadträte mit den Zuhörern kontrovers über den geplanten Standort.

Altensteig-Berneck. Der Ortschaftsrat Berneck hatte sich gegen eine Photovoltaikanlage auf dem 7,2 Hektar großen Wiesengelände oberhalb der Kreisstraße K 4371 ausgesprochen. Im Altensteiger Gemeinderat begründete Ortsvorsteherin Traudel Kempf die ablehnende Haltung unter anderem damit, dass es in Berneck kaum große, zusammenhängende Wiesenflächen gebe, Wander- und Spazierwege an den Neuenäckern vorbeiführten und ein intaktes Naherholungsgebiet eine immer größere Rollen spiele.

Ob eine Naturlandschaft auf Dauer gesichert werden kann, hänge auch von der Erzeugung regenerativer Energien – zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage – ab, gab Bürgermeister Gerhard Feeß zu bedenken. Allerdings sei der Stadt nicht daran gelegen, sich über das Votum des Ortschaftsrates hinwegzusetzen. Vielleicht finde man eine für alle Seiten akzeptable Lösung. Nach Ansicht von CDU-Fraktionssprecher Tobias Schmid könnte eine Vor-Ort-Besichtigung dazu beitragen. Mit seinem Vorschlag stieß er auf breite Zustimmung, die Entscheidung wurde vertagt.

Vor der Inaugenscheinnahme des infrage kommenden Areals hielt der Leiter der Altensteiger Stadtwerke, Günther Garbe auf dem Vorplatz des Sportheims vor rund 30 Zuhörern eine Brandrede. Der Standort Neuenäcker sei für den Betrieb einer Photovoltaikanlage wegen seiner Größe, der Hanglage mit einem Höhenunterschied von 20 bis 25 Metern und einer optimalen Sonneneinstrahlung hervorragend geeignet. Die aktuellen Erdgaspreise hätten ein Allzeithoch erreicht, und auch der Strompreis "steigt unaufhörlich weiter". Damit stellt sich für Garbe die Frage: "Sollen wir uns dem Schicksal ergeben oder versuchen, möglichst viel regenerative Energie selber zu erzeugen?"

Bekanntlich wolle Deutschland laut Klimaschutzplan der Regierung bis zum Jahr 2050 weitgehend treibhausgasneutral werden. Eine Photovoltaikanlage auf den Neuenäckern würde sich auch wirtschaftlich rechnen und könnte den Kunden der Stadtwerke zugute kommen.

Diese Art der Energieerzeugung generell gutheißen, aber bitte nicht in Berneck an diesem Standort? Das müsse kritisch hinterfragt werden. "Wir wollen nichts zupflastern, es geht aber auch um unser Geld" schaltete sich Bürgermeister Gerhard Feeß ein. Allein der einstündige Starkregen am 28. Juni habe bei der Stadt einen Schaden von 600 000 Euro angerichtet.

"Wir haben in Berneck nur zwei so große Grünflächen", richtete Ortsvorsteherin Kempf den Blick wieder auf die Standortfrage. Auf der Hochfläche "gehen wir der Sonnen entgegen", weil einem Berneck bei der Einfahrt in den Ort wegen seiner Tieflage dunkel und grau vorkomme. Bei der Verwirklichung des Projekts sei der Erholungswert "nicht mehr der gleiche", mahnte Kirsten Fuchs.

Man befinde sich erst am Anfang des Verfahrens, beschwichtigte Garbe. Das weitere Vorgehen könne man sich sparen, bekam er von verschiedenen Seiten gesagt. Ein Landwirt habe das Wiesengrundstück als Grünland gepachtet, "der braucht die Fläche". Dort sei der Wiedehopf, ein seltener Vogel zu Hause, reklamierte eine Zuhörerin. "Und der Grünspecht", ergänzte ihre Nachbarin.

Für Jagdpächter Nils Junker sind die Neuenäcker Lebensraum für Wildtiere. Bei einer Photovoltaikanlage würden sie auf der Suche nach Nahrung wahrscheinlich öfter die Kreisstraße überqueren und damit die Unfallgefahr für Verkehrsteilnehmer erhöhen. Außerdem, fuhr Junker fort, habe er einen Pachtvertrag mit der Stadt abgeschlossen: "30 Prozent meiner Abschüsse habe ich in diesem Gebiet." Der Bürgermeister korrigierte ihn: Den Vertrag habe er nicht mit der Stadt, sondern mit der Jagdgenossenschaft abgeschlossen. Und was den Wiedehopf angehe, sei festzuhalten, dass ein Terrain, in dem schützenswerte Tierarten vorkämen, erst gar nicht im Flächennutzungsplan erscheinen würde.

Susi Haag ließ nicht locker: Die Graslandschaft werde für die Schafbeweidung gebraucht. "Und was schlagen Sie als Alternative vor?", fragte Feeß und bekam zu hören, man sollte alle städtischen Gebäude in Altensteig mit Photovoltaikanlagen bestücken.

Als die Diskussion ins Unendliche abzugleiten drohte, schlug ein Mitglied des Bauausschusses vor, das fragliche Gebiet zu besichtigen, deshalb sei man schließlich nach Berneck gekommen. Die Entscheidung über den Standort Neuenäcker fällt in einer der nächsten Sitzungen des Altensteiger Gemeinderats.