Fiona Stritt und Luigi Jordan Prudencio hielten das Gleichgewicht zwischen künstlerischem Ernst und szenischer Ausgelassenheit. Foto: Schwarzwälder Bote

Musiksommer: Beim "Heimspiel"-Konzert im Bürgersaal ernten Ehemalige ohrenbetäubenden Applaus

Das "Heimspiel"-Konzert ist ein fester Bestandteil des Altensteiger Musiksommers. Seit nun neun Jahren präsentieren die Ehemaligen der Musikschule und des Christophorus Gymnasiums ihre neuesten musikalischen Errungenschaften auf der heimatlichen Bürgerhausbühne.

Altensteig. Da diesmal das Platzangebot wegen Corona auf weniger als zwei Drittel der Kapazität zurückgefahren wurde, fasste der Saal insgesamt nur etwa 60 Besucher. Doch es tat der Atmosphäre keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Freude über das Wiedersehen und Rückkehr zu (relativer) Normalität beflügelten die Solisten und spornten sie zu Hochleistungen an.

Martin Wieczorek (E-Gitarre, Gesang)) und Jonas Schüsselin (Klavier, E-Piano) musizieren gemeinsam seit ihrer Schulzeit. Nun stellten sie sich dem Publikum als ein symbiotisches Duo vor und kreierten auf dem soliden Fundament der Hochschulausbildung stimmungsvolle Jazz-Interpretationen voller farbiger, illusorischer Klänge und Melancholie. In einer Rumba von Chick Corea brillierten beide mit instrumentaler Technik und schwungvoller Spontaneität.

Ein umfangreiches Klavierprogramm mit Werken von Barock bis Impressionismus stellte die Pianistin Fiona Podolski vor. Die stilistischen Unterschiede machten sich bemerkbar nicht nur bei der einfühlsamen Phrasierung, dynamischen Varietät und dem alternativen Pedalgebrauch. Den Musikcharakter bestimmte in hohem Grade der nuancierte Anschlag, da die sensible Pianistin dessen Tiefe mit Bedacht wählte und flexibel einsetzte. Somit wirkte das Klangbild einer Sonate von Domenico Scarlatti gewichtiger und selektiver als die leichte und virtuose Musik von Claude Debussy und Frédéric Chopin.

Jan Steeb aus Freudenstadt ist in mehreren Bereichen als Pianist, Sänger und Komponist tätig. Im Konzert präsentierte er Stücke aus eigener Feder und ließ die Zuhörer in seine eigenartige Musikwelt hineinhören. Der meist stark emotionale, durch mächtige Klavier-Akkorde unterstützte Gesang steigerte seine Intensität in zahlreichen Vokalisen und erwuchs in "Loreley" zum einem beharrlichen Nixenlockruf in hohen Registern. Abgesehen von einigen Pathos-Tupfern ließ sich der junge Mann als ein fähiger Individualist mit Fantasie, Ehrgeiz und Engagement kennen lernen.

Ihr spanisch betontes Programm gestalteten Fiona Stritt (Gesang) und Luigi Jordan Prudencio (klassische Gitarre) in einem stimmigen Gleichgewicht zwischen dem Ernst der Kunst und szenischer Ausgelassenheit. Die Studienkommilitonen fühlten sich sichtlich wohl in ihren Rollen – sie meistens als eine kapriziöse Señorita, er als ergebener Anbeter mit Gitarre.

Dem Liederzyklus "Siete canciones populares españoles" ("Sieben spanische Volkslieder") von Manuel de Falla folgten mehrere vokale und instrumentale Miniaturen. Während die Sängerin ihre konturklare, angenehm helle, tragende und facettenreiche Sopranstimme sowohl im klassischen als auch jazzigen Repertoire mit professioneller Sicherheit und persönlichem Charme einsetzte, bot Prudencio den Zuhörern einige Gitarren-Soloperlen vom Feinsten. Mit der "Aire Indio Nr. 2" verneigte er sich vor dem nationalen Komponisten seiner Heimat Bolivien, Eduardo Caba. Seine künstlerische Reife, musikalische Dichterkunst sowie geradezu diabolische Virtuosität versetzte das Publikum ins Staunen.

Ein ohrenbetäubender Applaus wollte kein Ende nehmen, alle Ausführenden freuten sich über die laute Anerkennungsrufe und kosteten ihren Erfolg in vollen Zügen aus.

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