Niklas Luginsland trägt den Dress des VfB-Stuttgart-eSports-Teams mit Stolz. Foto: Wind Foto: Schwarzwälder Bote

Computersport: Der Altensteiger Niklas Luginsland gehört zum eSports-Team des VfB Stuttgart

Stundenlang an der Playstation spielen, die neuste Version des Spieleklassikers Fifa zocken und damit auch noch Geld verdienen: Sicherlich ein Traum für viele Jugendliche. Für Niklas Luginsland aus Altensteig ist er diesen Sommer wahr geworden.

Altensteig. "Dass ich für meinen Herzensverein VfB Stuttgart spielen darf, ist einfach toll", freut sich Niklas Luginsland beim Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Luginsland steht allerdings nicht als Spieler auf dem Rasen des Mercedes-Benz-Stadions. Er vertritt den Verein gemeinsam mit fünf anderen jungen Männern in der virtuellen Fußball-Welt. Denn wie einige andere Bundesligavereine hat sich auch der VfB Stuttgart ein eigenes eSports-Team zugelegt. Für die kommende Saison hat der Verein das Team nun um vier Spieler und das Youtuber-Duo Tisi Schubech erweitert. "Die Branche wandelt sich momentan brutal", erklärt Luginsland. Der E-Sport wachse enorm, was sich an steigenden Preisgeldern für Turnier-Sieger und wachsenden Zuschauerzahlen messen lässt. "Die WM wurde dieses Jahr schon im Fernsehen auf Sport1 übertragen", so der 22-Jährige, der aufgrund einer Behinderung im Rollstuhl sitzt.

Luginslands sportliche Anfänge liegen eigentlich im Handball. Vor seinem Studium in Public Management in Kehl am Rhein trainierte er die D-Jugendmannschaft des TSV Altensteigs. "Aber ich bin auch schon 14 Jahre lang Mitglied beim VfB Stuttgart", erklärt er. Auch die Fußballsimualtion Fifa habe er bereits als Kind gespielt. "Vor etwa vier Jahren habe ich dann angefangen kompetitiv zu spielen." Er nahm an mehreren Offline-Turnieren in der Region teil und stellte fest, dass er ziemlich gut mithalten konnte. "Es ist einfach schön, sich mit gleich guten oder sogar besseren Spielern messen zu können." Schließlich wurde ein Scout von der Agentur eSports Reputation auf den Altensteiger aufmerksam und vermittelte ihn diesen Sommer an den VfB.

eSports heißt beim VfB Stuttgart naheliegenderweise eFußball. Dabei treten normalerweise zwei Spieler mit ihren selbst zusammengestellten Mannschaften an der Spielekonsole Playstation in einer Fußballsimulation gegeneinander an. "Ähnlich wie beim Tennis gibt es das Jahr über verschiedene Turniere, für die man sich qualifizieren kann", erklärt Luginsland. Die Qualifikation wird meist von zuhause aus über das Internet gespielt. "Die richtig großen Turniere finden dann in London, Barcelona oder anderen Großstädten statt. Da ist dann auch Live-Publikum dabei."

Niklas Luginslands Saisonziel ist es, sich für die Endrunde der virtuellen Bundesliga zu qualifizieren und auch auf internationalem Terrain erste Erfahrungen zu sammeln. Hilfe bekommt er dabei vom erfahrenen Fifa-eSportler Erhan Kayman. Er ist der Koordinator für das VfB eSports-Team und steht den Spielern mit Tipps und Tricks zur Seite. "Aber am Ende machen die eigenen Fähigkeiten den Unterschied", sagt Luginsland alias nik_lugi. "Wir schauen da nicht nur zu", betont er. Dafür müsse man hohe Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit mitbringen. Bei Fifa entscheide oft der Bruchteil einer Sekunde über Sieg und Niederlage. "Wenn ich am Tag zuvor feiern würde, hätte ich keine Chance." Da müsse man mental voll da sein. Dafür trainiert nik_lugi täglich etwa eine Stunde. Am Wochenende oft deutlich mehr.

"Es ist mein Traum, für meinen Herzensverein zu spielen", sagt er. Trotzdem ist der eFußball für ihn erst mal nur eine "Nebenbeschäftigung mit Potenzial für mehr".

Im Februar wird er sein Bachelor-Studium beenden. Danach will er auch seinen Masterabschluss machen. "Aber bevor der neue Studiengang beginnt, habe ich ein halbes Jahr Zeit, mich voll auf den VfB zu konzentrieren." Dann werde man sehen, wie sich das Ganze entwickle.

Unter eSports versteht man den sportlichen Wettkampf zwischen Menschen mit Hilfe von Computerspielen. Bei den Spielen kann es sich wie bei Fifa um die Simulation von traditionellen Sportarten handeln. Beliebt sind aber auch Echtzeit-Strategiespiele und Ego-Shooter. Inzwischen setzen auch Bundesligavereine wie der VfB Stuttgart, der VfL Wolfsburg und Schalke 04 auf eSports. Der elektronische Sport ist bisher vor allem in Asien erfolgreich, aber auch in Europa auf dem Vormarsch.

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