Mit Volldampf gewannen "The Windwalkers" das Publikum für sich. Foto: Kosowska-Németh Foto: Schwarzwälder-Bote

"The Windwalkers" spielen im Bürgerhaus statt unter freiem Himmel / Stürmische Reaktion der Gäste

Von Maria Kosowska-Németh

Altensteig. Im amtlichen Prospekt stand es schwarz auf weiß: "Das Wetter kann diesem Konzert im Altensteiger Stadtgarten eigentlich nicht mehr im Wege stehen". Eigentlich. Und doch durchkreuzte wieder Mal die schlechte Witterung die Pläne des Altensteiger Kulturamt-Chefs und Konzert-Koordinators Christoph Oldenkotte. Statt wie vorgesehen unter freiem Himmel gab die Mannheimer Jazzband The Windwalkers ihr Konzert auf der Bürgerhaus-Bühne.

Die Band existiert seit gerade erst vier Jahren. Bis dato kann sie schon beachtliche Erfolge vorweisen. Im April dieses Jahres gewann sie das Jazzopen-Festival in Stuttgart. Bald darauf wurde sie zum besten Ensemble des 8. International Jazz Competition in Bukarest gekürt. Am 19. Juli wird sie als Vorband im Stuttgarter Konzert von Herbie Hancock und Wayne Shorter auftreten.

The Windwalker starteten in Altensteig mit Volldampf und im Nu annektierten sie das Publikum. Es war kein gefälliger soft-Jazz, sondern ein heißer Latino-Mix aus männlich-explosivem Temperament und sinnlicher Farbigkeit. Den Ton gab der Bandleader und Komponist Mario Maradei Gonzalez an. Mit unglaublich exakten und virtuosen Handschlägen baute er auf drei Congas (Fasstrommel) die rhythmisch funkelnden, sich manchmal überschneidenden Grundmodule für die fabelhaft gut aufeinander eingespielten Les Artmann (Piano), Franz Eichberger (Drums), Neophytos Stephanou (E-Bass), Mark König (Trompete) und Fabian Schöne (Saxofon). Die ausnahmslos ausgezeichneten Instrumentalisten wechselten fesselnd unmerklich den Musikcharakter von swingend tänzerischen Echos von Mittel- und Südamerika bis zu Kostproben des experimentellen Jazz.

Neben technischer Präzision und instinktiver Musikalität faszinierten The Windwalker durch ihre transparente und suggestive Klangklarheit. Abgesehen von stilistischen Abweichungen der Kompositionen von Justo Almario und Richard Bona spielten sie eigene Musik, welche meistens den Einfällen von Maradei entstammte oder aber sich aus kreativen Einschüssen aller Band-Mitglieder entwickelte. Diese Praxis resultierte in kompakten und kurzweiligen Kompositionen, deren spezifische Prägung die Jazzmänner mit großartigen Improvisationen vervollkommneten.

Die Reaktion der Konzertbesucher fiel einvernehmlich stürmisch aus. Leider war nach einer einzigen Zugabe das Jazz-Ereignis zu Ende und auch die üblichen "après concert" Gespräche mit den Künstlern dauerten diesmal kurz. An diesem Abend spielte nämlich Kolumbien gegen Uruguay und der Bandleader Maradei ist ein Kolumbianer. Seine Bemerkung, Altensteig sei der schönste Ort unter denen, wo die Band gespielt hatte, stand in keinem Zusammenhang mit der WM. Ehrlich.

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