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Altensteig (Württ.) Auf den Philippinen und in Nepal herrscht große Not

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Im Fokus der Hilfe steht auch die Bildung und Ausbildung der Kinder in Nepal, um ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Foto: JMS Foto: Schwarzwälder Bote

Mit der "Hilfe für Nepal" und "Christ for Asia International" engagiert sich JMS Altensteig in Nepal und auf den Philippinen für Kinder, insbesondere Waisen- und Straßenkinder. Während der vergangenen Monate wurden Hilfsprojekte gegen Hungersnot gestartet. Ein neues Kinderheim soll in Nepal entstehen, das durch Corona ebenso ausgebremst wurde wie die Fortführung eines Farmprojektes auf den Philippinen.

Altensteig. Im Jahr 2007 ging die Hilfe für Nepal mit dem Gründungsbesuch im zweit­ärmsten Land Asiens an den Start. Inzwischen werden auf diesem Weg durch JMS und Himalayan Gospel Church Kathmandu gemeinsam 90 Patenschaften betreut. Zu den Hauptverantwortlichen dieses Projektes zählt Stefan Siepenkothen, der von mittlerweile vier medizinischen Hilfseinsätzen mit Ärzten und Krankenschwestern in den letzten Jahren berichtete. Diese erstreckten sich auf unterschiedliche Regionen, von Dörfern im Süden Nepals bis zu den Bergdörfern im Himalaya. Im Fokus der Hilfe steht die Bildung und Ausbildung der Patenkinder, um ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Hierfür erhalten sie über Patenschaften monatliche Unterstützung für Kleidung, Bildung und Unterkunft, in Familien oder in mehreren Waisenhäusern. Bereits nach den ersten zehn Jahren der Hilfe für Nepal konnten die ersten Kinder in die berufliche Selbstständigkeit, beispielsweise als Krankenschwestern, Agrartechniker oder Taxifahrer entlassen werden und als junge Erwachsene ins Leben durchstarten.

Siepenkothen berichtete auch über die bereits bestehenden Waisenhäuser in Nepal, in denen 115 Kinder im Alter zwischen drei und achtzehn Jahren untergebracht werden konnten. Aktuell soll ein neues Kinderheim entstehen. Die ursprünglichen Pläne für einen Neubau auf einem Hanggrundstück mussten wegen erheblicher Baukosten verworfen werden. Deshalb entstand die neue Idee, ein gebrauchtes Gebäude zu kaufen und zu einem Kinderheim umzubauen. Allerdings wurden die Pläne durch die Corona-Pandemie unterbrochen und so muss der Umzug ins eigene Haus warten. Auch die Kinder, die weit außerhalb leben, können momentan nicht besucht werden. Das hat in der Vergangenheit ein Motorradfahrer übernommen. Hierfür sei man auf der Suche nach einer digitalen Lösung, sagte Siepenkothen.

Lockdown bedroht Millionen

Der strikte Lockdown, der in Nepal im März nicht zuletzt wegen des fragilen Gesundheitssystems verhängt worden war, entwickelte sich mit jedem Tag zur existenziellen Bedrohung für Millionen Menschen. Zehntausenden Familien fehlen zum Überleben insbesondere die Löhne der nepalesischen Arbeitsmigranten in Indien und Katar. Aus diesem Grund startete die Hilfe für Nepal das Hilfsprojekt Hungerhilfe 2020, bei dem die Partnerorganisation von Hilfe für Nepal, die Himalayan Mission aus Kathmandu Familien mit Care Paketen versorgte. Darin enthalten sind 30 Kilo Reis, zwei Kilo Linsen, ein Liter Öl, ein Kilo Salz und ein Hygienepaket mit Seife, Mundschutz und Desinfektion.

Seit Jahren gibt es in Nepal auch eine von der Hilfe für Nepal betriebene landwirtschaftlich Farm, auf der Schweine gezüchtet und Gemüse angebaut werden. Eine neue Idee, sei eine Kaffeeplantage, aber auch der Anbau von Zitronen, so Siepenkothen.

Nicht nur in Nepal betreibt JMS Hilfsprojekte, auch auf den Philippinen ist JMS sehr aktiv mit eigenen Vereinen als sogenannter Arbeitszweig. Harald Rauch stellte die dortige Arbeit vor, die im Jahr 1990 damit begann, dass er mit seiner Frau Regina erstmals auf die Philippinen reiste. Gemeinsam verbrachten sie 17 Jahre dort und kamen mit ihren zwei Kindern, die dort das Licht der Welt erblickten, zurück. In dieser Zeit wurde das Projekt "Christ for Asia International" gegründet, das inzwischen mit 58 hauptberuflichen Mitarbeitern tätig ist und seinen Schwerpunkt in die Arbeit mit Straßenkindern und deren Betreuung durch Streetworker und Versorgung mit warmen Mahlzeiten legt. Straßenkinder finden in Kinderheimen ein Zuhause, während die jungen Erwachsenen in Außenwohngruppen betreut werden. Eine Schule wurde gegründet.

Vor dem Ausbruch von Corona wurden täglich rund 1000 Essen an Straßenkinder verteilt. Diese Essenausgabe musste während des weltweit härtesten Lockdowns eingestellt werden. Die Armut ist seitdem noch größer, viele verloren ihre Arbeit. Stattdessen wurden 2000 Essenspakete an Familien verteilt, die fünf Personen für 14 Tage versorgen konnten.

Viele haben ihre Arbeit verloren

Rauch berichtete über ein aktuelles Projekt, den Aufbau einer Farm auf dem Land, im Norden der Insel Cebu, für das aktuell der Notartermin zum Kauf anstehe. Dort sollen zehn weitere Plätze für Straßenkinder aus der Stadt entstehen. Wohngemeinschaften sollen aufgebaut werden. Die Betreuung wird ein Hauseltern-Ehepaar übernehmen.

Bis zum 5. Oktober findet kein Schulunterricht auf den Philippinen statt. Online-Unterricht ist erlaubt, dieser muss jedoch erst aufgebaut werden. In den JMS-eigenen Schulen werden in kleinen Klassen mit maximal sechs Kindern schnelle Lernerfolge erzielt. Dort soll auch ab Oktober Online-Unterricht stattfinden und je Unterrichtsraum ein Laptop vorhanden sein. Hauseltern arbeiten als Lernhelfer und unterrichten zehn Klassen gleichzeitig. Rauch begründet das mit dem Weg aus der Armutsspirale durch Bildung mit zusätzlicher Charakterbildung und Vermittlung eines christlichen Weltbildes.

Im Nachgang zu dem Gespräch unser Zeitung mit Harald Rauch und Stefan Siepenkothen übersandte Manuel Stumpf von den Philippinen ein Audio über die aktuell vorherrschende Situation. Er sprach darüber, dass durch den Military Lockdown fast alle dort Lebenden ihren Job und damit ihr Einkommen verloren haben. Ein einmaliges Geldpaket deckte dabei nicht mal ein Monatsgehalt ab. Seit dem 1. September geht es langsam wieder aufwärts und allmählich sind 75 Prozent der Einrichtungen wieder offen. Der internationale Tourismus fehle, da es am Flugverkehr auf den Philippinen scheitert. Stumpf berichtete auch über die Versorgung von 2000 Familien mit Hilfspaketen für maximal drei Wochen. Zusätzlich gibt es sogenannte Auffang-Shelter in Basketballhallen. Dort werden die Menschen von privaten Organisationen und von JMS versorgt.

Inzwischen spricht man von etwa 20 neuen Corona-Fällen täglich, davor waren es bis zu 1000 am Tag. Schwierige Situationen herrschen in den Slums. Diese werden bei positiven Fällen komplett abgeriegelt und seitens der Regierung versorgt. Bis zu 100 Menschen hatten sich unter Brücken versteckt und dort gelebt, da sie in den Slums nicht mit Nahrung versorgt wurden.

Die Mitarbeiter von Christ for Asia International, wie Hauseltern und Krankenschwestern, wohnten vorübergehend in den Einrichtungen, da der Verkehr lahmgelegt war. Stumpf berichtete auch darüber, dass die Wiederaufnahme des Schulunterrichts alle vor große Herausforderungen stelle. Der Unterricht muss online stattfinden, trotz schlechtem Internet und häufigen Stromausfällen. Präsenzunterricht soll erst dann wieder stattfinden, wenn ein Impfstoff vorhanden ist. Die Not der Menschen ist sehr groß, auch in der Hotellerie werden die Mitarbeiter entlassen und suchen händeringend nach Jobs. Trotz allem, so Stumpf, seien die Menschen auf den Philippinen gut gelaunt und resilient.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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