Klaudia und Josef Nold haben vor 60 Jahren geheiratet.Foto: Köncke Foto: Schwarzwälder Bote

Diamantene Hochzeit: Klaudia und Josef Nold blicken auf 60 Ehejahre zurück

Altensteig. Standesamtlich geheiratet haben sie am 15. Juli 1961 in Kasachstan. Ihre diamantene Hochzeit feiern Klaudia und Josef Nold in Altensteig – aber nicht am heutigen Donnerstag, sondern erst am kommenden Sonntag. Dann sitzen die drei Kinder und ihr Anhang mit am Tisch in der Uhlandstraße 37. Anders als beim 50-jährigen Ehebestehen wird dieses Mal keine deutsch-russische Kapelle engagiert und auch keine Köchin für das Mittagessen im Bernecker Haus des Gastes – das Alter und die nachlassende Gesundheit fordern ihren Tribut. Auf das Zusammensein im Familienkreis freuen sich beide umso mehr.

Kennengelernt haben sie sich auf dem Tanzboden. "Als ich ihn gesehen habe, dachte ich: Was für ein schöner Mann", erinnert sich Klaudia Nold gerne an die Zeit zurück. Und Josef fand auch sie attraktiv Ein Jahr tauschten sie die Ringe – mit dem Versprechen, in Zukunft Freud und Leid zu teilen.

Klaudia Nold hat 1941 in der Ukraine das Licht der Welt erblickt. Aufgewachsen ist sie ohne den im Krieg gefallenen Vater. Mit 18 Jahren zog sie zu einer Bekannten nach Kasachstan, zwei Autostunden von der Hauptstadt Karaganda entfernt, und arbeitete als Zugschaffnerin. Nach der Hochzeit kümmerte sie sich um den Haushalt und die Erziehung der Kinder Ludmilla (59), Sergej (46) – die mit ihren Familien ebenfalls in Altensteig wohnen –- und Tatjana ((54), die mit ihrem Anhang in Loßburg lebt.

Josef Nold wurde 1941 in Blumenfeld unweit von Odessa (Ukraine ) als Nachkomme deutscher Vorfahren geboren. Als er dreieinhalb Jahre alt war, floh die Familie vor den heranrückenden russischen Truppen nach Kasachstan.

1990 stellte das Paar einen Ausreiseantrag nach Deutschland und verließ mit zwei Koffern das Land. Aufgegeben haben sie ein eigenes Haus, ein eigenes Auto und ihre Arbeitsstellen, er als Lastwagenfahrer, sie als Mitarbeiterin der Bahn. Ihr Ziel war der Kreis Calw, denn in Nagold wohnten Verwandte. Josef Nold wurde als Busfahrer der Firma Rübenacker in Altensteig eingestellt und arbeitete dort nicht nur bis zur Pensionierung mit 65 Jahren, sondern auf Wunsch der Betriebsinhaber zwei Jahre länger. Seine Frau legte die Hände ebenfalls nicht in den Schoß: Sie hatte mehrere Arbeitsstellen und setzte sich erst mit 60 Jahren zur Ruhe. 1995 ging ihr gemeinsamer Wunsch in Erfüllung: Sie erwarben in der Uhlandstraße eine Eigentumswohnung.

Seiner großen Leidenschaft, dem Reisen, kann das diamantene Hochzeitspaar wegen körperlicher Einschränkungen nicht mehr nachgehen. Die Tage sind ausgefüllt mit dem Lesen von Zeitungen und überwiegend medizinischem Büchern, der Erledigung von Einkäufen für den täglichen Bedarf, und am Abend schalten sie den Fernseher ein. Dankbar sind beide – "das muss unbedingt in der Zeitung stehen" –, ihren Lebensabend in Deutschland verbringen zu dürfen, in Altensteig eine neue Heimat gefunden zu haben "und dass wir, was unsere Gesundheit angeht, von der Hausärztin und dem Nagolder Krankenhaus sehr gut versorgt werden".