Die Boysen-Fertigung in Shenyang (China) wird bis zum Sommer um ein zweites Produktionswerk erweitert. Foto: Boysen

Lockdown kostet Unternehmen Millionen. Großprojekt für 2021 steht in den Startlöchern.

Während das Gros der Automobilzulieferer im Pandemie-Jahr 2020 Umsatzeinbrüche verkraften musste, hat der Abgastechnik-Spezialist Boysen mit Stammsitz in Altensteig (Kreis Calw) erneut zugelegt: Mit einem Umsatz von 2,4 Mrd. Euro (Vorjahr 2,15 Mrd.) wurde eine neue Rekordmarke gesetzt. Das gab Geschäftsführer Rolf Geisel am Freitag bekannt. Eine treibende Kraft war der chinesische Markt.

Altensteig - 400 neue Arbeitsplätze wurden 2020 geschaffen. Die Gesamtzahl stieg so erstmals auf mehr als 5000 Stellen. Allerdings habe auch Boysen das Krisenjahr 2020 nicht unbeschadet überstanden: "Alleine die Zeit von Mitte März bis Mitte Mai, in der der Großteil unserer Produktionsstätten im Zuge der ersten Lockdown-Welle geschlossen war, hat uns umsatzseitig rund 300 Mio. Euro gekostet." Beim Ergebnis, zu dem das Stiftungsunternehmen keine genauen Angaben macht, stehe circa ein Drittel weniger zu Buche als 2019.

Dass Boysen seinen Wachstumskurs trotz Covid-19 fortsetzen konnte, begründet sich laut Geisel vor allem in der Kundenstruktur: "Wir arbeiten ausschließlich für Premiumhersteller. Und Premium ist auch in Pandemie-Zeiten gefragt." So vor allem im wichtigsten und größten Automobilmarkt China. Nach vergleichsweise kurzen Lockdowns "erlebte der Absatz von Premiumfahrzeugen in China einen regelrechten Höhenflug". Aufgrund der weiteren Wachstumspotenziale im Reich der Mitte hat die Boysen-Gruppe im vergangenen August mit dem Bau eines weiteren Produktionswerks in Shenyang begonnen.

Kauf der Nagolder Firma helag-electronic erweitert Expertise

Laut Geisel ebenso forciert wurde der Ausbau neuer Geschäftsfelder. "Unser erster Automobilauftrag abseits des Verbrennungsmotors ist die Fertigung von Strukturbauteilen für E-Fahrzeuge, die im zurückliegenden Januar am Standort Simmersfeld (Kreis Calw) gestartet ist." Daneben hat die Boysen-Gruppe mit dem Kauf der Nagolder Firma helag-electronic ihre Expertise im Bereich der Steuerungs- und Sensortechnik ausgebaut. Erste Erfolge gebe es im Bereich Umwelttechnologien: "Über unsere Mehrheitsbeteiligung am Dortmunder Redox-Flow-Batteriehersteller Volterion läuft aktuell das erste Großprojekt mit einem deutschen Energieunternehmen."

Währenddessen steht das Großprojekt für 2021 schon in den Startlöchern: "Noch in diesem Jahr werden wir in Simmersfeld mit dem Bau eines Wasserstoffzentrums beginnen und rund 20 Mio. Euro investieren." Die Wasserstofftechnologie sei die einzig zukunftsfähige Antriebsform für schwere Nutzfahrzeuge. Ebenfalls erforscht werden soll in Simmersfeld die Nutzung von Wasserstoff zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen. Bei einem Durchbruch bringe man den Verbrennungsmotor vom Abstellgleis auf die Überholspur.

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