Der junge Mann hat in Königsfeld gearbeitet und in St. Georgen gelebt. Am Mittwoch ist er von der Polizei abgeholt worden, um ihn abzuschieben. (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Ein 27-jähriger Altenpflegehelfer aus dem Kosovo ist am Mittwochmorgen abgeschoben worden – ohne jede Ankündigung. Sein Arbeitgeber in Königsfeld zeigt sich entsetzt und verärgert.

Eigentlich wäre der 27-jährige Altenpflegehelfer am Mittwoch im ambulanten Dienst tätig gewesen – jetzt muss das Christoph-Blumhardt-Haus der Evangelischen Brüdergemeine Königsfeld ohne die wichtige Arbeitskraft aus dem Kosovo auskommen. Denn der junge Mann ist im Morgengrauen abgeschoben worden. Ohne Ankündigung.

 

Darüber informiert Heimleiter Tobias Weymann unsere Redaktion. Er zeigt sich entsetzt über das Vorgehen – denn dem 27-Jährigen wurde die Arbeit als Altenpflegehelfer erlaubt. Seinen Angaben zufolge hatte der Kosovare eine Duldung bis zum Bekanntwerden einer Abschiebepflicht. „Und bekanntgeworden ist das heute Morgen, als er von der Polizei abgeholt wurde“, so Weymann.

Im Morgengrauen, gegen kurz nach 5 Uhr, sei sein Mitarbeiter demnach aus dem Bett geklingelt worden. Fünf Beamte hätten ihn an seiner Wohnanschrift in St. Georgen aufgesucht und darüber informiert, dass er das Land unverzüglich verlassen muss. Trotz Ausbildung, trotz Arbeitsstelle. Aus dem Polizeigewahrsam habe der Mann dem Pflegedienstleiter Bescheid gegeben, dass er nicht zur Arbeit kommen könne.

Die Informationen, die dem Heimleiter vorliegen, sind nicht abschließend. Aber offenbar wurde der 27-Jährige nach Frankfurt gebracht. Vom dortigen Flughafen aus soll demnach eine Sammelrückführung in den Kosovo erfolgen.

Durch Anwerbungsprogramm in Region gekommen

Laut Weymann ist der Kosovare bereits seit einigen Jahren in Deutschland. Paradox: Seinen Informationen zufolge ist er im Rahmen eines Anwerbungsprogramms der Evangelischen Altenhilfe St. Georgen nach Deutschland geholt worden, um hier ausgebildet zu werden. „So werden wir das Pflegeproblem nie lösen“, zeigt sich Weymann über das Vorgehen der Behörden verärgert.

Doch wie kam es dazu? Recherchen unserer Redaktion zufolge soll der 27-Jährige vor rund sechs Jahren polizeilich in Erscheinung getreten und verurteilt worden sein – allerdings sei ein entsprechender Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis mittlerweile gelöscht worden. Um welche Straftat es sich handelt und ob diese frühere Straftat zur Abschiebung geführt hat, ist bislang unklar. Schwere Straftaten, insbesondere sexualbezogene Delikte, verschwinden jedoch nicht nach dieser kurzen Zeit aus dem Führungszeugnis.

Polizei bestätigt Abschiebung

Eine Anfrage zu den Hintergründen der Maßnahme beim Regierungspräsidium Karlsruhe, das federführend für Abschiebungen in Baden-Württemberg zuständig ist, ist noch nicht beantwortet worden. Vonseiten der Behörden bestätigt lediglich das Polizeipräsidium Konstanz auf Nachfrage, dass es am Mittwochmorgen zu der beschriebenen Abschiebung kam. „Die Person wurde an die Abschiebegruppe in Freiburg überstellt“, erklärt Polizeisprecher Daniel Brill.