Auf die Bewohner von Pflegeheimen kommen höhere Kosten zu. Das Bild zeigt das Horber Pflegeheim Ita von Toggenburg. Foto: Ganswind

Auch Pflegeeinrichtungen haben mit den Folgen hoher Energiekosten zu kämpfen. Vieles hängt an den Nachverhandlungen mit den Kostenträgern.

Horb/Empfingen - Hohe Lebensmittelkosten, steigende Spritpreise und wachsende Energiekosten stellen eine zunehmende Belastung für Pflegeeinrichtungen dar. Wie damit umgegangen werden soll und ob die Heime eine mögliche Entlastung durch höhere Pflegesätze erwartet, ist noch unklar.

In der Fachzeitschrift "Altenheim" für Träger, Heimleitungen und leitende Mitarbeiter wird klargestellt: Die Träger von Pflegeeinrichtungen dürfen als Endkunden von Gasversorgen die Kosten der Gas-Umlage an die von ihnen versorgten Pflegebedürftigen weitergeben. Auch die Mehrkosten, beispielsweise für Lebensmittel, könnten Pflegeheime im Endeffekt an die Bewohner weitergeben.

Pflegesätze wurden bereits im November 2021 festgelegt

Allerdings ist das keine Sofortlösung. Denn die Pflegesätze sind bereits für einen bestimmten Zeitraum ausgehandelt. "Problematisch ist vor allem, dass die Vertragsverhandlungen über die Pflegesätze für das laufende Jahr bereits im November 2021 stattgefunden haben", erklärt Thomas Müller von der Katholischen Spitalstiftung Horb. Die Kosten für die Pflege und Betreuung sowie sämtliche Nebenkosten werden vom Pflegeunternehmen zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses vorausschauend verhandelt.

Pflegeheime bleiben auf Mehrkosten vorerst sitzen

Mögliche Mehrkosten, die im Laufe der Vertragszeit aufkommen, können nicht an die Bewohner weitergegeben werden, sondern bleiben bei den Einrichtungen hängen. Diesen Aspekt würden Pflegeheime bereits jetzt deutlich zu spüren bekommen, so Müller. Auch Andreas Wedeking, Geschäftsführer des Verbandes katholischer Altenhilfe in Deutschland, bestätigt diese Aussage in "Altenheim": Die Preissteigungen müssten zunächst von den Einrichtungen selbst finanziert werden und könnten erst in der nächsten Pflegesatzverhandlung mit den Kostenträgern berücksichtigt werden, beispielsweise in Form höherer Pflegesätze. "Bis wir ein OK für einen höheren Pflegesatz bekommen, hängen die Heimleitungen in der Luft", fasst Monika Obstfelder, Betreiberin der Pflegegemeinschaft Rosengarten in Empfingen, zusammen.

Neue Bewohner müssen mit höheren Kosten rechnen

Vor allem Neuzugänge im Pflegeheim haben mit einem erheblichen Kostenanstieg zu rechnen. Besonders dramatisch sei dies für Betroffene, die keine Ersparnisse hätten und durch einen Sturz oder eine Erkrankung ungeplant ins Heim gehen müssten. "Dieses Problem der allgemeinen Vorsorgenot hatten wir aber schon die ganze Zeit", betont Monika Obstfelder.

Steigende Benzinpreise treffen ambulante Pflege

Auch die steigenden Benzinpreise stellen besonders für die ambulante Pflege eine Gefährdung dar. Schon jetzt werden längere Touren über die Dörfer von privaten Pflegeanbietern nicht mehr angefahren. Bereits im April drängte Bernd Meurer, Vorsitzender des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), in der Fachzeitschrift "Altenheim" darauf, dass Pflegeunternehmen schnell mit den Kostenträgern in Nachverhandlungen treten sollten, um die zusätzlich entstandenen Kosten in den Vergütungsvereinbarungen berücksichtigen zu können.

Neue Verhandlungen sind jedoch erst wieder in zwei Monaten möglich. "Bisher sind die laufenden Kosten nicht refinanziert und müssen von den Einrichtungen selbst getragen werden", erklärt Thomas Müller. Inwiefern die Preissteigerungen von 30 bis 35 Prozent anerkannt werden und in den Pflegesatzverhandlungen von der Behörde berücksichtigt werden, ist noch offen. Wenn der Bund sich dazu entschließen sollte, wie zu Coronazeiten ein Unterstützungsgeld zu zahlen, sei das gut. "Man wird sehen, was kommt."