Drei 100. Geburtstage stehen im Pflegeheim St. Michael an. Die Freundinnen geben Tipps für die jüngeren Generationen.
300 Jahre Lebenserfahrung an einem Platz in Donaueschingen vereint? Ja, das gibt es. Und die drei Damen, um die es sich handelt, kennen sich recht gut. Auf die Frage wie man 100 Jahre alt wird, antworten sie unisono: „Man muss nur nicht sterben.“ Und daran halten sich die Jubilarinnen Olga Wetzel, Rosa Rusch und Waltraud König bis heute. Jede von ihnen wird in diesem Jahr 100 Jahre alt.
Gemeinsam verkörpern sie ein großes Stück Stadtgeschichte. Zur Schule gingen sie in die Volksschule, der Vorläuferin der Heinrich-Feurstein-Schule. Die meisten Namen der Lehrer sind ihnen noch geläufig. Nach der Volksschulzeit folgten weiterführende Schulen, beispielsweise die höhere Handelsschule, oder der direkte Weg in die Ausbildung.
Die Sekretärin im Rathaus Olga Wetzel ist in Donaueschingen bekannt als Sekretärin der Bürgermeister im Rathaus, sieben Bürgermeister hat sie betreut, bis sie nach 42 Jahren in der Ära von Bernhard Everke in den Ruhestand ging. Ihren Anteil am Vereinsleben hatte sie im Kirchenchor St. Johann, was ihr „viel Freude über all die Jahre gebracht hat“.
Die Närrische von der Post Rosa Rusch verbrachte ihre Berufsjahre bei der Post in Donaueschingen, nachdem sie bei Kriegsende vom Osteinsatz in der Landwirtschaft bei Posen zurückgekommen war. In Donaueschingen war sie in ihrer Freizeit immer aktiv in der Narrenzunft Frohsinn und verfolgt noch heute die närrischen Aktivitäten. Beide waren nie verheiratet. Dazu sagt Olga Wetzel: „Der Markt war damals leer, viele Männer waren im Krieg gefallen oder noch nicht aus der Gefangenschaft zurück. So hat es sich nicht ergeben.“
Die reiselustige Pilotin Waltraud Köhler war indes verheiratet und mit ihrem Mann, der Berufspilot war, viel auf Reisen: „Von Oslo im Norden bis Agadir im Süden waren wir immer wieder für längere Aufenthaltsphasen unterwegs.“ Sie selbst hat den Segelflugschein gemacht und war viele Jahre im Donaueschinger Segelflugverein aktives Mitglied. „Wenn wir uns in St. Michael treffen, haben wir fast jeden Tag ein Klassentreffen“, sagt Rosa Rusch schmunzelnd, „und erinnern uns noch an viele Anekdoten.“
Episode aus dem Freibad Etwa als das Parkschwimmbad in Betrieb genommen wurde: Es war ein beliebter Treff für die Donaueschinger. Die Fürstenfamilie habe das Angebot auch genutzt. Olga Wetzel erinnert sich noch, dass dann die Bademeisterin Frau Herrmann laut rief: „Usi mit dem Lumpezig, dä Fürst kunnt“ – und die Badenden machten das Becken frei.
Da die drei Jubilarinnen keine Kinder haben, werden sie von ihren ebenfalls betagten Nichten oder Neffen besucht. Rusch hat noch einen 96-jährigen Bruder, „der sich um meine bürokratischen Angelegenheiten kümmert“. Wichtige Einschnitte in ihrem Leben waren die Kriegszeit und die Aufbauzeit und die Corona-Pandemie: „Und ich fürchte, da kommt wieder etwas“, so König. „Und ich wünsche allen, dass wir besser damit umgehen.“
Das Zeitgeschehen nehmen sie durch die tägliche Zeitungslektüre oder im Fernsehen wahr. „Wenn ich in der Zeitung hinten ankomme, weiß ich nicht mehr, was am Anfang war, aber dafür funktioniert das Langzeitgedächtnis bestens“, sagt König lachend.
Nicht besser, anders eben Ihre Tage in St. Michael verbringen sie entweder in Gemeinschaft, mit Besuchern oder allein. Rosa Rusch hat für sich ein Gymnastik- und Bewegungsprogramm zusammengestellt, das sie täglich absolviert. „Man kann nicht sagen, ob früher alles besser war, es waren andere Zeiten“, stellt Olga Wetzel klar. „Wir hatten viel mehr Aufwand im Haushalt, beispielsweise Waschen ohne Maschine, Kohlenöfen und anderes, aber es war alles viel ruhiger, übersichtlicher und entspannter als heute“, sagt Waltraud König. „Als Kinder war die Straße unser Spielplatz, den wir alle ausgiebig und kreativ genutzt haben“, meint Rosa Rusch. Aus ihren Lebenserfahrungen würden sie nachfolgenden Generationen empfehlen: „Bescheiden und sparsam zu sein. Man muss nicht immer alles haben und nicht alles wegwerfen. Viele haben mehr, als man tatsächlich braucht“, sind sich die Drei sicher.
Der Neubau
Erweiterung des Altenheims St. Michael
Wo in Donaueschingen einst die Lagerhalle der ED Netze stand, wird neu gebaut. Auf dem Gelände in der Prinz-Fritzi-Allee entsteht ein neues Pflegeheim, eine Erweiterung des Altenheims St. Michael. Etwa 100 Pflegeplätze sollen dort entstehen, in die ein Teil der Bewohner aus dem alten Gebäudes umziehen sollen. Gebaut wird das neue Gebäude von ED Netze. Die Kosten belaufen sich auf rund 18 Millionen Euro. Fertiggestellt werden soll das Projekt im Herbst 2025. Nötig wurde der Bau aufgrund der Landesheimbauverordnung, die in Altenheimen nur Einzelzimmer vorsieht. In St. Michael gibt es noch 49 Doppelzimmer. Sobald die Bewohner in den Neubau umgezogen sind, soll der Altbau von St. Michael bis 2028 modernisiert werden.