Die Alte Synagoge ist immer wieder Schauplatz hochklassiger Konzerte. Bei der bislang letzten Auflage des Klang-Labor-Festivals gab es großen Applaus für die Musiker Guy Braunstein, Adrien La Marca, Zvi Plesser und Rahel Rilling. Foto: Julia Kaiser

Das neue Halbjahresprogramm der Alten Synagoge Hechingen ist erschienen. Es bietet wieder zahlreiche spannende Veranstaltungen zur jüdischen Kultur.

Die erste Veranstaltung des neuen Jahres hat die Alte Synagoge schon hinter sich. Am 11. Januar gab das Hamburger Frielinghaus Ensemble ein temperamentvolles Neujahrskonzert. Der erste Vortragsabend lässt ebenfalls nicht mehr lange auf sich warten. An diesem Donnerstag, 22. Januar, um 20 Uhr geht die Reihe „Lachen erlaubt? Humor in den Religionen“ weiter.

 

Im dritten Teil spricht der renommierte katholische Theologe Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel aus Tübingen über die Rolle des Humors im Christentum. Unter dem Titel „Gefährliches Lachen – Zur Anthropologie und Theologie des Lachens in unseren Zeiten“ wird Kuschel der Frage nachgehen, warum das Lachen in religiösen Traditionen lange Zeit als gefährlich, unpassend oder gar sündhaft galt – und welche befreiende Kraft gerade heute in einem gelingenden, verantwortlichen Lachen liegen kann.

Gedenken an den Holocaust

Zum Holocaust-Gedenktag am Dienstag, 27. Januar, liest Rudolf Guckelsberger um 19 Uhr aus Werken von Primo Levi, der als einer der bedeutendsten italienischen Autoren des 20. Jahrhunderts gilt. 1919 in Turin geboren, wurde Levi im Februar 1944 nach Auschwitz deportiert. Dank eines glücklichen Zufalls überlebte er das Vernichtungslager der Nazis und begann gleich nach seiner Befreiung, seine Erinnerungen schriftlich festzuhalten. Der so entstandene Bericht, 1947 unter dem Titel „Ist das ein Mensch?“ erschienen, gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen deren, die aus der Hölle namens Auschwitz zurückgekehrt sind.

Eine Führung durch die Alte Synagoge in der Goldschmiedstraße, in der auch die knapp 500-jährige Geschichte von Ausgrenzung und Anpassung, Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Hechingens beleuchtet wird, gibt es am Sonntag, 1. März, um 15 Uhr mit der Bildungsreferentin Ulrike Stoll-Dyma.​

Musikalisch geht es am Sonntag, 7. März, um 19 Uhr weiter. Am Vorabend der Landtags- und Bürgermeisterwahl steht ein Konzert mit Alona Negrich (Piano und Gesang) und Arno Haas (Saxophon) auf dem Synagogenprogramm. Die beiden Musiker spielen eine Mischung aus jazzig-souligen Kompositionen mit bluesigen Einflüssen. Wer den Stil von Nina Simone, Diana Krall oder Corinne Bailey Rae mag, liegt hier genau richtig.​

Heikles Geschichtskapitel

Erinnerungsarbeit an die Zeit des Nationalsozialismus wird am Donnerstag, 26. März, geleistet. Der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf von der Uni Münster referiert ab 19 Uhr über jüdische Bittschreiben an den Vatikan, geschrieben während der Zeit des NS-Terrorregimes. Titel: „Erhören Sie, Eure Heiligkeit, den verzweifelten Aufschrei“. Es ist ein neuer Zugang zu einem der umstrittensten Kapitel der Geschichte der katholischen Kirche. Wolf ruft Tausende Briefe jüdischer Männer, Frauen und Familien an Papst Pius XII. und den Vatikan in Erinnerung. Die Briefeschreiber baten um Schutz, um Unterstützung oder um ein Zeichen des Beistandes.

Jahrzehntelang blieben diese Schreiben unter Verschluss, verborgen in den geheimen Archiven des Vatikans. Erst mit der Öffnung der vatikanischen Bestände zu Papst Pius XII. im März 2020 wurde der Blick frei auf ein bisher unbekanntes Kapitel der Geschichte. Hubert Wolf und sein Team haben zahlreiche dieser bewegenden Briefe erforscht. Die Analyse erlaubt einen neuen Blick auf die Rolle des Vatikans während der Shoah: Was hat der Papst zur Unterstützung der Juden getan? Was hat er unterlassen?​

„In der Stille“ ist ein Konzert mit Saar Berger (Horn) und Ye Ram Kim (Klavier) überschrieben, das am Sonntag, 19. April, um 18 Uhr zum musikalischen Erleben von Klang und Raum und zu innerer Sammlung einlädt. Werke für Horn und Klavier stehen neben Stücken für Horn allein, in denen der Raum der Alten Synagoge selbst zum musikalischen Gegenüber wird.​

Klang-Labor-Motto „Luft!“

Eine ganze Fülle von Klängen wird vom Donnerstag, 8., bis zum Sonntag, 10. Mai, in die Alte Synagoge getragen, wenn das 13. Internationale Klang-Labor-Festival unter dem Motto „Luft!“ über die Bühne geht.​

Im Mittelpunkt des Programms stehen Werke für Blasinstrumente großer Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Johann Sebastian Bach. Auch Vokalwerke sowie die Königin der Instrumente, die Orgel, dürfen nicht fehlen, wenn es um die Luft, das unsichtbare Medium der Klänge, die Trägerin von Schallwellen, geht. Unter den internationalen Akteuren sind die Flötistin Gili Schwarzmann, der australische Oboist Nick Deutsch und der Fagottist Mor Biron.​

Das Erbe der jiddischen Kultur

Was haben die Worte „Schlamassel“, „zocken“, „Tacheles“ und „Schmutz“ gemeinsam? Sie werden im Alltag immer wieder benutzt, und es sind jiddische Worte. Auf die Spuren der jiddischen Kultur macht sie die Veranstaltung „Mosaiken – Klangbilder jiddischer Musik“ am Sonntag, 17. Mai, um 17 Uhr. Das Bild einer vergessenen Welt soll dabei Stück für Stück zusammengesetzt werden. Die Konzertgänger lernen jiddische Lieder kennen – von Tango bis Romanze, vom Wiegen- bis zum Hochzeitslied – und erfahren, wie das jiddische Erbe im Alltag weiterlebt.

Der Tora-Lernkreis beschäftigt sich mit der Lektüre und Auslegung der jeweiligen Wochenabschnitte der Tora, die am jeweils folgenden Schabbat in den Synagogen gelesen werden. Die Termine sind immer donnerstags von 18.30 bis 22 Uhr – und zwar am 22. Januar, am 19. Februar, am 19. März, am 18. Juni und am 29. September.