Gerngesehene Gäste in Nagold: Ernst Mantel und Werner Koczwara (links). Foto: Walter Fingerhut

Da waren sie wieder: Ernst Mantel und Werner Koczwara und zwar richtig gut. Als „Lachwerk Süd“ beendeten sie die diesjährige Saison von „Nagold Alive“ im Hof der Alten Seminarturnhalle.

Der etwas sperrige Name „Vereinigtes Lachwerk Süd“ wurde 2011 gewählt, weil man vorhatte, in einer größeren Gruppe zu spielen – ein vereinigtes Lachwerk eben! Das ließ sich nicht durchführen – die Termine für sieben Leute waren nicht zu organisieren. So blieben sie zu zweit, Mantel und Koczwara, und die Zuschauer im Posthof haben nichts vermisst.

Im Gegenteil, den Zuschauern war etwas zuviel, Regen nämlich. Der Posthof war gut gefüllt, die Stimmung gut und das Lachwerk Süd brillant. Das Seminarturnhallen-Team hatte fleißig den Nachmittagsregenguss von Tischen und Stühlen gewischt.

Von Beginn an spürte man den Spaß, den die beiden bei ihrer Darbietung auch noch nach zwölf Jahren haben. 80 Jahre Bühnenerfahrung (zusammengezählt) bringen genügend Leichtigkeit und Sicherheit im gemeinsamen Spiel. Filigraner Wortwitz und fetzige Musik erfreuten das Publikum. Die Mischung war gut gewählt, mal jeder allein, dann wieder zusammen, warfen sie sich gegenseitig die Bälle zu.

Mischung ist gut gewählt

Die schwäbische Seele wird betextet und besungen, kommen doch beide Entertainer von der Alb. Von bitterer Armut berichtet Koczwara. Alles war so sparsam und streng, dass die Kinder aus dem gut katholischen Elternhaus fast dachten, sie seien evangelisch.

Dass der Schwabe auch modern kann, hörte man von Mantel in einem Business-Telefongespräch, gespickt mit herrlichen Anglizismen. Unter anderem hat seine Tochter im Breuniger-Basement in der Beachware gestöbert.

Alles einfach „Scheißabach“.

Ganz schlimm geht’s zu, wenn man aus dem Ort „Scheißabach“ kommt. Der Bernd ist so ein Armer, dem alles misslingt: Von der Suche nach der Frau, von dem billigen Zahnersatz aus Rumänien bis zum Uhrenplagiat, das er glücklicherweise für einen 50iger wieder los wird. Später erfährt er aber, dass es doch eine Rolex war – alles einfach „Scheißabach“.

Als dann der „Schwarzwurstring, was bist du für ein Lieblingsding“ besungen wird, fing das Publikum an, mitzuklatschen. Wortwitz und musikalische Qualität hielten sich durchaus die Waage und machten richtig Spaß.

Nach der Pause machte der Regen manchmal etwas Ärger, aber das Publikum hielt aus und ging mit. Lebensweisheiten waren in fetzige Lieder mit Augenzwinkern gekleidet: Wenn man zum Beispiel von Stuttgart nach Frankfurt fährt und jedes Mal eine halbe Stunde länger braucht, ist der Beweis erbracht: Das Universum dehnt sich aus.

“Fever“ ist einer der sehr häufig gecoverten Songs von 1956. Was die beiden mit “Biber“ daraus machten, darf als ein Höhepunkt betrachtet werden. Da das Ordnungsamt verbietet, Bäume zu fällen, wünschen sie sich “Biber mit ’nem Mordsgebiss“ und großem Appetit auf Bäume.

Großer Lacherfolg

In einem anderen Song wird behauptet, dass es einem bei Horrorfilmen mit meterhohen Blutspritzern nicht wirklich gruselt. Dagegen läuft es einem eiskalt den Rücken herunter, wenn man einmal den Seitenbacher-Reklame-Horror im Radio hört. Der „Herr Seitenbacher gehört hinter Schloss und Müsliriegel“! Großer Lacherfolg beim Publikum.

Erneut einsetzender Regen weckte das Mitgefühl der Barden. Das Angebot, die Vorstellung abzubrechen wurde jedoch lauthals abgelehnt, aber es ging direkt in die Zugaben über. Der Regen wurde heftiger und führte zur charmant gesungenen Bitte, das Publikum möge jetzt abhauen und sich von hinten zeigen. So fiel der verdiente Applaus ein bisschen hastig aber doch herzlich und laut aus.

Das Mitgefühl war bei den armen Leuten der Seminarturnhalle, die jetzt noch alles bei dem strömenden Regen aufräumen mussten.