Open-Air-Stimmung im Hof der Seminarturnhalle. Foto: Fritsch

Corona-Fördermittel, die nicht fließen? Oder deren Beantragung zu kompliziert ist? Der Förderverein der Alten Seminarturnhalle hat da etwas ganz anderes erlebt – und kommt in den Genuss von 100.000 Euro an Bundes-Fördermitteln. Damit kann man sich in Nagold nun den lang gehegten Wunsch von der eigenen Außenbühne verwirklichen.

Nagold - Wolfgang Schäfer, erster Vorsitzender des Fördervereins der Alten Seminarturnhalle, hatte gerade erst die nächste Vorstandssitzung abgesagt. Der Grund: Man hatte eigentlich keine neuen Themen zu besprechen. Dann kam die Zusage des Bundes, dass man die beantragte Schaffung einer eigenen Außenbühne mit 100.000 Euro bezuschussen würde.

 

Und flugs berief Schäfer die gerade erst abgesagte Sitzung für den nächsten Tag wieder ein. Schließlich galt es, so schnell wie möglich den offiziellen Beschluss für die Bühnen-Anschaffung zu fassen – und sich somit den großzügigen Zuschuss von 100.000 Euro zu sichern.

"Projekt Neustart" nennt sich das Förderprogramm des Bundes. Und ein Neustart ist es ja quasi auch, den die Alte Seminarturnhalle wegen der Einschränkungen der Corona-Pandemie abermals hinlegen musste. Mit dem Open-Air-Format "Nagold (A)live" ging man nach dem Abflauen der dritten Corona-Welle an den Start. Seitdem wird eine gemietete Außenbühne im Hof der Seminarturnhalle am Wochenende mit Kleinkunst und Live-Musik bespielt. 24 Veranstaltungen sind den ganzen Sommer über auf dem Hof geplant – etwa die Hälfte davon ist bereits vorbei. Dabei hat die Alte Seminarturnhalle mit dem Teufelwerk und der Stadt Nagold weitere Partner mit im Veranstaltungsboot sitzen, doch die meisten Auftritte werden von dem Förderverein selbst gestemmt.

Rund 2,5 Milliarden Euro umfasste die Aufstockung des Fördertopfs von "Neustart". Und mit 100.000 Euro ist es dem Nagolder Förderverein gelungen, sich den Maximalzuschuss zu sichern. Dabei ist klar, dass auch am Verein selbst noch Kosten hängenbleiben werden. Mindestens zehn Prozent der Summe muss selbst finanziert werden, besagt das Förderprogramm. Im Falle der Nagolder Seminarturnhalle geht man von Netto-Kosten von rund 128.000 Euro für die Außenbühne aus. 28.000 Euro also muss der Förderverein noch selbst stemmen.

"Das ist unsere Chance"

"Das ist unsere Chance", freut sich Wolfgang Schäfer über den Zuschuss. Man muss wissen: Open-Air-Aktivitäten liegen dem Vereinsvorsitzenden schon länger am Herzen – so auch das Festival "Nagold Double Stage", das ja bereits vor Corona auch über die Außenbühne ging. Mit "Nagold (A)live" zeigte man bereits im vergangenen Jahr, dass die Semihalle auch Open Air kann. Und in diesem Jahr wird das noch viel deutlicher. Und so sehen Schäfer und seine Mitstreiter in dem Zuschuss natürlich die Chance, auch nach der Corona-Zeit die sommerliche Veranstaltungslücke in Nagold zu schließen. Die Pläne dazu klingen durchaus ausgereift: Künftig will man das Regulärprogramm bis 31. Mai fahren. Von Juni bis September steht dann "Nagold (A)live" an – mit mindestens einer Veranstaltung pro Wochenende, mitunter aber auch mehr.

Dabei bekommt die rund 80 Quadratmeter große eigene Bühne eine Komplettausstattung – auch technisch mit Beleuchtung und Beschallung. Der Riesenvorteil: Um den Außenbereich bespielen zu können, wird kein Equipment aus der Halle benötigt. Das hat auch für die Besucher Vorteile: Sollte das Wetter zu schlecht sein, kann man den Auftritt vergleichsweise kurzfristig in die Halle verlegen.

Klar ist aber auch: Mit einer eigenen Außenbühne könnte die Semihalle in den Sommermonaten in neue Zuschauer-Dimensionen vorstoßen. Schließlich hat die Halle nur begrenzte Kapazitäten – das ist auch der Grund, warum man manche Künstler nicht (mehr) nach Nagold locken konnte. Im Hof der Alten Seminarturnhalle stehen deutlich erweiterte Kapazitäten zur Verfügung. 400 vereinseigene Klappstühle hat man sich erst neulich zugelegt. Schäfer kann sich ohne Corona-Beschränkungen Veranstaltungen vor 1000 Besuchern im Hof der Alten Seminarturnhalle vorstellen.

All das wäre ohne den Bundeszuschuss nicht möglich – da ist Wolfgang Schäfer überzeugt. Der Verein hätte so eine Summe nicht stemmen können, und eine Außenbühne mitsamt Equipment über einen solch langen Zeitraum zu mieten, sei unglaublich teuer. "Und der Hof ist ideal", sagt auch Fred Heldmaier, der Vorsitzende des Programmausschusses beim Förderverein. "Total happy" seien die Besucher, mit denen er bisher bei den Open-Air-Veranstaltungen über das Ambiente des Innenhofs ins Gespräch kam.

Ein Punkt ist Wolfgang Schäfer wichtig: Die eigene Außenbühne mit ihren rund 80 Quadratmetern kann auch von anderen genutzt werden – im Hof, oder auch an anderer Stelle. Schließlich handelt es sich wie bei der jetzigen gemieteten Bühne um transportable Einzelelemente.

Info: "Nagold (A)live"

Zufrieden ist man beim Förderverein der Alten Seminarturnhalle bis jetzt mit dem Verlauf von "Nagold (A)live". Auf rund 1000 Besucher kam man zum Beispiel bei dem dreitägigen Festival "Nagold Double Stage". Alleine die Band Ambience hat dabei 200 zahlende Gäste angezogen. Bereits aus dem vergangenen Sommer weiß man, dass die Zahlen zunächst hinter dem zurückblieben, was man eigentlich hätte erwarten können. "Die Leute müssen sich erst wieder daran gewöhnen, dass etwas läuft", weiß Schäfer zu berichten. Und natürlich gebe es auch bei vielen potenziellen Besuchern wegen der Angst vor einer Corona-Infektion eine gewisse Zurückhaltung. Der dritte Punkt ist schließlich das durchwachsene Wetter.

Als "ganz passabel", bezeichnet Programmchef Fred Heldmaier die bisherigen Besucherzahlen. Und Wolfgang Schäfer ist überzeugt: "Die Bedenken werden mit der Zeit in den Hintergrund treten. Davon bin ich überzeugt. Das Programm ist so gut..."

So wurde "Nagold (A)live" auch um weitere fünf Veranstaltungen gegenüber dem ersten Flyer ausgebaut. Aktuell stehen noch folgende Veranstaltungen im Hof der Alten Seminarturnhalle an: Juli: 16.: Comedy mit Mundstuhl, 17.: Alex Auer & The Detroit Blackbirds (Rock), 23.: Folk mit Colludie Stone, 24.: Luise Kinnseher (Kabarett), 30.: Quichotte (Comedy).

n August: 1.: Kindertheater mit "Meister Eder und sein Pumuckl" (15 Uhr), 6.: Witz vom Olli, 7. : Cafe del Mundo (Gitarren-Musik), 8.: Comedy mit Christoph Sonntag, 13.: Florian Schröder (Kabarett), 14.: Dicke Fische (Rock/Pop), 15.: Meisterkurskonzert der Sommermusik (19 Uhr/Klassik), 20.: Comedy mit Dui do on de Sell, 27.: Sebastian Lehmann (Comedy).