Faszinierende Postkarten aus Bräunlingens Geschichte gehören zu den Schätzen von Johannes Moser. Er sammelt historische Karten mit Ansichten seiner Heimatstadt. Die meisten davon wurden um das Jahr 1900 hergestellt.
Bräunlingen - Johannes Moser hat ein besonders Hobby: Er sammelt alte Postkarten über Bräunlingen. Die sind zum Teil weit über 100 Jahre alt. Inzwischen hat Moser eine umfangreiche Sammlung beisammen, die er noch durch alte Bilder über die Bräunlinger Stadtteile erweitert hat. Nicht nur die Fotos auf der Vorderseite, auch die Informationen und Hinweise auf den Rückseiten sind oft sehr interessant. Die ältesten Karten seiner Sammlung reichen bis vor die Jahrhundertwende um 1900. Alle Karten können viel über ihre Entstehungszeit erzählen. Manche entstammen der Feldpost aus den beiden Weltkriegen.
Viele junge Leute interessieren sich für die alten Bilder
"Mich hat bei meiner Sammelleidenschaft auch gewundert, dass sich viele junge Leute für die alten Bilder ihrer Heimatstadt interessieren. Sie schauen genau darauf, wie zum Beispiel das Haus ihrer Großeltern früher ausgesehen hat, wann es gebaut worden ist und vor allem, wie sich das Umfeld der Bebauung mit den Jahrzehnten verändert hat", erzählt Moser. Man könne also nicht sagen, die jungen Leute interessierten sich nicht für die Baugeschichte ihrer Heimatstadt. In der zurückliegenden Zeit habe er etliche Anfragen wegen seiner historischen Postkarten erhalten, wobei es meist um Feldpostkarten aus der Kriegszeit ging.
Inhaber wollten die seltenen Stücke nicht verkaufen
"Doch mein Hobbyhauptziel ist schon seit vielen Jahren, Postkarten über meine Heimatstadt zu sammeln. Inzwischen bekomme ich den Eindruck, dass es immer weniger alte Postkarten von Bräunlingen und auch den Stadtteilen gibt", so Moser. Er sei jedoch überzeugt, dass in vielen Häusern von Bräunlingen und der Umgebung ältere Postkarten und Bilder in den Schubladen schlummern, wovon die Besitzer oft nichts wissen. "Etliche Postkarten wurden mir gezeigt, doch die Inhaber wollten die seltenen Stücke nicht verkaufen, sondern in eigenem Besitz behalten." Er sei dann schon froh, wenn sie es ihm gestatteten würden, die alten Dokumente zu scannen oder zu fotografieren, damit er sie in seine Sammlung zumindest als Kopie aufnehmen kann.
Oft sei auf den alten Postkarten kein Datum zu erkennen, und auch der Poststempel sei nicht immer lesbar. Doch aufgrund der Kernstadtbebauung und den auf den Karten noch fehlenden Gebäuden kann Moser das Druckdatum der Karten eingrenzen. Auch die Straßenbeschaffenheit, die Standorte der Bräunlinger Brunnen, der sich immer wieder verändert haben, oder auch Rückfragen bei älteren Bräunlingern helfen ihm dabei, den Entstehungszeitpunkt der meist in schwarz-weiß gedruckten Postkarten zu bestimmen.
Stets auf der Suche nach neuen historischen Exemplaren
Ab und zu bekomme er auch Farbpostkarten, die damals sehr teuer waren. Auch nachgefärbte Karten, was mit der heutigen Technik gut möglich ist, werden immer wieder angeboten. Moser ist stets auf der Suche nach neuen historischen Exemplaren. Fündig wird er immer wieder auf Flohmärkten, Ausstellungen und Auktionen. Schon seit seiner Jugend interessiert ihn die bautechnische Geschichte seiner Heimatstadt. Den Impuls zum Sammeln erhielt er durch den zufälligen Fund einer alten Bilderkiste seiner Eltern, in der viele Aufnahmen von Bräunlingen aus früherer Zeit lagen. "Das hat mich motiviert, alte Postkarten zu sammeln, was bis heute noch in mir drinsteckt", erzählt Moser.
Info: Grußbotschaften
Vor 152 Jahren wurde sie erfunden: die Postkarte. Sie ist für Historiker immer wieder von Interesse, denn sowohl die Abbildungen als auch die geschriebenen Texte vermitteln Eindrücke ihrer Zeit, oft sehr persönliche. "Die Entwicklung dieser besonderen Grußbotschaft ist ein Spiegel der Kulturgeschichte", schreiben etwa die Autorinnen Birgit Staack und Franziska Schüßler auf der Internetseite der Stiftung Historische Museen Hamburg. "Nach einigen Vorläufern wurde die Postkarte (zunächst Correspondenzkarte genannt) 1869 in Österreich-Ungarn und 1870 im Gebiet des Norddeutschen Bundes eingeführt."