Der Wildberger Gemeinderat hat das Entwicklungskonzept für das Sanierungsgebiet „Zentrum Unterstadt“ aktualisiert. Im Fokus: die Alte Lateinschule.
„Das ist mit Blick auf die Entwicklung ein logischer Schritt“, erklärte Till Brieger dem Gremium in seiner jüngsten Sitzung. Immerhin habe sich seit der Aufstellung des gebietsbezogenen Entwicklungskonzepts 2021 viel verändert, so der Abteilungsleiter Planen und Bauen im Wildberger Rathaus.
Nachdem die Sanierung seit vier Jahren läuft, ergab sich nun die Notwendigkeit, die Sanierungsziele zu konkretisieren und fortzuschreiben. In diesem Zusammenhang erinnerte Till Brieger daran, dass der Gemeinderat bereits zwei Erweiterungen des Sanierungsgebietes beschlossen hatte.
Unter anderem im Bereich der denkmalgeschützten „Alten Lateinschule“ Am Schloßgraben 9 mit ihrem prächtigen alemannischen Fachwerk aus dem Jahr 1586 habe sich im Laufe der Zeit gezeigt, dass keine sinnvolle Nutzung oder Entwicklung unter den aktuellen Rahmenbedingungen möglich sei. So blieben auch die Bemühungen zur Veräußerung des Gebäudes mit dem Ziel einer nachhaltigen Nachnutzung bislang ohne Erfolg.
Nachbargrundstück im Blick
In den Augen der Verwaltung geht die Entwicklung des Gebäudes Hand in Hand mit den Planungen auf dem benachbarten Grundstück Am Schloßgraben 7 und einem angrenzenden Flurstück, das sich in kommunalem Besitz befindet. Erst durch eine Freilegung des Grundstückes Am Schloßgraben 7 oder eine Nutzungsintensivierung könne eine Wiedernutzbarmachung und Aufwertung des denkmalgeschützten Gebäudes ermöglicht werden, ist man im Rathaus überzeugt.
Zur Behebung der identifizierten städtebaulichen Mängel und Missstände mit Maßnahmen des Freiraumkonzeptes wird daher die Fortschreibung der Sanierungsziele als erforderlich angesehen. Die bestehenden Sanierungsziele werden nach dem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats konkretisiert und ergänzt.
Stellplätze und Klimaschutz sind ebenfalls Thema
Ziele sind in diesem Zusammenhang die Aufwertung und Qualifizierung der öffentlichen sowie gebäudebezogenen Freiflächen im Quartier unter Berücksichtigung der Belange des Klimaschutzes. Notwendig sei ebenfalls eine Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität durch Erhöhung der Attraktivität der Freiflächengestaltung sowie des Stellplatzangebots. Damit soll eine Wiedernutzbarmachung der Alten Lateinschule ermöglicht werden.
Die Vorschläge aus dem Rathaus stießen im Gemeinderat auf offene Ohren: „Diese Fortschreibungen der Sanierungsziele machen durchaus Sinn“, erklärte Rolf Dittus für die Freien Wähler, und CDU-Rat Gerhard Ostertag fand es ebenfalls richtig, die Entwicklung der Alten Lateinschule zu konkretisieren.
Das Gebäude
Die Alte Lateinschule
ist seit vielen Jahrhunderten ein Teil des Wildberger Stadtbildes. Gegenüber der Martinskirche gelegen, ragt das Fachwerk-Gebäude drei Stockwerke in die Höhe. Im Jahr 1559 berichten die Aufzeichnungen von einem Schulhaus mit 35 Schülern in Wildberg, das „nit sonders baufellig“ war und von der Stadt als Eigentümer unterhalten wurde. Aus dem Jahr 1586 stammt das prächtige alemannische Fachwerk an der Fassade. Im 18. Jahrhundert gab es Klagen über das verfallende und unzulängliche Schulhaus, zumal der damalige Bürgermeister den Bühnenraum als Schafstall nutzte. Im Jahr 1785 wurde ein neues Schulhaus unterhalb der Kirche errichtet, das aber beim Luftangriff auf Wildberg im Februar 1945 zerstört wurde.