Fasnet, die muss sein – alte Hits in neuem Gewand, die ZDF-Hitparade lässt beim Ball der Alte Jungfere grüßen. Foto: Monika Hettich-Marull

Von „Let’s Dance“ bis zum „Tatort“, von OB Jürgen Roth bis zur „Färberstroß“ – überraschend und spannend war der „Fernseh-Obed“ bei den Alten Jungfere in Villingen.

Deko-Queen Maike Bicker sorgte für das Ambiente, Uli Schaper-Nolte für die Musik, ein ganzes Team mit Benjamin Bühl, Fabian Höller und Nick Wernick für den guten Ton und gutes Licht, Gabriele Viebrans für das gute Aussehen, Petra Feustel und Katrin Reiser am Schellenbaum für die Begrüßung, letztere als Soufleuse, wenn das Wort fehlte und das Gasthaus zum Hirschen aus Überauchen für den gastronomischen Genuss – es war angerichtet für den glamourösen, spaßigen und wortgewaltigen Jungfere-Obed 2026.

 

Und eins steht fest: Schon lange nicht mehr war ein „Fernseh-Obed“ so inspirierend und unterhaltend wie bei den Alte Jungfere. Das sah auch TV-Junkie (Steffi Brüderle) so, die sich genüsslich durch das Abendprogramm zappte.

Sogar alte Freund(innen) wie das Sandmännchen-West (Uli Degen) und Pickeldyne und Fredericke (Maike Bicker, Bettina Haas) erklärten den Gast-Jungfere im Saal das Leben – die beiden rosa Schweinchen vor allem das an der scheene Villinger Fasnet. Wobei so manches „hohe Tier“ der Fasnetvereine verwirrend klein ist – wie Generalfeldmarschall Dominik Schaaf von der Katzenmusik.

Ingeborg und Hannelore (Uli Merkle und Claudia Bick-Würth) von der Waterkant wissen viel, erzählen noch mehr – wollen aber keine Gerüchte in die Welt setzen. Foto: Monika Hettich-Marull

Bei den Ladykrachern Hannelore und Ingeborg (Uli Merkle und Claudia Bick-Würth) aus dem hohen Norden sorgten nicht nur die spitzen Zungen für Begeisterung. Mit perfekter Intonation stellte man nach der falschen Nutzung von drei Reinigungslappen im Haushalt fest: „Der Mann ist von wegen der R-Evolution gar nicht in der Lage was im Haushalt zu tun“.

Für 20 und 30 Jahre auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Ulrike Merkle (links) und Evi Blaser (rechts) erhalten von Prinzessin Kiri Lauterbach ihre Ehrung. Foto: Monika Hettich-Marull

Sybille Daube-Schelle (Kiri Lauterbach) versorgte in der Tagesschau die Zuschauerinnen mit ausgesprochen positiven News. Zwar traten den Zuschauerinnen die Tränen ganz wie im realen TV in die Augen – dieses Mal jedoch vor Lachen. Besonders begeistert war man über folgende Mitteilung: Donald Trump tritt als Präsident der USA zurück und konzentriert sich ganz auf seine Wahl als Papst – man sollte die Hoffnung nie aufgeben.

Dann wurde es rhythmisch und spektakulär: Vier Profitänzerinnen (Nicole Frey, Heike Görlacher, Uli Merkle und Uli Schaper-Nolte) schnappten sich Zunftmeister, Generalfeldmarschall und Co. (aufblasbar und etwas kümmerlich) zur Tanzrunde bei „Let’s Dance“. Trotz Emotion und Können gab es am Ende den Pokal nach Publikumswertung für das Jurorenteam Jorge Gonzales und Motsi Mabuse (einfach genial: Claudia Bick-Würth und Evi Blaser).

Chorche (man schreibt, wie man spricht) Claudia Bick-Würth und Motsi (Evi Blaser) rocken Let’s Dance. Foto: Monika Hettich-Marull

Wenn Pastorin Alefenzia Schollenlacher-Wortstark (Evi Blaser) zum „Wort zum Sonntag“ einlädt – dann sollte vor allem OB Jürgen Roth vorsichtshalber die Ohren anlegen, denn es kommt ein harter Wind von der Jungfere Bühne. Warum will eigentlich Roth noch mal für das Amt kandidieren? „Er möchte nicht vom fahrenden Zug springen. Wo doch jedes Kind weiß, dass in Deutschland so gut wie keine Züge fahren“. Er wolle wohl seine Arbeit fortführen – dabei hätten viele Villinger und Schwenninger noch gar nicht gemerkt, dass er damit angefangen hat.

Das Wort zum Sonntag von Alefenzia Schollenlacher-Wortstark (Evi Blaser) lässt keinen Zweifel aufkommen – in VS ist nicht nur heile Welt . Foto: Monika Hettich-Marull

Leider werde in VS jeder Euro in grenzenlosem Optimismus zweimal ausgegeben. „Bei einem Goldesel ist das Problem: Ist das Gold erst einmal weg, bleibt nur noch der Esel übrig“. Wahrscheinlich wird Alefanzias Flehen, der Herr möge Hirn herunterschmeißen, nur ein Wunsch bleiben.

Reporterin Monia Laber-Schrecklich, Duracell-Hase auf Ecstasy (Nicole Frey) berichtet live vom „Tatort“ in der Färberstroß! Was ist passiert? Gerichtsmedizinerin Frau Doktor Leicher kann nur noch den Exitus einer ganzen Straße feststellen: Ein langsamer, qualvoller Tod war es. Die Schuldigen werden vom Ermittlungsteam entlarvt und abgeführt: Es waren die Geselligkeitsmörder(innen), die über jedes Geräusch Buch führen.

Reporterin Monia Laber-Schrecklich, Duracell-Hase auf Ecstasy (Nicole Frey) berichtet live vom „Tatort“ in der Färberstroß! Foto: Monika Hettich-Marull

Peinliche Situationen, die in eine Tätlichkeit inklusive Beamtenbeleidigung führen: Beim Ausflug nach Köln mit dem Pfarrer gerät die Bürgermeisterin (Heike Görlacher) in einen Sexshop und ein Porno-Kino und wird dann angeschickert auch noch ausfällig, da helfen ihr weder die Gebete des Pfarrers im Dom, noch die Hilfe von Hausbotin Hanni (Kiri Lauterbach) aus der Patsche.

Zum Finale furioso versammeln sich alle Jungfere zu einer Hommage an die „ZDF-Hitparade“ auf der Bühne. Bekannte Schlagerohrwürmer wurden kurzerhand „Verjungfered“ und zauberten die scheene Fasnet auf die Bühne.

Kein Wunder dass die Jungfere nach Standing Ovations nicht ohne Zugabe von der Bühne kamen. Die feiern übrigens nächstes Jahr ihr 100-Jähriges – und sind kein bisschen leise. Chapeau!