Entscheidet sich Frauenglück vielleicht doch am Bügeltisch? Foto: /Westend61

Tradwives predigen im Internet die Rückkehr zu alten Frauenidealen. Dabei geht es ihnen vor allem ums Geschäft, meint unsere Kolumnistin.

Es war einmal vor langer Zeit, wir schreiben das Jahr 1987, da wurde ein Kinofilm mit dem Titel „Rendezvous unterm Nierentisch“ Kult. Das Konzept war ebenso schlicht wie genial: Werbefilme aus der Wirtschaftswunderzeit der 50er Jahre wurden zu einer anderthalbstündigen Collage montiert. Für besonders viel Erheiterung im Kino sorgte ein Werbespot von Dr. Oetker aus dem Jahre 1954, in dem die frisch verheiratete Renate strahlend erklärt: „Wir wissen ja, eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen.“ Dazu kommentiert eine sonore Stimme aus dem Off, „Ein Mann will täglich aufs Neue gewonnen sein.“ Der Mann als Ernährer; die Frau als Hausfrau, deren Aufgabe darin besteht, den Mann zu umsorgen – wie unglaublich sexistisch erschien uns das damals!

 

Beim Frühstück entscheidet sich alles

Leider ist es fraglich, ob dieser Film heute auch noch so viel Erfolg hätte. Wir schreiben das Jahr 2025, und in den sozialen Medien treiben sogenannte Tradwives, traditionelle Hausfrauen ihr Unwesen, als sei die Zeit nicht nur stehengeblieben, sondern hätte uns sogar zurück in die 50er katapultiert. „Frühstück ist der Moment, in dem du seinen Tag auf Erfolg programmierst, und als verantwortungsvolle Frau ist das deine Pflicht“, postet XMalischka von Mallorca. Gruselig! In den Kommentaren fragt jemand, ob das Satire sei. Ist es leider nicht.

An anderer Stelle erklärt sie, dass sie natürlich einen Mann braucht, denn wer sollte sonst all die leckeren Kuchen essen, die sie für ihn bäckt? Das ist dann schon fast O-Ton Dr. Oetker. Begeisterte Kommentare, Tausende von Followern, da kann es einem ganz schön mulmig werden. Offensichtlich trifft die Instagramerin einen Nerv.

Im Vergleich zu der Amerikanerin Hannah Neeleman ist XMalischka jedoch ein kleiner Fisch. Mehr als 10 Millionen Menschen folgen der achtfachen Mutter, die uns auf ihrem Kanal „Ballerinafarm“ an ihrem perfekten Leben auf einer Farm in Utah teilhaben lässt. Wie die Kinder die Kühe melken! Wie sie mit rosigen Wangen in der perfekt eingerichteten Landhausküche sitzen und den Kürbiskuchen mampfen, den die Mutter gerade vor laufender Kamera gebacken hat, mit Mehl direkt von der Farm, das sie nun ganz beiläufig anpreist!

Wer will solche Frauen in Führungspositionen?

Das ist nämlich das Perfide an den angeblichen Hausfrauen: Sie betreiben eine gigantische Selbstvermarktung. Nichts ist hier spontan, nichts wird dem Zufall überlassen. Weichzeichner, Wohlfühlmusik, und auch die Kinder müssen ihren Part beitragen. XMalischka verkauft scheinbar nebenher den Kaviar, der ihrem Mann Kraft für den Tag gibt. Das angeblich entspannte Hausfrauendasein ist in Wirklichkeit knallharte Arbeit.

Kein Grund zur Aufregung? Leider spielen die Tradwives auch all jenen in die Hände, die nicht wollen, dass Frauen Führungspositionen einnehmen und auf Gleichberechtigung und gleiche Bezahlung pochen.