Altbürgermeister Albert Schindler (links) referierte zur Empfinger Ortsgeschichte. Helena Deuringer (Dritte von links) begrüßte den seltenen Gast beim Seniorenmittag. Foto: Angela Baum

Von Kelten und Römern über die beiden Weltkriege bis zur Arbeitsplatzsituation: Albert Schindler war von 1987 bis 2017 Bürgermeister in Empfingen und kennt die Ortshistorie.

Einen Rückblick auf 75 Jahre Ortsgeschichte gab Empfingens Altbürgermeister Albert Schindler kürzlich beim Bürgertreff des Empfinger Seniorenbeirats. Immer wieder stehe hier das gemeinsame Plaudern und der gegenseitige Austausch im Vordergrund. Helena Deuringer vom Seniorenbeirat moderierte den Nachmittag, an dem Schindler die Zeit ab den 1950er-Jahren in Empfingen noch einmal aufleben ließ.

 

Der Friedhof etwa sei mittlerweile über 200 Jahre alt, berichtet Schindler. Er sei früher Friedhof für den gesamten Pfarrsprengel gewesen. Das erste Mal erwähnt werde die Gemeinde 772 im Lorscher Codex – eine Urkundensammlung des Klosters Lorsch. Die Gemeinde selbst könne jedoch bereits auf 1250 Jahre Geschichte zurückblicken.

Doch auch ein Keltenschwert sei in der Region schon ausgegraben worden „und auch die Römer waren schon bei uns“, berichtet Schindler, der die Ortshistorie kennt wie fast kein anderer. „Die Alemannen waren ebenfalls hier früher sesshaft“, wie Alemannengräber, die in Empfingen gefunden wurden, belegten.

Stunde Null in Deutschland

Schindler fokussierte sich beim Seniorenmittag jedoch auf Empfingens Geschichte ab 1950, sowie den Ersten und Zweiten Weltkrieg. 105 Empfinger seien im Zweiten Weltkrieg laut Schindler gefallen. „Die beiden Kriege haben viele Opfer gekostet“, so Schindler. Das Geld sei wertlos geworden und viele Flüchtlinge seien nach Deutschland gekommen. „In Deutschland lagen alle Gemeinden quasi am Boden, es war sozusagen die Stunde Null.“

1947 war „Personalwechsel“ in Empfingen: Rudolf Hipp war bis 1965 Bürgermeister der Gemeinde, Schindler selbst war von 1987 bis 2017 Bürgermeister. 1950 hatte die Gesamtgemeinde Empfingen 2000 Einwohner. Eine der ersten Aufgaben nach dem Zweiten Weltkrieg waren Brunnenbohrungen in den 1950er-Jahren. Auch das Abwasser wurde mit dem Bau eines Kanalnetzes in Angriff genommen. 1963 wurde dann der Abwasserzweckverband gegründet, und seit 1967 ist eine Kläranlage aktiv.

In Infrastruktur investiert

Auch das Bildungswesen war und sei noch immer eine wichtige Aufgabe. So seien laut Schindler Schulen und Kindergärten gebaut worden. Der erste richtige Kindergarten entstand 1955. Obwohl Empfingen viel in seine Infrastruktur investierte, etwa mit der Täleseehalle und dem Dorfgemeinschaftshaus in Wiesenstetten, sei die Gemeinde bis heute schuldenfrei. 1965 bis 1968 wurde eine Kaserne gebaut.

Auch der große Autobahnbau der A 81 und die damit verbundene Flurbereinigung tangierte die Gemeinde. 36 Hektar Land opferte Empfingen für den Autobahnbau. 1831 Hektar Fläche und 155 Kilometer Feld- und Waldwege wurden neu geordnet. Entstanden ist das Naherholungsgebiet rund um den Tälesee und das neue Sportgelände.

Spürbare Folgen davon waren, dass bereits in den 1960er-Jahren die Viehhaltung zurückging. Heute gebe es laut Schindler keinen Haupterwerbslandwirt mehr auf Empfinger Markung. Als Chance für die Arbeitsplatzsituation in Empfingen sieht er das interkommunale Gewerbegebiet mit Horb.