Elmar Langenbacher verbreitete mit seinen lebhaften Erzählungen aus seiner Kindheit eine Menge gute Laune. Viele der Besucher konnten sich mit seinen Erlebnissen identifizieren. Foto: Decoux

In seinem Buch „Als Oma noch lebte – Eine Kindheit im Schwarzwald“ schrieb der Autor Erinnerungen an seine Großmutter auf. Diese teilte er nun in Münchweier.

Zum ersten Münchweierer „Mittwochscafé“ im neuen Jahr fanden sich gleich 60 Gäste im rappelvollen Pfarrhofsaal ein. Hergelockt hatte sie der dazu eingeladene Buchautor und Schwarzwälder Geschichtenerzähler Elmar Langenbacher. Der ist in der badischen Region längst kein Unbekannter mehr, spätestens seit seinem Bestseller „Als Oma noch lebte – Eine Kindheit im Schwarzwald“.

 

Nachdem die Besucher von den Café-Frauen versorgt wurden, legte Langenbacher los. Nicht etwa mit einer üblichen Buchlesung am Tisch, sondern umher laufend im Plauderton, geprägt von reichlich Witz und Humor. 1967 in Hornbach geboren, verbrachte Langenbacher dort seine naturgeprägte Kindheit mit Eltern – und eben auch der geliebten Oma. Kurzweilig plaudernd erzählte der längst groß gewordene Enkel von damals noch gebräuchlichen Strohfinken, tollem Wald mit vielen Brombeeren und ansonsten schönem Treppengeländer zum klar verbotenen Hinunterrutschen.

Langenbacher teilt die eisernen Lebensregeln seiner Oma

Unvergessen auch der alte Emaille-Herd mit daneben stehender Holzkiste. Plastisch schilderte Langenbacher, wie hier das Wasser mit dem Topf-„Pfifferli“ zum Kochen gebracht wurde, damit es dann auf der Eckbank mit rotem, quietschendem Kunstleder Tee geben konnte. Auf dem entsprechenden Eckbrett stand dazu ein antiquarisches Kofferradio mit Drehantenne, während an der Wand nicht etwa ein Herrgott, sondern eine Kuckucksuhr hing.

Omas eiserne Lebensregeln waren: „Bloß ja nichts wegwerfen, man könnt’s noch mal brauchen!“ und insbesondere beim riesigen Brotmesser: „Uffpasse!“ Wichtiges Küchenutensil war ein riesiger hölzerner Kochlöffel gewesen, sowohl zum Rühren von eingekochter Himbeermarmelade als auch anderntags zum Durchquirlen in Waschpulver eingeweichter Unterhosen dienend. Für anschließendes Wäscheschleudern hatte Oma damals immerhin schon eine heftig wackelnde elektrische Schleudermaschine im Betrieb, bevor die Klamotten dann per Wäscheleine ins Freie gezogen wurden, damit jeder auch sieht: „Oma wäscht wieder!“

Zahlreiche eigene Erinnerungen kamen den nostalgisch gestimmten Zuhörern auch bei Langenbachers mitgebrachter alter Milch-Zinkkanne auf. Und das Klo? Klar: Mit hängender Glühbirne, Ziehstrippe und eigentlich wegen Kreuzworträtseln gekaufter Zeitung, die gelegentlich in Streifen gerissen und auf einen Nagel gespickt wurde.

Bei Langenbachers eindrücklichen Schilderungen aus den eigenen 1970er-Jahren kam keine Langeweile auf: „Oma war über 75 Jahre bei den Naturfreunden. Und beim Wandern haben wir dann immer von der lieben kleinen Schwarzwaldmarie gesungen.“

Beim Vortrag wurde nicht nur gelacht, sondern auch gemeinsam gesungen

Langenbacher stimmte dies an – und nahezu alle sangen sogleich mit. Und wie hat Oma einst beim Wandern erklärt, was ein Elektrozaun für Rindviecher ist? Richtig: „Jetzt langsch einfach mal dran.“ Sonntags ging es mit dem brandneuen Opel Rekord C auf Ausflug – mit Dreiecksfensterchen zum Einklappen sowie dem Wackeldackel und einer Klopapierrolle auf der Hutablage. Wie viele hatten damals in den Opel gepasst? Papa am Steuer, Mama („weil Frauen nicht fahren können“) als Beifahrerin – und vorne auf dem Schoß der Bubi, im Fußraum das Schwesterlein. So ging es sogar auch mal auf die Herbstmesse nach Offenburg. Als Langenbacher munter erzählte, was dort alles gekauft worden war, herrschte ungläubiges Staunen. So berichtete er, man habe dabei der Oma sogar einen Thermomix mitgebracht – und das im Jahr 1975. Den zeigte er dann sogleich vor: Nämlich einen damals höchst beliebten Schneebesen mit eleganter Handkurbel.

Schließlich endete Langenbachers Kindheit mit einem ersten Kuss beim Flaschendrehen-Spiel in der Schule. Zwar nur auf die Backe, aber immerhin. Die habe er immerhin seitdem nicht mehr gewaschen, erklärte er augenzwinkernd. Bis zum Schluss kamen die Gäste mit Langenbacher aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Info – Das Mittwochscafé

Vor 25 Jahren wurde das Münchweierer Mittwochscafé ins Leben gerufen. Seitdem lädt von November bis April jeweils am zweiten Mittwoch die Pfarrgemeinde zum gemütlichen Kaffeenachmittag in den Pfarrhofsaal ein. Neben Kaffee und Kuchen gibt es dort immer auch einen Vortrag zu den unterschiedlichsten Themen. Derzeit wird das Café von einem neunköpfigen Damenteam geleitet. Die Organisatorinnen Renate Kern und Elisabeth Burger würden sich über weitere Helferinnen freuen und versprechen: Stressig wird es dabei keinesfalls. Es ginge nur darum, Angebote für ältere Menschen zu machen: „Wir wollen ja später auch mal nichts mehr selbst tun, sondern auch nur noch kommen“, erklären sie im Gespräch.