Auch diese historische Karte vom Müchweierer Bahnhof ist auf der Informationstafel zu sehen. Foto: Ortsverwaltung

Eine neue große Informationstafel soll Einheimische und Auswärtige am neuen Radweg zur dörflichen Eisenbahngeschichte informieren. Der Ortschaftsrat Münchweier hat nun den finalen Entwurf genehmigt.

Die Tafel soll künftig am gerade entstehenden neuen Radweg über die just an dessen Verlauf einst betriebene Bahnstrecke samt eigenem Haltebahnhof informieren (wir berichteten). Mittlerweile hat der damit beauftragte Ortschaftsrat Dirk Hug gemeinsam mit dem grafikaffinen Rüdiger Weider längst gesammeltes Foto- und Textmaterial zu einem finalen Layout-Entwurf verarbeitet. Obwohl man sich dabei um eine straffe Übersichtlichkeit bemüht habe, sei die geplante Tafel trotz ihrer Größe mit über zwei Metern Breite beidseitig nun doch schon recht voll geworden: „Aber wir wollen ja auch recht viele Infos zur Eisenbahn rüber bringen!“, betonte Huf.

 

Auf der Vorderseite der Tafel ist neben vielen historischen Informationen zur „Lokalbahn Rhein-Ettenheimmünster auch ein Schwarz-weiß-Foto zusehen. Auf diesem erkennt man die zwei ersten kleinen Münchweierer Bahnhofsgebäude aus Wellblech als Fahrkartenschalter und Wartehäuschen, plus der später dazugekommenen Güterabfertigung und sogar einem Toilettenhäuschen. Deutlich zu erkennen ist auch ein langer Schuppen, der noch bis 1923 als Sandsteinlager vom Ettenheimmünsterer Steinbruch im östlichen Brudergarten gedient hatte.

Heute ist das Areal des ehemaligen Dorf-Bahnhofes am damaligen absoluten Ortsrand im freien Feld mit Feuerwehrhaus und DRK-Heim sowie Vereinsschopf längst bebaut, mitsamt Fest- und Kinderspielplatz direkt davor.

Auf der ebenso fertig entworfenen Tafelrückseite finden sich vier erinnerungsträchtige Geschichten und lustige Bahn-Anekdoten rund um das „Äddemer Bähnle“ plus Abbildungen von altem Fahrplan (Betrieb bis zu sogar vier Mal täglich!) und ein Originalbillet.

Tafel bietet eine Fülle an Informationen

Dazu gehören historische Fotos vom qualmenden Dampf-Lökle mit einem bisweilen auch für Gütertransporte sogar einem zweiten angehängten Wagen. Ortschaftsrätin Celine Weidler hatte sich nach eigenem Bekunden ursprünglich von der Tafel-Textfülle etwas erschlagen gefühlt, doch bald war auch sie davon überzeugt, dass es allzu schade wäre, die verwendeten erzählenden Münchweierer Zitate von August Feger, Emil Schwendemann, Hedwig God und Hermann Zanger zu kürzen.

So waren sämtliche Ortschaftsräte komplett mit dem vorgelegten Tafel-Entwurf einverstanden, der nun in die Layout-Endbearbeitung samt letzten Orthografie-Korrekturen gehen kann. Ortsvorsteherin Charlotte Götz lobte schon mal vorab: „Ihr habt da eine super Arbeit gemacht!“ Das werde einen ganz tollen Mehrwert besonders auch für geschichtsinteressierte Jugend ergeben, die bislang von Münchweiers illustrer eigenen Bahngeschichte noch nie etwas gehört hatte.

Eine der beiden Infotafeln samt dazugehöriger Holz-Rahmenkonstruktion ist durch Spendenzusagen, etwa des Heimat- und Kulturvereins, schon komplett finanziert. Sie soll zusammen mit einer Sitzbank bei auf die alte Bahnstrecke folgenden demnächst fertiggestellten Radweg beim Ettenbach-Ablösle samt Sitzbank aufgestellt werden. Die Informationstafel soll so aufgestellt werden, dass man ohne Platzangst zum ausführlichen Lesen und Betrachten darum herum laufen kann – eventuell mit einer Pflasterfläche. Doch damit wird sich der Ortschaftsrat nochmals ausführlich befassen.

Zur Historie der Lokalbahn Rhein-Ettenheimmünster

Auf der Vorderseite der Tafel findet sich viel Wissenswertes zur 1893 eröffneten „Lokalbahn Rhein-Ettenheimmünster“, die im Schmalspurbetrieb anfangs noch eine zusätzliche Strecke von Rust bis Orschweier aufwies – im Jahr 1914 wurde sie jedoch stillgelegt. Der halbe Trassen-Rest von Orschweier bis zur Endstation Ettenheimmünster wurde auf 7,7 Kilometern Länge dann ab 1922 sogar mit umgebauter Normalspur betrieben. 1958 wurde jedoch auch die Teilstrecke zwischen Ettenheimmünster und Ettenheim stillgelegt, acht Jahre später kam dann auch noch das Aus für die übrig gebliebene Reststrecke bis Orschweier.