Sven Christmann (Zweiter von links, auf ausdrückliche Aufforderung des Gerichts verpixelt) beteuerte seine Unschuld in dem Bestechungsprozess. Foto: Felix Biermayer

Der Polizist und Beinahe-Bürgermeister von Alpirsbach Sven Christmann steht wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht. Er streitet alles ab.

Der Polizist Sven Christmann wurde zum Alpirsbacher Bürgermeister gewählt, durfte sein Amt aber nicht antreten. Er hatte im Wahlkampf unwahr über seine Freistellung vom Dienst wegen Korruptionsvorwürfen informiert. Alpirsbach wählt nun neu – ohne Christmann. Der steht derweil in Pforzheim wegen Bestechlichkeit vor Gericht.

 

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sich während seiner Zeit im Innenministerium bei einer Auftragsvergabe nicht an die Regeln gehalten zu haben. Es geht dabei um Trocknungsschränke für Einsatzkleidung im Trainingszentrum der Polizei in Mosbach. Für die habe Christmann gemeinsam mit einem Kollegen den Auftrag an mehr als 170 000 Euro an eine Firma vergeben – ohne eine ordnungsgemäße Ausschreibung. Nur zwei Angebote hätten sie eingeholt, drei seien mindestens nötig gewesen. „Es gab zahlreiche weitere Anbieter“, so Staatsanwalt Johannes Jungmann.

Christmann streitet Vorwürfe kategorisch ab

Christmanns Kollege ist ebenfalls in Pforzheim angeklagt, ebenso der Geschäftspartner. Denn es geht um einen weiteren Punkt. Der Geschäftspartner hat nach dem Deal die Firma gewechselt, die beiden Polizisten eine eigene Firma gegründet. An diese flossen vom Geschäftspartner gute 10 000 Euro. Jungmann sieht darin eine Belohnung für den ersten Deal und eine Bestechung für weitere Geschäfte. Christmann und sein Kollege seien deshalb in zwei Fällen bestechlich. Der Geschäftspartner ist wegen Bestechung angeklagt. Die Taten sollen etwa fünf Jahre zurückliegen.

Christmann stritt die Vorwürfe vor Gericht kategorisch ab. Er sei kein „korrupter Bulle“, sagte er. Zuständig für die Vergabe sei die Polizeihochschule gewesen, die später auch Betreiber des Trainingszentrums gewesen sei. „Wir waren null beteiligt“, sagte er über sich und seinen Kollegen. Er führte diverse Mails als Beweise an. Den Zuschlag habe die Firma außerdem bekommen, weil die nach einhelliger Meinung das beste Produkt hatte. Höhere Stellen hätten die Beschaffung freigegeben.

Firmengründung durch die Polizisten

Im Trainingszentrum hätten alle Polizisten des Landes in Amok-Situationen weitergebildet werden sollen, so Christmann. Anlass war der Amoklauf in München 2016. Weil das Land bei der Umsetzung hinterherhinkte, sei der politische Druck hoch gewesen. Innenminister Thomas Strobl (CDU) habe die Angelegenheit zur Chefsache erklärt. Christmanns Abteilung habe die „überforderte“ Hochschule lediglich unterstützt, „um ein politisches Fiasko zu vermeiden“.

Die Gründung der Firma durch die Polizisten habe nichts mit dem Geschäftspartner zu tun, so Christmann. Die Polizisten hätten privat Beratungsleistungen für Ordnungsbehörden angeboten. Erst später habe man wieder mit dem Partner gearbeitet. Die 10 000 Euro seien eine Provision für den Verkauf von Schränken an ein Trainingszentrum der Polizei in Biberach gewesen. „Ich habe mich nicht bestechen lassen“, unterstrich Christmann. Er oder sein Kollege hätten polizeiintern auch mit dieser Vergabe überhaupt nichts zu tun gehabt.

Tiefe Depression nach Freistellung

Für Christmann hatten die Ermittlungen neben seiner gescheiterten Wahl weitere Auswirkungen. Er sprach von einer tiefen Depression nach seiner Freistellung. Es sei sein Kindheitstraum gewesen, Polizist zu sein. Es gehe vor Gericht um seine Existenz als Beamter. „Ich will meine Integrität zurück“, sagte er.